Krisenprophylaxe

Ethikkurse für Investmentbanker?

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Die Finanzkrise hat zwar den Beruf des Investmentbankers einige Imagepunkte gekostet, trotzdem streben viele Studenten in die Geldhäuser. Ingolf Jungmann, Vizepräsident der Frankfurt School of Finance, erklärt, warum das so ist.

Wie hat sich die Popularität des Berufes Investmentbanker bei ihren Studenten entwickelt? Ist die Finanzkrise in den Köpfen der Studenten angekommen?

Ingolf Jungmann: Ich denke, alle Informationen sind zu den Studenten durchgedrungen, doch es hat keine Konsequenzen. Ich war am vergangenen Samstag in einer Veranstaltung unseres Master-of-Finance-Studienganges. Dort haben wir gefragt, wer will jetzt noch welche Vertiefungen belegen. Eine Vertiefung heißt Capital Markets, das ist klassisch Investmentbanking. Ein Drittel aller Studenten wollen immer noch Capital Markets belegen.

War das immer so?

Jungmann: Das war immer so. Der größere Teil derjenigen sieht sich und seine Karriere weiterhin im Investmentbanking. Wir haben definitiv noch keinen signifikanten Rückgang, was das Wunschprofil der Studenten angeht.

Woran liegt es, dass ihre Studenten trotz der Krise an dem Berufswunsch festhalten?

Jungmann: Ich denke zum einen, die Leute sind karriere- und gehaltsorientiert. Wenn man aus den Medien hört, dass man als Investmentbanker bei entsprechender Leistung immer noch gut verdienen kann, triggert das natürlich ganz enorm. Außerdem ist es nun mal ein interessanter und anspruchsvoller Beruf.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um ein guter Investmentbanker zu werden?

Jungmann: Egal, in welchen Bereich der Investmentbanker arbeitet, er braucht eine mathematische Affinität, eine hohe analytische Fähigkeit, ein hohes intellektuelles Vermögen. Und sicherlich auch eine hohe Durchsetzungsfähigkeit und Belastbarkeit.

Hat sich durch die Finanzkrise etwas an den Inhalten des Studiums geändert? Wurde beispielsweise das Fach Wirtschaftsethik in den Lehrplan aufgenommen?

Jungmann: Die Finanzkrise hat selbst Einzug gehalten in das Curriculum. Was ist da passiert, was hat aufeinander gewirkt. Das ja. Aber es ist nicht so, dass die Curricula umgestrickt worden sind und Wirtschaftsethik ergänzt wurde. Wir sind aber als Hochschule privilegiert, weil unsere Professoren schon immer ethische Fragestellungen behandeln.

An der Harvard Universität in den USA haben die Studenten einen Eid ins Leben gerufen, der sie zu ethischem Handel verpflichten soll. Spielt so ein Eid bei Ihnen eine Rolle?

Jungmann: Ein solcher Eid ist zumindest bei uns im Präsidium besprochen worden. Ich persönlich habe dabei aber ein Problem. Was davon ist Lippenbekenntnis und modernistisches Wohlverhalten, und was davon ist Grundüberzeugung? Ich denke, es muss uns darauf ankommen, die Akzente im Studium so zu setzen, dass die jungen Leute aus einer inneren Haltung heraus ethisch oder werteorientiert vorgehen. Dieses Handeln sollte sich weniger daran orientieren, ob ich einen Eid auf irgendetwas ablege.

Wie kann man das ethische Handeln innerhalb des Studiums fördern?

Jungmann: Ethik auf den Stundenplan zu setzen, kann man wunderbar tun, bringt aber im Zweifelsfalle nichts. Die Frage ist doch, kann ich das kognitiv überhaupt lernen? Es ist eine methodische Frage. Wie kann man es anstellen, dass das Thema Ethik einen Anknüpfungspunkt bei den jungen Leuten findet und zum Weiterdenken anregt? Wie komme ich dazu, dass die jungen Leute das Thema inhalieren und zu einem wesentlichen Momentum ihres Lebensweges machen?

Was ist Ihre Antwort?

Jungmann: Wir verwenden einen Outdoor-Campus. Das halten wir für besser, als das Thema im Klassenraum nochmal theoretisch zu diskutieren. Der Student bekommt bei uns Social Credit Points, wenn er nachweist, dass er sich mit solchen Fragestellungen auseinandergesetzt hat.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie man diese Social Credit Points an Ihrer Schule bekommt? Arbeitet man bei einem Verein ehrenamtlich mit und lässt sich dafür einen Nachweis geben?

Jungmann: Genau, so können Sie sich das vorstellen. Das können ganz verschiedene Aktivitäten sein. Wir sind ja auch teilweise in den Entwicklungsländern unterwegs. Wenn die Studenten dort Ihre Praktika machen und sich darüber hinaus noch sozial engagieren, dann können sie Social Credit Points sammeln. Sicherlich sind Ethik und Social Credit Points nicht dasselbe. Es geht uns aber darum, den Transfer dessen, was im Klassenzimmer im Diskurs diskutiert wurde, erlebbar zu machen und Werte zu reflektieren.

Wie schätzen Sie die Berufschancen Ihrer Absolventen im Moment ein?

Jungmann: Wir sind in einer privilegierten Situation, da wir ganz klar Finance-Absolventen promoten. Den Betriebswirtschaftsabschluss mit einem klaren Schwerpunkt und Finance. Momentan ist es immer noch so, dass 99,9 Prozent der Studenten, nachdem sie das Studium abgeschlossen haben, auch einen Arbeitgeber finden. Dazu muss ich einschränkend natürlich sagen, viele von den Absolventen hatten während des Studiums schon einen Arbeitgeber. Das macht es leichter.

Und generell der Markt für Investmentbanker?

Jungmann: Das wird natürlich schwierig, weil es weltweit Abbauprogramme gibt, schauen Sie nur nach London. Es gibt einen zweiten Trend. Der Bachelorstudent, der gern ins Investmentbanking gehen möchte und momentan keine Arbeitsplätze findet, der weicht aus, indem er noch einen Masterstudiengang oben drauf setzt. Früher wollte man schnell Geld verdienen, in der Praxis Erfahrungen sammeln und dann später den Master anschließen. Wir beobachten jetzt einen Trend derjenigen, die nach dem Bachelor gleich weitermachen, um Zeit zu gewinnen, bis sich der Markt wieder erholt.

Ingolf Jungmann ist Vizepräsident und Geschäftsführer der Frankfurt School of Finance & Management. Im Herzen der Finanzmetropole Frankfurt bildet die Hochschule seit 1957 Nachwuchs für die Finanzwelt aus.

ruk/reu/news.de
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