Leitmesse der Bodenständigkeit
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Von news.de-Redakteur Sebastian Haak
Artikel vom 12.03.2010
Die Tourismusunternehmen präsentieren sich auf der ITB in guter Stimmung – der Krise zum Trotz. Und die ist so gut, dass ihr selbst ein paar gewollte, aber wenig gekonnte Ideen nichts anhaben können.
Dass die Araber es in Sachen Luxus gerne so richtig krachen lassen, ist eigentlich keine Überraschung. Und es ist sicher keine Nachricht. Aber wer sich davon trotzdem überzeugen möchte, ohne dafür hunderte oder gar tausende Euro pro Übernachtung auszugeben und einen anstrengenden Langstreckenflug auf sich zu nehmen, der kann diese Erfahrung auf der ITB zum Preis eines Messetickets machen.
Keine andere Halle auf der Leitmesse des Tourismus verbreitet ein so exklusives Flair wie die, in der sich Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate präsentieren. Funkelnde Goldattrappen, zweistöckige Messestände in Form von Palästen und unzählig ewig lächelnde Messehostessen – ob es nun draußen dunkel ist oder nicht: die ITB-Hallen mit der sterilen Bezeichnung «Arabische Staaten, Iran, Israel» verbreiten das Flair von 1001 Nacht. Und gleichwohl Israel und der Iran dasselbe Dach teilen, ist es dort friedlich.
Überhaupt ist auf der ITB nichts von Krise zu spüren. Nicht nur, weil die vorhandenen Messestände wie üblich gut besucht sind, überall mal mehr und mal weniger wichtige Menschen Visitenkarten austauschen, mit ihren Blackberrys telefonieren, Messeangestellte fleißig Prospekte verteilen und die üblichen Messejäger schon in den ersten Stunden nach der Eröffnung der Fachpublikumstage fette Beute – Kugelschreiber, USB-Sticks, Taschen und natürlich Prospekte, Prospekte, Prospekte – gemacht hatten.
Vielmehr ist auf der ITB schon deshalb nichts von Krise zu spüren, weil die Messehallen am Funkturm ausgebucht sind und mit 11.127 ausstellenden Unternehmen mehr Unternehmen als jemals zuvor vor Ort sind. Vergangenes Jahr waren es 11.098 Geschäftstreibende gewesen.
Nicht alles, was neu ist, ist gut
Dabei – das räumen die ITB-Macher wie Messe-Chef Christian Göke ganz unverholen ein – profitiert die Messe 2010 mehr von ihrem in der Vergangenheit erarbeiteten Ruf als Leitmesse als von bahnbrechenden Innovationen. Die ITB ist eine Marke, die sich inzwischen nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Im Gegenteil. Kontinuität ist da oft mehr wert als Neues um jeden Preis.
Beispiel Social Media Lounge. Was im Vorfeld als ein großer Trend angekündigt worden war, den die ITB 2010 aufnehmen und fortschreiben wollte («In der Tourismusbranche stehen die Zeichen ganz auf Social Media: Reiseveranstalter und -anbieter, Fremdenverkehrsämter und Hoteliers erobern die Plattformen und Communities, um so nah wie möglich am Konsumenten zu sein», heißt es auf der Website der ITB beispielsweise), entpuppt sich vor Ort als Flop. Mehr als nichtssagende Worthülsen aus dem Mund von stereotypen Web-2.0-Gestalten in betont legerem Businesschique, den obligatorisch-feuilletonistischen Schal um den Hals gewunden, hat die Lounge nicht zu bieten. Ihr ganzer Sinn bleibt mysteriös.
Versinnbildlicht wird diese Bruchlandung durch einen der Chefs einer kleinen Web-2.0-Schmiede, der als einziger die Hand hebt, nachdem er zur Auflockerung seines Lounge-Vortrages die Umstehenden gefragt hatte: «Wer ist in mehr als fünf sozialen Netzwerken angemeldet?»
Schadet das der ITB als Ganzes? Am letzten Tag der Fachbesuchertage 2010 darf die Erkenntnis stehen: «Nein!» Die Masse der Aussteller in Berlin ist bodenständig geblieben. Sie tun das, was sie auf der ITB immer getan haben: Kontakte knüpfen und die Reiselust der Menschen wecken, die ab Samstag die ITB erleben können – und dabei die Halle der Araber nicht verpassen sollten.
mat/reu/news.de
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