Tante Emma geht ins Netz
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Von news.de-Mitarbeiter Jens Klein
Artikel vom 05.03.2010
Die Anzahl der Kunden im Geschäft lässt keine Rückschlüsse auf den Erfolg oder Misserfolg eines Einzelhändlers zu. Denn die Inhaber der großen und kleinen Geschäfte von nebenan sind oft im Internet aktiv.
Er existiert nun schon seit ein paar Jahren: Der kleine Laden mit den vielen Accessoires zum Dekorieren der eigenen Wohnung. Auch so manches Geschenk oder Mitbringsel findet sich dort. Und auch Schneebesen, Kochlöffel und eine kleine Pfanne. Fast schon ein Tante-Emma-Laden. Doch Kunden sieht man eigentlich kaum darin. Da drängt sich die Frage auf, wie der Inhaber eigentlich die Miete für das Ladenlokal bezahlen und darüber hinaus auch noch sein Leben bestreiten kann.
Stephan Löffler stellt sich derlei Fragen nicht, wenn er an den Geschäften seiner Kollegen vorbeigeht. Der Leipziger betreibt selbst einen Laden, in dem Küchenutensilien, Wohnaccessoirs und anderes mehr verkauft werden. Allein anhand eines gut oder schlecht frequentierten Verkaufsraums lasse sich seiner Meinung nach keineswegs auf den Geschäftserfolg eines Einzelhändlers schließen: Lieferservice, verschiedene Dienstleistungen und Großhändler-Aktivitäten, nennt er als Beispiele für andere Einnahmequellen.
In den letzten Jahren ist außerdem noch ein weiteres wichtiges Standbein hinzugekommen: der Onlinehandel. Für rund 15,5 Milliarden Euro haben die Deutschen allein im letzten Jahr Waren und Dienstleistungen im Internet gekauft, wie die Gesellschaft für Konsumforschung in ihrem «WebScope-Panel» ermittelt hat. Das war im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 14 Prozent.
Das Internet ist nicht der Feind des Händlers
«Jeder Händler sollte sich mit dem Online-Handel auseinandersetzen und dort, wo er Erfolg versprechend ist, in das Internetgeschäft investieren», glaubt auch Olaf Roik vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Der E-Business-Experte forderte jedoch auch, sich zunächst die Frage zu beantworten, ob es nicht sinnvoller sei, finanzielle und personelle Ressourcen in Kernbereichen des stationären Geschäfts einzusetzen. Gleichzeitig konstatiert er aber: «Wir beobachten, dass der stationäre Handel mit dem Online-Handel immer stärker verschmilzt. In wenigen Jahren werden die Grenzen vollständig aufgelöst sein.»
Tobias Krafft, Geschäftsführer eines Elektrogeschäfts in Leipzig, hat im Juni 2008 einen Online-Shop eröffnet. «Wir wollten ein zweites Standbein schaffen, weil die Nachfrage einfach da war», sagt er. Im Internet würden allerdings nur spezielle Produkte und nicht das ganze Sortiment angeboten. Etwa 8000 Bestellungen sind seit Ende 2008 über den Online-Shop eingegangen und im vergangenen Jahr machte das virtuelle Geschäft bereits ein Drittel des Umsatzes aus - Tendenz steigend.
Er beschäftige einen Mitarbeiter fest für den Onlinehandel und engagiere zudem saisonal noch zwei Arbeitskräfte zur Unterstützung, erklärt Krafft. Die Gründe für die Online-Aktivitäten seien allerdings nicht der Wegfall anderer Kunden durch den verstärkten Handel im Internet, betont der Geschäftsführer. «Wir machen das alles zusätzlich und müssen damit nichts kompensieren.»
Online-Händler werden manchmal auch analog
Deutlich verändert hat sich im digitalen Zeitalter auch der Alltag in der Leipziger Niederlassung des Küchenhändlers Innova Bestkauf. «Ich lebe heute zu etwa 80 Prozent von Anrufen», sagt Ronald Brünnig. Die Kunden informierten sich online und kämen dann in den Laden, um dort ein Preisangebot einzuholen und den Lieferservice in Anspruch zu nehmen.
Neben den Einzelhändlern, die sich ein zweites Standbein im Internet aufbauen, existieren auch viele Händler, die zunächst mit einem Online-Shop starten und später zusätzlich ein Ladenlokal anmieten. «17 Prozent unserer Mitglieder betreiben auch ein Ladenlokal», sagt Wolfgang Wentzel, der Geschäftsführer des Bundesverbands Onlinehandel. Dieser Anteil nimmt laut Wentzel stetig zu, weil viele Onlinehändler auch den Bedarf vor Ort erkennen und darauf reagieren, indem sie ein Geschäft eröffnen.
An einen grundsätzlichen Verdrängungswettbewerb glaubt Wentzel nicht: «Der Internethandel macht klassisch auch die Nischen, die im Einzelhandel nicht funktionieren.» Die Konkurrenzsituation sei daher gar nicht so groß.
seh/ivb/news.de
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