Traumjob in der Krise?
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Von news.de-Redakteuren Christian Mathea und Sebastian Haak
Artikel vom 09.03.2010
Das Image der Banker, und vor allem der Investmentbanker, hat in den vergangenen Monaten ganz schön gelitten. Aber ändert das etwas für die, die Banker werden wollen? Auf jeden Fall gibt es davon noch jede Menge.
Was hat ein Medizinstudent im Schrank stehen? Na klar, Noah Gordons Der Medicus. Und fragt man ihn nach den Gründen seiner Studienwahl, heißt es nicht selten: «Ich habe den Wunsch, anderen zu helfen.» Dass das Geld auch eine nicht unerhebliche Rolle spielt - das bleibt freilich unbestritten.
Bei vielen Studenten der Betriebswirtschaftslehre (BWL) ist das mit der Studienwahl und den Vorbildern anders. Viele gehen dort von Beginn an gehaltsorientiert an ihr Studium heran. Statt des Medicus im Schrank hängt dort höchstens ein Plakat von Warren Buffett an der Wand. Guido Friebel, BWL-Professor an der Universität Frankfurt, fand passend in einer Umfrage im Jahr 2009 heraus: «Studierende der Wirtschaftswissenschaften möchten viel verdienen, einen sicheren Arbeitsplatz und möglichst wenig arbeiten.»
Und wo geht das am besten? Na klar, im Investmentbanking. Zwar müssen die Finanzjongleure dort auch mal Zwölf-Stunden-Schichten schieben, aber das Return on Investment war dort bisher unschlagbar - also übersetzt, das Geld, was man für die jeweilige Arbeitszeit bekommt.
Die Krise ist bei gestandenen Investmentbankern angekommen ...
Doch die Finanzkrise hat in den Investmenthäusern Spuren hinterlassen. Ganze Abteilungen wurden eingedampft, die Stellengesuche teils deutlich zurückgefahren. In den USA suchen gegenwärtig nur solche Banken ernsthaft nach Investment-Bewerbern, die keine Staatshilfe bekommenDie Deutsche Bank ist so ein Beispiel. Für die Wachstumsbrachen des Kreditinstitutes würden weiter Mitarbeiter gesucht, sagt ein Unternehmenssprecher. Zudem werde trotz Finanzkrise daran festgehalten, in jedem Jahr 750 neue Trainees weltweit einzustellen. haben und weiterhin mit Boni locken können.
Das scheint an den amerikanschen Hochschulen zu einem langsamen Umdenken zu führen. An der Wharton Universität von Pennsylvania beispielsweise wird bei den Wirtschaftsstudenten regelmäßig nach den Berufswünschen gefragt. Der Renner unter den beliebtesten Jobs: Investment-Banker. Doch die Zahlen sinken. So wollten im Jahr 2007 noch 48,2 Prozent der Studenten diesen Berufszweig einschlagen, im Jahr 2009 nur noch 41,9 Prozent.
Trotzdem gibt es nach wie vor genügend junge Menschen, die Banker werden möchten. John Benson vom Karrierenetzwerk eFinancialCareers verweist vor diesem Hintergrund auf das Verhältnis der Bewerbungen zu den offenen Stellen in der Finanzbranche: Das liege europaweit derzeit bei 30 zu 1 oder höher, sagt er. «Studenten, die weiterhin eine Karriere im Finanzmarkt planen, müssen daher räumlich und fachlich eine große Flexibilität an den Tag legen, um einen der begehrten Posten zu erreichen», sagte er in der Financial Times Deutschland.
... aber nicht bei den Jungen der Branche
Trotz des Imageschadens für die Finanzbranche in der Krise gibt es also genügend potenziellen Nachwuchs für die Kreditinstitute. Einige der zukünftigen Investmentbanker kommen von der TU Chemnitz. Die Spezialisierungsrichtung Zertifikat-Investment-Banking erfreue sich trotz der gesunkenen Reputation des Berufszweiges weiter großer Beliebtheit, bestätigt Professor Friedrich Thießen, Leiter des Studiengangs.
Thießen sieht gute Chancen für seine Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. Die klassischen Investmentanlagen würden weiterhin verkauft, nur teilweise unter anderem Namen, sagt er. Deshalb sei der Bedarf an Fachleuten, die die Systeme beherrschen, auch in Zukunft vorhanden.
Ähnlich die Einschätzung von Carsten Rogge-Strang, Sprecher des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken). Einen Rückgang bei den Zahlen der Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz als Bankkaufmann beispielsweise sei in Deutschland nicht zu verzeichnen. «Die Ausbildung wird unverändert nachgefragt», sagt er. Das liege an der «sehr hochwertigen Ausbildung», die nach wie vor der Krise sehr anerkannt sei und mit der Bankkaufleute nicht nur in Banken, sondern auch in vielen anderen Wirtschaftszweigen gute Jobaussichten hätten. «Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit einer abgeschlossenen Bankausbildung liegt seit Jahren schon immer zwischen 1,5 und 2 Prozent», sagte Rogge-Strang. Auch wenn die Zahlen für 2009 noch nicht vorliegen, glaubt er nicht, dass die Krise daran signifikant etwas geändert habe.
Der unverändert hohe Andrang für Berufe des Bankwesen gilt nach Aussage des Mannes vom AGV Banken nicht nur für die «normalen» Bankberater, sondern eben auch bei den Investmentbankern: «Das ist nach wie vor ein attraktiver Beruf für junge Leute.» Und Rogge-Strang ist davon überzeugt, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird: Das Bankgewerbe habe schon viele Höhen und Tiefen durchlebt, sagt er. Trotzdem hätten die Berufsbilder nichts an Attraktivität verloren.
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