Es geht nicht nur um Geld
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 22.02.2010
Die Lufthansa-Piloten wollen mehr Geld. Das ist vermessen. Richtig ist aber ihre Forderung, den Tarifvertrag auf die hauseigene Billigkonkurrenz zu übertragen. Sie sollte deutschlandweit Beachtung finden.
Ein ICE-Lokführer müsste mindestens 300 Prozent mehr Gehalt fordern, um soviel zu verdienen wie einige Lufthansa-Piloten jetzt. Da klingt es ein wenig unverschämt, wenn die abgehobenen Vielflieger trotz ihres üppigen Salärs noch 6,7 Prozent mehr einfordern.
Aber der Kern ihres Aufbegehrens ist ein ganz anderer. Und so wichtig scheint das Geld den Piloten auch nicht zu sein, wenn sie mit einer Nullrunde zufrieden sein würden. Ihnen geht es um die Piloten von der hauseigenen Billigkonkurrenz, die bald auf ehemaligen Lufthansa-Strecken fliegen werden und damit die jetzigen Tarifverträge überflüssig machen.
Und dieses Problem trifft viele Branchen in Deutschland, nicht nur die Luftfahrt. Überall werden sozialversicherte und gut bezahlte Arbeitsplätze abgeschafft. In der Industrie übernehmen Zeitarbeiter die Schichten in der Produktion, in Supermärkten stehen Minijobber an der Kasse. Tarifverträge sind ja gut und schön. Dumm nur, wenn sie für immer weniger Teile der Belegschaft gelten.
Und die Politik schaut zu, wie Deutschland in eine Hire- und Fire-Arbeitswelt schlittert. Kein Statement, keine klare Ansage, in welche Richtung sich unser Land in Zukunft entwickeln soll. Und die Gewerkschaften? Die meisten haben immer weniger Einfluss. In den meisten Branchen können sich die Geschäftsführer eine komplett neue Belegschaft aus Zeitarbeitern zusammenstellen, wenn die alte Belegschaft streikt.
Bei der Lufthansa geht das schlecht, die Vereinigung Cockpit hat noch zu viel Macht. Die Piloten müssen jetzt vor allem dafür kämpfen, dass beschlossene Tarifverträge ernst genommen werden und nicht durch Streckenauslagerung umgangen werden. Und dieses Thema sollten auch die anderen Gewerkschaften ganz hoch auf die Agenda setzen, bevor sie entweder keine Mitglieder mehr haben oder ihre Mitglieder in den Unternehmen in der Minderheit sind.
mik/reu/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Zum Auftakt des Pilotenstreiks musste die Lufthansa viele Starts annulieren. Höchstens die Hälfte der Flüge kann mehr ...
Keine Kompromisse. Flugpassagiere dürfen kaum mehr auf eine Absage des Pilotenstreiks mehr ...
Reisende müssen umdenken: Es drohen volle Flieger, volle Züge und volle mehr ...