Mo., 13.02.12

Börsengang Kabel Deutschland soll aufs Parkett

Artikel vom 08.03.2010

Ein Finanzinvestor wagt waghalsiges. Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland soll an die Börse gebracht werden. Die Eigentümer wollen damit vor allem eines: Kasse machen.

Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) soll bis Ende März an die Börse gebracht werden. Die Eigentümer - allen voran die US-Beteiligungsfirma Providence - wollen bis zu 51,75 Millionen Anteilsscheine ausgeben und damit brutto rund 700 Millionen Euro einspielen, hieß es in dem Börsenprospekt. Die Einnahmen sollen komplett den Eigentümern zufließen, die hochverschuldete KDG selbst wird demnach kein Geld aus dem Börsengang erhalten. Mit einem erfolgreichen Börsengang würde sich Providence von seiner Mehrheit an KDG trennen.

Das angebotene Paket setzt sich aus 45 Millionen Aktien und bis zu 6,75 Millionen weitere Anteilsscheinen zusammen, die in einer Mehrzuteilungsoption ausgegeben werden können. Sollten alle Aktien platziert werden, wäre mehr als die Hälfte des Grundkapitals von 90 Millionen Euro an die Börse gebracht. Die Angebotsfrist solle zwischen dem 11. und 15. März starten und am 19. März enden. Die Erstnotiz an der Frankfurter Börse sei für den 22. März geplant.

Der genaue Beginn der Angebotsfrist werde gemeinsam mit der Preisspanne veröffentlicht, innerhalb derer Kaufangebote abgegeben werden können, heißt es in dem Angebotsprospekt weiter. Diese wird frühestens am Mittwoch, spätestens aber am Freitag dieser Woche bekanntgegeben, wie es in dem Prospekt weiter hieß. Das Unternehmen hatte Ende Februar mitgeteilt, dass Providence den Börsengang vorbereitet und einen Minderheitsanteil platzieren will. Zuvor hatte es auch Spekulationen um einen möglichen Verkauf von KDG gegeben.

Marktkenner spekulieren derweil, dass der Börsengang noch kurzfristig zu Gunsten eines einzelnen Bieters abgeblasen werden könnte. Als Vorbild könnte Unitymedia dienen. Der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber war im Herbst vergangenen Jahres kurz vor dem angekündigten Börsengang an den US-Medienkonzern Liberty Media verkauft worden. Providence hatte in den vergangenen Monaten erfolglos versucht, KDG zu verkaufen. Als grund für das Scheitern wird eine zu hohe Preisvorstellung der Eigentümer vermutet, die bei rund zwei Milliarden Euro gelegen haben soll. Bei einem erfolgreichen Börsengang wäre das Unternehmen nunmehr mit rund 1,4 Milliarden Euro bewertet.

Providence hatte zusammen mit anderen Investoren KDG 2003 von der Deutschen Telekom übernommen und hält heute rund 88 Prozent. KDG versorgt in Deutschland rund 8,9 Millionen Haushalte in 13 Bundesländern und will vor allem mit sogenannten Triple-Play-Diensten wachsen, einem Paket-Angebot aus Fernsehen und Radio, schnellen Internetanschlüssen und Telefonie über das Fernsehkabel. KDG beschäftigt rund 2640 Mitarbeiter.

Erst vor zwei Wochen hatte das Unternehmen leidlich positive Zahlen verkündet: In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2009/10 (31. März) wuchs der Umsatz um 9,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente KDG 23,1 Millionen Euro, nach einem Verlust von 46,8 Millionen Euro im Vorjahr. Die Schulden des Unternehmens beliefen sich allerdings auf rund 3,1 Milliarden Euro.

ruk/news.de/dpa
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