So., 12.02.12

Goldpreis Alles eine Frage des Glaubens

Von news.de-Redakteur Sebastian Haak

Artikel vom 18.02.2010

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem Goldpreis zu einem beispiellosen Höhenflug verholfen. Mit harten Fakten hat das aber nur wenig zu tun. Viel mehr ist es alles eine Frage des Glaubens.

Der Ruf von Gold (zum Kurs) als sicherer Hafen für Geld in turbulenten Zeiten rührt daher, dass Männer und Frauen in den vergangenen Jahrhunderten von Gold fasziniert waren. Männer plünderten dafür, brandschatzten und töteten. Und wann immer Papiergeld entwertet wurde: Gold behielt (s)einen Wert. Kurz: Gold war in der Geschichte immer schon und immer wieder ein wertvolles Tauschmittel. Auch in Zeiten der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise war das so.

Kurz nach der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers im September 2008 flüchteten dermaßen viele Großanleger in den vermeintlich sicheren Goldhafen, dass sich aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage eine regelrechte Preisexplosion ergab. Das Bedürfnis nach trügerischer Sicherheit gepaart mit dem «Herdentrieb» («Alle gehen in Gold, also wir auch!») machte die Rekordjagd der vergangenen Monate überhaupt erst möglich.

Der Goldpreis kletterte von etwa 700 US-Dollar auf einen Rekord nach dem anderen. Im Dezember 2009 durchbrach der schließlich die Marke von 1200 US-Dollar. Dann sank er wieder leicht. Aktuell liegt er bei etwa 1120 US-Dollar.

Der Wert von Gold ist nur Einbildung

Diese Preisexplosion bei dem Edelmetall ist beispiellos. Und das, obwohl der industrielle Nutzen von Gold doch beschränkt ist – aus Gold werden Zahnkronen gemacht, Schmuck geschmiedet. Doch anders als auf den Rohstoff Erdöl ist die Welt nicht auf Gold angewiesen. Ganz plakativ: Ohne Öl fahren keine Autos, fahren keine Schiffe, fliegen keine Flugzeuge. Ohne Gold gibt es weniger Ringe und Halsketten. Gold ist deshalb so wertvoll, weil die Menschen daran glauben.

Und als so beständig sich dieser Glaube auch bislang erwiesen hat: Die jüngste Rekordjagd des Goldpreises ist dazu geeignet, dieses Vertrauen zu verspielen. Denn die Goldpreis-Ralley hatte nach Meinungen von Analysten zwischenzeitlich jeden Bezug zur Realität verloren.

So muss man die Frage stellen, ob der Goldpreis inzwischen nicht dermaßen überbewertet ist, dass sich hier bereits eine neue Spekulationsblase gebildet hat. Der Goldpreis ist ein Objekt von Spekulanten geworden. Mindestens ein Indiz gibt es inzwischen dafür: Wie die Financial Times Deutschland bereits Ende der vergangenen Jahres berichtete, stößt das Edelmetall inzwischen auch bei immer mehr Hedgefonds auf Interesse. Offiziell begründen die Manager das mit der Angst vor einer Inflation. Doch die Hedgefonds fielen ja gerade in der Vergangenheit nicht durch Ängstlichkeit, sondern durch hohe Risikobereitschaft auf; durch Risikobereitschaft, die zwar reichlich belohnt aber eben auch drastisch abgestraft werden kann.

Goldene Zukunft? Das weiß niemand.

In welche Richtung sich der Goldpreis deshalb in den kommenden Monaten entwickeln wird, ist offen. Analysten sind sich nicht einig, ob die Bewertung zurück auf die Preise vor der Krise führen wird oder ob es eine neue Rekordjagd geben wird. Wie es in einem einschlägigen Wirtschaftsblog zu dem Thema geschrieben steht: «Interessant nun, dass ‹Experten› jetzt wieder einen Sturz unter die 1000-Dollar-Marke nicht auszuschließen. Dies sind vermutlich andere ‹Experten› als diejenigen, die das Gold bei 1500 US-Dollar oder gar 5000 US-Dollar gesehen haben. Es bestätigt sich nur wieder einmal, dass man für jede Kursbewegung einen ‹Experten› findet, der im Zweifel den gegenwärtigen Trend verlängert.»

Vieles wird davon abhängen, wie sich die Inflation entwickelt. Und vor allem die Angst davor. Fürchten sich Großanleger, Medien und einflussreiche Experten, dürfte der Goldpreis noch einmal deutlich nach oben gehen. Gelingt es den Zentralbanken und der Politik, einen glaubhaften Plan zu entwickeln, wie die Staaten ihre immensen Staatsschulden abbauen wollen ohne Geld zu drucken, dann wäre dieses Szenario ein bisschen unwahrscheinlicher.

So hat die Zukunft des Goldpreises auch jede Menge mit seiner Vergangenheit zu tun: mit Glauben.

mat/news.de
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