Media Markt/Saturn Die Elektro-Riesen

Media Markt (Foto)
Eine von rund 220 Media-Markt-Filialen in Deutschland. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Was wären wir ohne Steckdosen und Mario Barth? Zumindest um einige hundert Elektromärkte der Ketten Saturn und Media Markt ärmer. Die beiden Riesen der Unterhaltungselektronik haben auffällig viele Gemeinsamkeiten.

Die Ähnlichkeiten der Werbefeldzüge für Laptops, Waschmaschinen und DVD-Player ist frappierend. Die Reklame von Media Markt und Saturn gleichen sich in den Aussagen häufig. Die Prospekte sind austauschbar, die Preise zum Teil auch. Ebenso auffällig ist, dass beide Ketten ununterbrochen ihre millionenschweren Kampagnen fahren. Fast täglich bekommt man vorgehalten, dass Geiz noch geiler und Unterhaltungselektronik angeblich noch billiger sein soll.

Offiziell stehen Saturn und Media Markt im Wettbewerb, aber sie werden von der MSH, der Media-Saturn-Holding in Ingolstadt, gesteuert. Diese wiederum gehört zum Metro-Konzern (zum Aktienkurs), der im vergangenen Jahr wieder eine erfreuliche Gewinnmeldung verbuchen konnte. Der Umsatz der MSH: Auf 19,7 Milliarden Euro beläuft sich die hausinterne Schätzung für 2009. Gemeinsam ist den Marken, dass sie international aufgestellt sind. Media Markt plant beispielsweise in diesem Jahr die erste Filiale in Shanghai. Über die Hälfte des Umsatzes wird von den beiden Schwergewichten der Branche außerhalb der deutschen Grenzen erwirtschaftet.

Den beiden Ketten haftet gerade wegen der großdimensionierten Werbung ein Image als Preisbrecher an. Immerhin beträgt der Werbeetat für beide Marken zusammen unbestätigten Angaben zufolge rund eine halbe Milliarde Euro jährlich. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Saturn korrigiert den Eindruck, den die Werbemillionen erzeugen: «Ein Viererpack Batterien kostet bei uns mindestens 3,99 Euro. Die bekomme ich in jeder Drogerie für 99 Cent.» Dass trotzdem Batterien verkauft werden, liegt also vorrangig an der guten Arbeit der hauseigenen Werbeagentur Redblue.

Die Unterschiede zwischen Saturn und Media Markt sind fein. Die 140 Saturn-Filialen sind meist in Innenstadtlage angesiedelt, während die rund 220 Media-Märkte eher in Shopping-Centern auf der grünen Wiese oder in Gewerbegebieten stehen. Wenige Ausnahmen bestätigen dabei diese Regel. Jeder Markt wird dabei als eigenes Unternehmen geführt, die Filialleiter haben in gewissen Grenzen Mitspracherechte bei Preisen und Werbeaktionen.

Die aufgesplitterte Struktur hemmt allerdings die Expansion im Internet. Da die Preise für viele Produkte von den Filialen selber gemacht werden, sind bislang keine überzeugenden Online-Shops entstanden. Lediglich beim Verkauf von Musik-Downloads ist vor allem Saturn aggressiv werbend unterwegs. Die relative Erfolglosigkeit im Internet deutet auch darauf hin, dass man sich ungern dem harten Preiskampf im Internet stellen möchte. Ungewöhnlich zaghaft gibt man sich auch beim Thema Börsengang der MSH. Darüber wird seit mehreren Jahren im Hause Metro diskutiert, wenn es um diesen Schritt geht.

mat/ivb/news.de

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