Fördern und horten
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Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Artikel vom 18.02.2010
Die Finanzjongleure dieser Welt sind auffällig oft von der Muse geküsst. Banken finanzieren einen gehörigen Anteil der Kunst. Das ist einerseits erfreulich für Künstler und Kuratoren – sorgt aber auch für Turbulenzen.
Banken und die Kunst – das war schon immer ein großes Geben und Nehmen. Kein anderer Wirtschaftszweig ist so der Muse verfallen wie die Finanziers dieser Welt. Auch deutsche Banken mischen in der ersten Liga der Kunstmäzene mit und halten sich mit Millionenaufwand umfangreiche Kunstsammlungen.
So ist die Deutsche Bank großzügiger Geldgeber für das Museum Deutsche Guggenheim in Berlin, das auf dem wieder zum Leben erweckten Boulevard Unter den Linden international Akzente setzt. Großzügig gibt es sich auch beim Ankauf von Kunstwerken. Und da sich die Deutschbanker vor Exponaten kaum retten können, stellen sie ihre 56.000 Werke in Dutzenden als Dauerleihgaben zur Verfügung. Allein die 200, die Ende 2008 an das Frankfurter Städel gingen, hatten zur Übergabe einen geschätzten Wert von 20 Millionen Euro.
Gegen Vorwürfe, die Kunstwerke der Öffentlichkeit vorzuenthalten, verwehren sich die Macher der Deutschland AG. «90 Prozent unserer Kunstwerke sind für jedermann zu sehen», heißt es aus der Deutsche-Bank-Zentrale. Die Liste der Künstler ist lang und prominent: Gerhard Richter, Joseph Beuys, Erwin Wurm, Anselm Kiefer ... es liest sich wie das Who is Who der bildenden Kunst.
Doch die Investments der Banken geben auch Rätsel auf. Steckt womöglich mehr dahinter als honoriges Mäzenatentum? Insbesondere der Verkauf der Skulptur Der Schreitende von Alberto Giacometti zum Rekordpreis von 74 Millionen Euro heizte die Gerüchteküche an. Die Plastik stammte aus dem Hochhaus der Dresdner Bank, die von der Viertelstaatsbank Commerzbank übernommen wurde. Doch der Ausverkauf in Folge der Rekordauktion bleibt sehr wahrscheinlich aus. Zu deutlich die Signale der Commerzbanker, die Einnahmen der hauseigenen Stiftung zukommen zu lassen. Und eben nicht zur eigenen Sanierung oder gar als Gabe an den stützenden Steuerzahler zu verwenden.
Kunstwerke als Anlageobjekt
An der großen Kunstblase bis zum Jahr 2008 waren die Banken allerdings doppelt beteiligt und machten so Rekorderlöse wie für Giacomettis Strich in der Kunstlandschaft erst möglich. Zum einen finanzierten sie über die Jahre viele Hundert Künstler durch Ankäufe. Zum anderen sorgten sie dafür, dass die Reichen mit lohnenden Investments noch reicher wurden – und somit großzügig Museen und Kunstschaffende unterstützen konnten. Doch auch die eigenen Gewinne waren und sind so exorbitant, dass das Gefühl für den Wert von Kunst abhanden zu kommen schien. Dass die Blase nun abrupt platzt, glauben nur wenige.
Der frühere Dresdner Bank-Vorstand Manfred Meier-Preschany (81) sagte kurz nach der Auktion der Zeit: «Mir wäre lieber gewesen, der Schreitende wäre an ein Museum gegangen und damit der Öffentlichkeit präsent.» Meier-Preschany hatte nach dem Bericht die Skulptur 1980 für die Dresdner Bank erworben und dafür 750.000 Dollar bezahlt. «Die Skulptur war die teuerste Anschaffung, die ich getätigt habe. Die Kollegen im Vorstand waren wenig begeistert», erinnert sich der 81-Jährige. An eine Spekulation auf steigende Preise habe er damals nicht gedacht – «aber im Rückblick war es ohne Zweifel mein bestes Geschäft».
So kann man die kunstsinnigen Engagements der Banken auch sehen. Als normales Geschäft.
bla/nbr/news.de
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