Soziale Verantwortung Geheimniskrämerei bei Kamerabauern

Nikon (Foto)
Nur Nikon konnte die Tester der Stiftung Warentest mit seiner CSR-Politik überzeugen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Trotz Wirtschaftskrise: Für Digitalkameras scheinen die Deutschen immer Geld zu haben. Doch nur die Wenigsten wissen, unter welchen Bedingungen ihre kompakten Knipsen hergestellt werden.

Digitalkameras haben sich zu den Lieblingsspielzeugen der Deutschen entwickelt. Fast 9 Millionen Knipsen gehen hier jedes Jahr über die Ladentische. Wie und unter welchen Bedigungen die meist asiatischen Arbeiter die Kameras zusammenbauen, ist den meisten aber völlig unbekannt. In ihrer März-Ausgabe haben die Redakteure der Stiftung Warentest nicht nur die aktuellen Digitalkamera-Modelle genau unter die Lupe genommen, sondern auch die Bedingungen, unter denen diese produziert werden.

Bewertet wurde dabei das Engagement für Soziales und Umwelt Dazu gehören unter anderem Maßnahmen wie Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz, Vermeidung langer Arbeitszeiten, Sicherung des Mindestlohns und Verankerung des Umweltschutzes. (Corporate Social Responsibility, CSR) der Hersteller Nikon, Casio, Samsung, Panasonic, Canon, Sony, Fujifilm, Kodak, Olympus und Pentax. Dazu haben die Tester nicht nur detaillierte Fragebögen an die Hersteller verschickt, sondern auch Produktionsstätten vor Ort besucht oder mit Angestellten gesprochen.

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Eine Branche hält sich bedeckt

Besonders «große Überzeugungsarbeit» mussten die Tester leisten, um tatsächlich die Hightechfabriken der Kamera-Riesen besuchen zu dürfen. Schließlich öffneten sich ihnen die Tore zu sechs Kamerawerken in China, Indonesien, Japan und Korea sowie zu vier Werken in China, Japan und Malaysia.

Vier Hersteller verweigerten eine Teilnahme an dem Test. Dazu gehören Fujifilm, Kodak, Olympus und Pentax. Von den verbleibenden überzeugte nur Nikon mit seiner CSR-Politik, die die Experten als «stark engagiert» einschätzten. «Zudem setzt Nikon eine sehr detaillierte Umweltpolitik um, die auch an Lieferanten sehr hohe Ansprüche stellt», so die Tester.

Hinter Nikon finden sich Casio und Samsung auf den Rängen zwei und drei. Beide verfolgen eine «engagierte» CSR-Politik. Panasonic sei zumindest in seinen Werken in China engagiert, zeige aber in Korea nur Ansätze. Der größte Kamerahersteller der Welt, Canon, überzeugte die Tester zwar mit der Qualität seiner Kameras, ließ aber nur bescheidenes Engagement für Soziales und Umwelt erkennen. Ähnlich urteilten die Experten über Sony.

Schlechte Bedingungen bei Zulieferern

Grundsätzlich kritisieren die Redakteure die mangelnden Kontrollen der Zulieferer in Bezug auf den Umgang mit ihren Mitarbeitern. Zwar gäbe es einen entsprechenden Verhaltenskodex vom Branchenverband EICC (Electronics Industry Citizenship Coalition), «doch die Realität sieht ganz anders aus», so die Tester.

Die meisten Mitarbeiter der Kamera-Hersteller haben nur befristete Arbeitsverträge, was auch die Interviews schwierig gestaltete: Japaner und Koreaner antworteten nur zögerlich, Chinesen schüchtern und misstrauisch auf Fragen. Letztere verdienen an einem Arbeitstag etwa fünf Euro, Japaner kämen dagegen fast auf das Zwanzigfache.

Kameras sind nicht nachhaltig

Die Umwelt rückt bei den Branchenriesen weiter in den Fokus. So seien Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz groß geschrieben, kritische Schwermetalle, Lösungsmittel und Flammschutzmittel sollen laut den Redakteuren der Stiftung Warentest nicht mehr zum Einsatz kommen.

Trotzdem schätzen sie die Nachhaltigkeit von Digitalkameras nur gering ein, da neue Modelle relativ schnell auf den Markt gebracht werden und ihre Vorgänger so schnell altern: «Und geht eine Kamera nach der Garantiezeit kaputt, wird sie in der Regel einfach ersetzt.»

mat/news.de

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