Von news.de-Redakteur Christian Mathea - 26.02.2010, 14.54 Uhr

Germina: Die Bretter des Ostens

Germina tat sich schwer, nach der Wende auf dem hart umkämpften Markt für Langlaufski Fuß zu fassen. Auf Neustarts folgten Pleite und Verwirrungen um den Namen. Nun treten zwei Unternehmen an, um das Erbe der Kultmarke weiterzuführen.

Germina-Ski, im Osten waren sie der Renner. Bild: dpa

Im Westen fuhren die Menschen Abfahrtski, im Osten Langlauf. So war etwas vereinfacht die Situation vor der Wende. Und was schoben die DDR-Bürger am häufigsten durch die Loipen im Erzgebirge, Vogtland oder Harz? Na klar, Bretter mit dem Schriftzug Germina. Die kamen aus einem kleinen Ort mitten im Thüringer Wald. 400 Beschäftigte fertigten in Floh bei Schmalkalden bis zur Wende 700.000 Paar Skier pro Jahr.

Nach der Wende wurde es mal ruhig und mal wieder laut um die kultige Skimarke. Verschiedene Investoren wagten sich mit den Skiern auf einen von internationalen Giganten wie Fischer und Atomic umkämpften Markt - und scheiterten.

Und eben dieser häufige Inhaber-Wechsel störte viele Einzelhändler, die lange an Germina festhielten und mittlerweile skeptisch geworden sind. «Die Skier haben eine gute Qualität, doch der Verkauf ist zu riskant», sagt ein Inhaber eines Sportshops aus dem Osterzgebirge. «Man kauft die Skier ein, dann geht der aktuelle Inhaber pleite und haut alles zum Dumpingpreis raus», klagt er. «Da werden wir die Skier natürlich nur noch unter Einkaufspreis los. Das macht für uns keinen Sinn.»

Milde Winter machen Germina zu schaffen

Dass bisher kaum einer der Investoren lange mit Germina durchhalten konnte, liegt einerseits an einem Nischendasein auf internationalen Märkten und andererseits am Wetter: «Germina hat seit 1990 immer das Problem, dass Ski ein Saisongeschäft sind, das bei schlechten Wintern nie funktioniert», sagt der Besitzer der Namensrechte und Skiproduzent, Frank Nothnagel. Für ihn ist es bereits der zweite Versuch mit der DDR-Kultmarke. Der Thüringer versuchte bereits im Jahr 1998 sein Glück mit Germina und musste im Jahr 2001 das Handtuch werfen.

Daraufhin übernahmen die beiden Bayern Bernard Seidl und Georg Reichart den Betrieb aus Floh und produzierten weiter Langlauf und Sprungski unter dem Namen Germina. In den ersten Jahren lief das Geschäft so gut, dass die Firma in einen neuen größeren Standort nach Schmalkalden umzog. Etwa 3000 Paar Skier verließen damals die Werkshallen pro Jahr.

Trotz vieler Alternativen sind zahlreiche Ossis der Marke auch nach der Wende treu geblieben. «Viele sind sogar bis zum Betriebsgelände gefahren, wenn ihr Sportgeschäft vor Ort keine Germina-Ski im Angebot hatte», erinnert sich Bernard Seidl. Auch im Leistungssport war Germina eine Marke. Deutschlandweit trainierte der Nachwuchs vorwiegend auf Germina-Langläufern, genau wie Nachwuchssportler aus Finnland, Norwegen und Japan.

Sprungski als Alternative?

Doch die schlechten Winter ließen Seidl bald in kleineren Dimensionen denken. So musste er mit ihrem Unternehmen im Jahr 2007 zurück an den alten Stammsitz in Floh ziehen. «Ein Jahr darauf haben wir die Produktion unserer Langlaufski eingestellt, da es aufgrund der Konkurrenz der großen Unternehmen wie Fischer, Madshus oder Atomic für uns wirtschaftlich nicht mehr rentabel gewesen ist», sagt der Geschäftsführer.

Seidl konzentriert sich seitdem auf die Produktion von Sprungski. Und das scheint aufzugehen: «Unser Entschluss, sich auf die Produktion von Sprungski zu spezialisieren, hat sich wirtschaftlich positiv bestätigt. Dabei sind wir hauptsächlich im Nachwuchsbereich vertreten.»

Die Sprungski werden ausschließlich von Hand und in der Regel nach Bestellung gefertigt. Dafür kommt der Betrieb mit drei qualifizierten Mitarbeitern aus. Auftragsspitzen werden durch Zeitarbeiter abgedeckt.

Verwirrung um Markennamen Germina

Die Sprungski von Bernard Seidl und Georg Reichhart heißen mittlerweile nicht mehr Germina sondern Crazy-Falcon. Der Grund sind Namensstreitigkeiten um die ehemalige Ostmarke. Der frühere Besitzer, Frank Nothnagel, hatte zwar im Jahr 2001 Insolvenz angemeldet, die Namensrechte aber offenbar behalten. Als er sich vor einem Jahr selbst wieder entschlossen hatte, Skier an seinem neuen Standort in Unterschönau herzustellen, hat er Einspruch gegen die Namensnutzung anderer eingelegt.

Stand des letzten richterlichen Urteils ist: Frank Nothnagel ist nach wie vor Eigentümer der Namensrechte Germina. Auf die Fragen, warum er trotzdem jahrelang Skier unter der Marke Germina verkaufte, erklärt Bernard Seidl: «Durch das damalige Fehlverhalten des Insolventverwalters wurde uns nicht untersagt, das Logo und den Namenzug zu benutzen.» Nun habe er sich aber von der Marke verabschiedet, so Seidl: «Bis zum Beginn der Sommer-Saison ist auch unsere Internetpräsenz komplett überarbeitet und wir hoffen, dass damit auch die Verwirrung um den Namen Germina ein Ende findet.»

Germina-Eigentümer setzt auf Sommerprodukte

Frank Nothnagel wird in Zukunft den Namen Germina somit allein vermarkten und hat bereits Pläne: «Wir möchten jetzt Germina langsam und solide wieder aufbauen. Dazu bieten wir ab diesem Jahr auch Sommerprodukte an. Das sind Skiroller und Mountainbikes. Damit wollen wir ganzjährig präsent sein.» Nothnagels Germina-Betrieb in Unterschönau beschäftigt mit der Metallfertigung gegenwärtig 15 Mitarbeiter.

Um mit Sommerprodukten bekannt zu werden, hat Nothnagel seit 2009 ein Radteam ausgestattet. Zu diesem gehört auch Rene Tann - der einzige Thüringer, der in der Mountainbike-Nationalmannschaft fährt. «Die Mountainbikes werden bisher aus zugekauften Bauteilen produziert. Germina macht Design und Montage. Mit den Möglichkeiten der eigenen Metallfertigung sollen auch eigene Komponenten entwickelt werden», erzählt Frank Nothnagel.

Auch die Produktion der Langlaufskier soll weiterhin ein wichtiges Standbein bei Germina sein. Nothnagel weiß um die Skepsis seiner Abnehmer durch das Durcheinander in den vergangenen Jahren und will deshalb wieder Vertrauen herstellen: «In Zukunft werden wir gezielt mit den Händlern sprechen, um einen stabilen Markt aufzubauen.»

sis/ivb/news.de

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