Welkendes Monopol
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Von Maren Martell
Artikel vom 14.02.2010
Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch Blumen kann man online ordern. Die Auswirkungen spürt auch Deutschlands größter Floristenverbund Fleurop. Denn viele Kunden lassen sich ihre Sträuße nach Hause schicken.
Sie heißen verheißungsvoll «Traumfänger», «Rote Leidenschaft» oder «Wolke 7». Zum Valentinstag blüht das Geschäft mit den floralen Verführungen. Auch in diesem Jahr dürften die Deutschen wieder im Schnitt 39 Euro pro Kopf für Schnittblumen ausgeben. Der Valentins- und Muttertag sind dabei die größten Umsatzbringer. Jahrelang wurde das Geschäft mit den Blumengrüßen von Fleurop nahezu völlig beherrscht. Mittlerweile tummeln sich auch zahlreiche Online- Versender auf dem Markt und graben dem einstigen Berliner Monopolisten massiv das Wasser ab. Blumensträuße kann man sogar übers Internet bei Aldi ordern.
«Wir haben in den vergangenen Jahren Marktanteile gewinnen können, nicht nur weil wir schöne günstige Sträuße anbieten, sondern übers Internet auch sehr schnell reagieren können», betont Erik Siekmann von Blume 2000 in Norderstedt. Anders als bei Fleurop, die sich als Vermittler von Blumenaufträgen verstehen und deutschlandweit mit rund 8000 Floristen zusammenarbeiten, bindet Blume 2000 die Sträuße selbst und verschickt sie von seinen beiden Produktionsstätten in Berlin und Thüringen im Pappkarton per Paketpost.
Online-Bestellung mit Qualitätsgarantie
Siekmann spricht von «zwei Welten». Mehr als 100 Jahre habe der Blumenversand über die zentrale Vermittlung der Aufträge funktioniert. Dabei sei der Kunde aber auch ein Risiko eingegangen: «Denn entweder ging die Bestellung an einen langweiligen Friedhofsgärtner oder einen pfiffigen Floristen mit frischen Design- Ideen.» Darauf habe die Zentrale nur wenig Einfluss gehabt. «Wir punkten hingegen als Massenanbieter mit immer gleichbleibender Qualität. Das was der Kunde auf der Internetseite sieht, landet auch 1:1 so bei ihm zu Hause», sagt Siekmann.
Auch der Versandhandelsverband schätzt den Blumendirektversand als wachsendes Segment ein. Wie bei den Internetbestellungen mit anderen Warengruppen gehe der Trend hier ebenfalls nach oben. «Es ist halt eine schöne, bequeme Art Blumen einzukaufen», betont Branchensprecher Oliver Claas. Auch Fleurop selbst ist auf den online-Zug längst aufgesprungen: Zwar werden noch knapp 60 Prozent aller Fleurop-Grüße traditionell im Blumenladen in Auftrag gegeben, aber mit weiter leicht rückläufiger Tendenz. «Alternative Bestellmöglichkeiten über den Onlineshop werden immer stärker genutzt», sagt Sprecherin Winnie Maria Lechtape.
Immerhin setzten die Berliner mit ihren Blumengrüßen 2007/2008 noch 71 Millionen Euro um. Leicht erhöhen konnte Fleurop im vergangenen Jahr den durchschnittlichen Auftragswert: Von 29,45 Euro auf 30,37 Euro. «Gegenüber den Blumenversendern, die ihre Sträuße per Paketdienste ausliefern lassen, haben wir den klaren Vorteil, über die Fachgeschäfte auch kurzfristige Bestellwünsche umsetzen zu können», betont Lechtape.
Jägermeistersträuße mit Hirschgeweih
Doch längst werden Liebesgrüße nicht nur allein mit Blumen verschickt. Bei der Burda-Tochter Valentins, die sich nach Fleurop und Blumen 2000 als Nummer drei auf dem Markt sieht, sind personalisierte Geschenke sehr gefragt. «Für Männer gibt es bei uns auch Jägermeistersträuße mit Hirschgeweih und Schnapsfläschchen», berichtet Geschäftsführer Rüdiger Barth. Speziell zum Valentinstag seien Heliumballons in Herzform der Renner. Bei Fleurop können zusätzlich Sektflaschen oder Bücherboxen mit den «berühmtesten Liebeschichten» geordert werden.
Am Valentinstag Blumen zu verschenken, ist aber wohl nicht auf einen geschickten Marketing-Geck der Floristen zurückführen. Dem Branchenverband zufolge geht die Tradition auf ein Sage über den Bischof Valentin von Terni zurück. Im dritten Jahrhundert nach Christus soll dieser heimlich verliebte Pärchen getraut haben. Im Anschluss beschenkte er sie mit einem Blumenstrauß. Vom römischen Kaiser Claudius II. am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet, wurde der Bischof später zum Schutzpatron der Liebenden. Dass der Valentinstag in diesem Jahr ausgerechnet an einem Sonntag mitten im Karneval fällt, sehen die Blumenversender allerdings gar nicht gern. «Da werden viele florale Grüße wohl auch direkt im Laden gekauft», heißt es unisono.
ruk/car/news.de/dpa
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