Der Döner bekommt seine Messe
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Von Simone Andrea Mayer
Artikel vom 24.03.2010
Die Fladentasche mit Fleisch, Soße und Salat bekommt ihre Fachmesse. Die Döga in Berlin, der Stadt mit den meisten Dönerbuden Deutschlands, steht allerdings im Zeichen eines harten Preiskampfes unter den Imbissbuden.
Der Döner ist ein Deutscher, und deswegen schmeckt er ihnen auch so gut. In den 70er Jahren kleidete ein Gastarbeiter in Berlin das türkische Tellergericht erstmals in Fladen, garnierte es mit Salat, füllte es mit Soße und würzte es intensiver als gewohnt. Geboren war ein Fast-Food-Happen, der sich längst etabliert hat. Nach Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim füllen heute rund 60.000 Beschäftigte in 15.500 Betrieben Dönertaschen. Neben der Buden-Landschaft hat sich ein erfolgreiches, von wenigen Betrieben geprägtes Zulieferernetz entwickelt. In Berlin trifft sich am 27. März die Branche der schockgefrosteten Fleischkegel und Fertigsoßen zu ihrer ersten Fachmesse, der Döga.
In nur rund 100 mittelständischen Unternehmen werden die Spieße für geschätzt 122.000 Tonnen verkaufte deutsche Döner im Jahr produziert. Während die große Zahl der Imbissbuden aufgrund des großen Preiskampfes mit durchschnittlich 500 Euro Umsatz am Tag kaum rentabel sei, lohne sich das Geschäft der Zulieferer, sagt Yunus Ulusoy vom Zentrum für Türkeistudien in Essen. «Die Spieß-Hersteller behaupten sich schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich am Markt. Ohne sie gibt es heute keinen Döner mehr.»
Denn das fachgerechte Aufstecken eines Fleischkegels ist so kompliziert, dass es von der Branche mit einem Hausbau verglichen wird. Die Mehrzahl der Budeninhaber wisse nicht, wie das geht, sagt Ulusoy. «Dönerbuden werden betrieben, um die Existenz der Familie aus Mangel an Alternativen zu sichern und nicht, weil man Gastronom sein möchte.» Die Döner-Verkäufer beziehen daher gerne auch schon geschnittene Salatbeigaben und vorgebackene Fladen von der Industrie. Auch spektakuläre Zubereitungshelfer sind gefragt. Auf der Döga soll erstmals ein Döner-Roboter zum automatischen Schneiden der Spieße präsentiert werden.
Die Dönerspießbauer sind wie die Budenbetreiber fast ausschließlich türkischstämmig. «Ihre Abstammung ist ihr Erfolgsrezept», sagt Ulusoy. Durch ihre Kenntnisse der türkischen Sprache und Kultur sowie ihr Wissen über die Normen des Islams für die Speisenzubereitung hätten sie eher das Vertrauen der Gastronomen als ein deutscher Anbieter. Empfohlen werden die Lieferanten zudem oft von Bekannten, sagt der Vorsitzende des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa und Döga-Veranstalter, Tarkan Tasyumruk.
«Die Gastronomen vergleichen daher selten Preis und Qualität der Lieferanten», sagt Tasyumruk, der selbst Inhaber eines 60-Mann-Betriebs für Dönerproduktion in Werneuchen ist. «Ziel der Döga muss sein, den Wettbewerb zwischen den Lieferanten zu fördern.» Nur so könne die Wirtschaftlichkeit der Dönerbuden-Landschaft in Deutschland auf lange Sicht gesichert werden, meint Tasyumruk. Auch Ulusoy sieht die Dönerbuden in Gefahr: «Der Markt ist gesättigt, fast in jeder Straße gibt es Imbisse. Das hat zu einem ruinösen Konkurrenzkampf geführt.»
ruk/ped/reu/news.de/dpa
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