So., 12.02.12

Osteuropa Billiger wird es nicht

Von den news.de-Redakteuren Christian Mathea und Konrad Rüdiger

Artikel vom 08.03.2010

Rumänien gilt als das Billiglohnland schlechthin in Europa. Nicht zuletzt der Handykonzern Nokia schloss sein deutsches Werk, um dann hinter den Karpaten zu investieren. Doch die großen Erfolgsstorys bleiben aus.

In einer Filiale einer größeren Computerkette fühlt man sich wie in einer Produktschau chinesischer Fertigungskunst. Egal, ob Monitore von Hewlett-Packard, BenQ oder Fujitsu, überall steht groß auf der Verpackung: Made in China.

Aber nicht alle Monitore haben einen so weiten Weg hinter sich. Samsung lässt sogar innerhalb der EU produzieren. Zwar nicht in Deutschland oder Frankreich, aber immerhin in Rumänien. Nokia ist also nicht der einzige Konzern, der eine Produktionsstätte in das Billiglohnland verlagert hat. Unlängst ging ein 24-Millionen-Euro-Werk des Bielefelder Elektronikkonzern Miele in Brasov in Betrieb, der Hannoveraner Reifenhersteller Continental investierte gleich 100 Millionen Euro in sein neues Werk in Timisoara.

Scheinbar stimmt das Klischee von dem zurückgebliebenen Land im Osten, in dem man auf den Straßen eher einen Eselkarren als ein Auto sieht, nicht mehr. Besonders aus den Regionen um Cluj und um Timisoara sind moderne Industriezentren geworden. Über das ganze Land verstreut sind in den vergangenen Jahren Fertigungsstätten großer Konzerne entstanden.

Ernüchterung bei Investoren und Politikern

Doch viele Hoffnungen auf längeren Aufschung sind mittlerweile zerstoben, auf beiden Seiten macht sich Ernüchterung breit. Die Investoren bemängeln die träge Entwicklung der Infrastruktur und immer noch rückständige Arbeitsproduktivität. Gleichzeitig steigen die Löhne unverhältnismäßig stark an. Und die Lokalpolitiker müssen sich für ihre Luftschlösser rechtfertigen, die sie bei Großinvestitionen wie von Nokia herbei phantasierten. Im Fall des Handyherstellers war von bis zu 20.000 neuen Jobs in und um die Nokia-Fabrik die Rede. Eine Zahl, die heute keiner mehr in den Mund nimmt.

Die deutsche Wirtschaftsförderungsgesellschaft GTAI sieht einige Probleme auf Rumänien zukommen. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds sehen die  Arbeitslosigkeit bei derzeit knapp zehn Prozent und vor allem ungelernte Arbeitskräfte in der Bredouille. Zudem ist Rumänien in hohem Maße im Ausland verschuldet, die anhaltende Wirtschaftskrise tut ihr übriges, um den Staatshaushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der vor kurzem zugesagte EU-Notkredit des Internationalen Währungsfonds und der EU wird an dieser Schieflage nur wenig ändern.

Für Investoren rechnen Außenhandelsexperten in den kommenden Jahren weiter mit zahlreichen Hürden. Die Infrastruktur wird laut einem GTAI-Report nur langsam auf westeuropäische Standards gebracht. Von 1900 geplanten Autobahn-Kilometern könnten demnach jährlich nur rund 50 neu gebaut werden.

reu/news.de
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Osteuropa: Billiger wird es nicht » Wirtschaft » Nachrichten

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