Märkte der Zukunft Von Russland lernen

Früher war Russland ein Mythos. Heute ist es China. Der Blick zurück ist all jenen zu empfehlen, die dieser Tage auf China als neue wirtschaftliche Supermacht schielen.

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News.de-Redakteur Sebastian Haak. Bild: news.de

Träumen auf Russisch war einmal und ist nicht mehr. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als das Riesenreich in Trümmern lag, da schien der Wiederaufbau für westliche Firmen ein derart lukratives Geschäft zu sein, dass der Osten Anfang und Mitte der 1990er Jahre die Fantasien von Managern weit jenseits des Urals geradezu beflügelte. Und dann war ja noch die Aussicht, endlich auf Märkte vorzudringen, die jahrzehntelang durch den Eisernen Vorhang abgeschnitten waren. Als die letzte Dekade des vergangenen Jahrtausends dann zu Ende ging, war von diesen Träumen nicht mehr viel übrig. Jetzt ist träumen auf Chinesisch angesagt.

Russland ist zwar nach wie vor einer der wichtigsten Handelspartner gerade für Deutschland, das von dort lebenswichtige Rohstoffe wie Gas und Öl importiert. Doch die Hoffnung auf exorbitante Wachstumsraten und auf freies Wirtschaften ist längst verflogen. Der Hoffnung von einst ist die Einsicht gefolgt, dass Russland auch nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft nach wie vor keine lupenreine Demokratie ist, dass Wirtschaften dort unter ganz anderen Vorzeichen als in Europa oder den USA funktioniert und dass Geld eben nicht nur mit Zahlen und Statistiken verdient wird.

Das politische System und die Mentalität der Menschen sind nicht minder wichtig, wenn es um wirtschaftliche Expansion geht. Für den Wirtschaftsraum Russland, wo noch immer der Staat das Sagen hat und wo das privatwirtschaftliche Treiben von staatsnahen Oligarchen beherrscht wird, ist diese Botschaft angekommen.

China könnte das neue Russland werden

Für China könnte in zehn, zwanzig Jahren die gleiche Botschaft gelten. Wie vor zwanzig Jahren alle Welt auf die Wachstumspotenziale in Russland schielte, stehen heute die Zahlen aus China im Fokus. Nur die Zahlen. Dass auch im fernen Osten, wie in Russland, ein anderes politisches System existiert als im Westen, das Verständnis von Demokratie ein anderes ist, die Mentalität der Chinesen eine andere ist - das nimmt der Blick auf die Zahlen nicht in den Fokus.

Wer jetzt also auf China setzt, könnte ebenso enttäuscht werden wie jene, die in Russland ihre goldene Zukunft sahen - und dort nur Putin fanden. Aus diesem Blickwinkel gilt einmal mehr: Von Russland lernen, heißt Siegen lernen.

mik/ivb/news.de

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