So., 12.02.12

Buchrezension Keynes reloaded

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 11.03.2010

Noch ein Keynes-Buch in Krisenzeiten? Ja, noch ein Buch. Aber dieses Mal eins von einem Keynes-Experten. Robert Skidelsky konnte mit Die Rückkehr des Meisters bereits in den USA überzeugen. Jetzt erscheint das Buch in Deutschland.

Nach der Lektüre des Buchs Die Rückkehr des Meisters von Robert Skidelsky glaubt man, die Volkswirtschaftslehre wäre ohne John Maynard Keynes ein abstraktes mathematisches Theoriegebäude ohne Bezug zur Realität.

Keynes (1883 - 1946) rückte stattdessen den Menschen in den Mittelpunkt der Forschung, der in seiner Natur eben nicht dem Idealbild des Homo Oeconomicus entspricht. Ein Fakt, den seine Vorgänger der klassischen Wirtschaftstheorie nicht erkannten - mit der Folge, dass sie keine brauchbaren Instrumente für die Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren parat hatten.

Keynes lieferte Mitte der 1930er Jahre dieses Instrumentarium mit seinen Ideen einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik. Vereinfacht erklärt: Die Selbstheilungskräfte des Marktes allein lösen die Probleme nicht. Der Staat müsse in Krisenzeiten in die Wirtschaft investieren, um den Unternehmen Sicherheit für Investitionen zu geben, forderte Keynes. Dadurch springe die Wirtschaft wieder an.

Mit einer sehr tiefgehenden Analyse erklärt Skidelsky die Grundlagen des britischen Wirtschaftswissenschaftlers und liefert zugleich eine der besten Analysen der Finanzkrise mit, was den Keynes-Einsteiger an einigen Stellen etwas überfordern dürfte. Doch die Mühen lohnen sich. Und das nicht nur für Anfänger, auch der Keynes-Kenner kommt bei zahlreichen Details über den Ausnahmewissenschaftler auf seine Kosten. Skidelsky kann dabei aus einem riesigen Fundus schöpfen, den er nach dem Schreiben einer dreibändigen Keynes-Biographie zusammengestellt hat.

Was ein wenig kurz kommt, ist die Analyse der praktischen nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik der Staaten im 20. Jahrhundert und vor allem der Konjunkturprogramme in der heutigen Krisenzeit.

Dafür hält Skidelsky nicht mit anderen spannenden Fakten aus der Wirtschaft zurück. So erfährt man, warum die Wachstumsraten der Weltwirtschaft in der Bretton-Woods Ära bis Mitte der 1970er-Jahren höher waren als danach und dass in den vergangenen Jahrzehnten die Ungleichheit in den Einkommen der jeweiligen Staaten weltweit zugenommen hat - außer in Südamerika, wo die Staaten die neoliberale Doktrin aufgegeben haben.

Insgesamt ist es ein großes Buch, das nach dem Lesen nicht einfach im Regal verschwindet, sondern dass man gern mal wieder zur Hand nimmt, um Keynes' Gedanken über die moralischen Grundlagen oder die Sinnhaftigkeit von Geld zu erfahren. Denn Keynes war mehr als ein Ökonom. Er hat Grundlagen für ein ganzes Gesellschaftssystem geschrieben.

Titel: Die Rückkehr des Meisters
Autoren: Robert Skidelsky
Verlag: Kunstmann
Preis: 19,90 Euro
Seiten: 304
ISBN: 3888976472

mac/news.de
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