Überall Ikea Das Billy-Haus

Ikea Reihenhaus Fertighaus (Foto)
Ein Fertigreihenhaus von Ikea gefällig?   Bild: news.de/PR

Von Christian Ebner
Ikea drängt auf einen Markt, der jetzt schon sehr eng ist: Der Möbelriese will Fertighäuser anbieten. Doch es ist fraglich, ob die Idee hierzulande ein großer Erfolg werden kann. Der erste Geschmackstest war schon mal negativ.

Der schwedische Möbelkonzern Ikea macht sich daran, den Wohnungsbau in Deutschland aufzurollen: Gemeinsam mit dem Hersteller Bien-Zenker importiert der weltgrößte Möbelhändler sein Hauskonzept Boklok von Skandinavien und Großbritannien auf seinen wichtigsten Markt. Die ersten Schwedenhäuser in Holzrahmenbauweise sollen im Rhein-Main-Gebiet entstehen. Doch ausgerechnet am Sitz der Deutschlandzentrale in Hofheim regt sich erster Widerstand gegen die «etwas anderen» Reihenhäuschen.

Immerhin 80 Einheiten - 60 Reihenhäuser und 20 Wohnungen - will das gemeinsam mit dem Baukonzern Skanska begründete Unternehmen Boklok (schwedisch für «Wohne clever») in der ersten Welle bis Ende 2010 in deutsche Ballungsräume stellen. Wiesbaden, Hofheim-Langenhain und Offenbach im Rhein-Main-Gebiet sowie ein Projekt im Großraum Nürnberg nennt Ikea als Standorte, weitere sollen folgen.

Arbeitskampf
Ein Leben für das Billy-Regal

In der erst langsam angelaufenen Werbung beschwört Einrichtungsexperte Ikea wieder mal skandinavische Werte: Gemeinschaftlichkeit, Naturverbundenheit und natürlich Sparsamkeit. Symbol der in kleinen Siedlungen angelegten, bislang rund 4000 Boklokhäuser und Wohnungen sind kleine Apfelbäumchen an den Wegen. «Vor zehn Jahren waren die Mieten in Schweden hoch subventioniert. Deshalb haben wir ein Haus entwickelt, das funktioniert, erschwinglich ist und nicht subventioniert werden muss», sagt der Ikea-Weltchef Mikael Ohlsson. Nahezu antikapitalistisch wirkt der Plan, die Häuser und Wohnungen unter den Interessenten zu verlosen, denn «Spekulanten» sollen in Neu-Bullerbü nicht zum Zug kommen.

Vor allem junge Familien im Visier

Das Idyll mit Billy - Küchen und Bäder stammen selbstredend aus dem Ikea-Sortiment und eine Einrichtungsberatung gibt es gratis dazu - soll die Immobilienträume breiter Schichten anregen. Am Standort Offenbach wird ein 100-Quadratmeter-Reihenmittelhaus inklusive Grundstück knapp 180.000 Euro kosten - ob das ohne Keller ein Schnäppchen ist, steht dahin.

«Wir bekommen Anfragen von Interessenten aus dem ganzen Bundesgebiet», sagt Bien-Zenker-Vorstand Philipp Mühlbauer. Privatleute, Bürgermeister und Entwicklungsgesellschaften böten ihm zudem bebaubare Grundstücke an, so dass alles nach einem glänzenden Start aussehe. Die Häuser selbst kann man bislang nur im Ausland in Augenschein nehmen und zumindest von außen auf dem Parkplatz des Ikea-Marktes in Hofheim. Weitere Infos soll es Anfang März geben, haben die Partner verabredet.

Provinzposse um neue Wohngebiete

«Ein bisschen enttäuscht» ist der Fertigbauer Bien-Zenker aber über die Reaktion im bürgerlichen Hofheim-Langenhain zwischen Wiesbaden und Frankfurt, wo sich die örtliche CDU vorläufig an die Spitze des örtlichen Widerstands gesetzt hat. Die ersten Vorlagen des Projektes hätten ihn und viele andere Bürger abgeschreckt, erzählt Parteichef Frank Härder. Auf den Schwarzweiß-Fotos hätten die Gebäude ausgesehen wie «Baracken, in die man zwei Löcher reingestemmt hat». Gemeinsam mit der FDP hat die CDU den Bebauungsplan erstmal gestoppt und verlangt nun weitere Informationen. «Nicht nachvollziehbar» seien die Bedenken, meint hingegen der Hofheimer Baudezernent Wolfgang Winckler (SPD). Zum Glück seien die Partner «nicht so empfindlich», so dass nach abermaligen Informationsveranstaltungen mit einem baldigen Baubeginn zu rechnen sei.

Weniger zimperlich ist die Stadt Offenbach bei Frankfurt, die ein nicht einfaches Neubaugebiet zu füllen hat. Die Siedlung «Lohwald» aus Baracken und Hochhäusern war einst ein sozialer Brennpunkt, der zwar Fußballstars wie Jimmy Hartwig und Schlagersternchen wie Mark Medlock hervorgebracht hat, aber trotzdem wegen der schwierigen Verhältnisse abgerissen wurde. Die Brache trägt nun den Namen «An den Eichen», der die Vermarktung bislang aber auch nicht so vorangebracht hat. Das Ikea-Konzept für junge Familien soll es nun aber bringen: «Das ist ein Segment, das wir in unserer Stadt gut gebrauchen können», sagt Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD).

ruk/ped/ivb/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • tomahawk
  • Kommentar 6
  • 10.08.2010 14:27
Antwort auf Kommentar 3

Genau so isses. Teuer ferkaufter Schrott, von "Möbeln" wollen wir erst garmicht sprechen. Kiatenkultur gehört in den Keller.

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  • tomahawk
  • Kommentar 5
  • 10.08.2010 14:23

Na ja, mindestens die Spanplatten zwischen den Häusern müssten eigentlich noch nach dem nächsten Regen stehen und wenn die Häuser gut miteinander verleimt sind, dürfte der Wind sie auch nicht weg wehem. Billig wie möglich, weggeschmissenes Geld. So isses aber in dieser Billig-Kultur und hinterher gibt es Bauchschmerzen, von billigen Fleisch und nun von den Häusern

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  • zeugfri
  • Kommentar 4
  • 10.08.2010 12:36

wie es scheint kann man den Dämlichen Deutschen alles verkaufen. 180.000€ für ein Reihenhaus , wie blöd muß man sein so etwas zu kaufen. Auch wer einmal bei den Möbelpreisen richtig nachrechnet, wird feststellen . Preiswert ist Ikea ja nun wirklich nicht.

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