Mo., 13.02.12

Spielwarenmesse Wir sind ja nicht zum Spaß hier

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger, Nürnberg

Artikel vom 08.02.2010

Die Spielzeugbranche ist ein Milliardenmarkt. Aber der Kampf um die Ausstattung der Kinderzimmer ist deutlich härter geworden. Dass die Branche in einer Sinnkrise steckt, zeigt ein Besuch bei der Spielwarenmesse in Nürnberg.

«Harte Zeiten.» - Das ist einer der meist gesagten Sätze in den Nürnberger Messehallen dieser Tage. Die erschöpft klingenden Worte werden nicht nur auf deutsch gesagt, die gesamte internationale Spielwarenbranche ist nach Franken eingeflogen, um in den harten Zeiten zu kämpfen. «Tough times» sagt auch Doug Islander, ein junger Vertriebler aus Los Angeles. «Es kommen kaum noch zündende Ideen auf den Markt und alle schielen auf die Videospiele, die uns im klassischen Geschäft immer mehr das Wasser abgraben», meint Islander.

Das können die beiden großen deutschen Einkaufsverbünde Idee+Spiel und Vedes indirekt bestätigen. Ihre Umsätze mit Konsolen seien im vergangenen Jahr besonders stark zurückgegangen, heißt es unisono. Da keine neue Hardware präsentiert wurde, waren die Zahlen in diesem Segment ernüchternd. Minus 13 Prozent waren es allein in den 830 Fachgeschäften, die Idee+Spiel tragen. Das Lamentieren bedeutet aber auch, dass die kleineren Spielzeugläden mittlerweile stark von den Konsolenspielen abhängig sind und in starker Konkurrenz zu Elektronikfachmärkten stehen.

Geht es nach dem amerikanischen Branchenriesen Mattel, wird ab Mitte diesen Jahres Videotechnik schon für Kleinste zum Verkaufsschlager. Die Puppe «Barbie Video Girl» hat eine eingebaute Videokamera und auf dem Rücken, versteckt unter dem Pullover, einen kleinen Bildschirm. Damit könne zum Beispiel «die Hochzeit mit Ken, die Cabriofahrt an den Strand oder der Ausritt mit Pferd Tawny» aufgenommen werden, so der Hersteller. Um Barbie mit auf das maximal 27-minütige Hochzeitsvideo zu bannen, ist allerdings eine zweite Puppe vonnöten. Das wiederum kann kein Zufall sein.

Trotz Öko-Trend viel Plastik

Die Video-Barbie ist der ultimative Versuch, die Spielwaren aus der Umklammerung der Video- und Computerspiele zu lösen. Denn so grün und nachhaltig sich die Branche auf ihrer europäischen Leistungsschau auch gibt, die zwölf Messehallen quellen immer noch über vor lauter Plastik-Spielzeug in allen Formen und Farben. Eine ganze Halle wird von asiatischen Herstellern in Beschlag genommen, die Hundertschaften europäischer Einkäufer geben sich dort allerdings reserviert. Sie haben bereits vor drei Wochen in Hongkong geordert.

Die schöne neue Welt in den Kinderzimmern ist zumindest schon in den Köpfen der Entwickler. Reyne Rice, Trendforscherin beim US-amerikanischen Industrieverband TIA malt die Spielwelt von morgen so aus, wie es derzeit ein Automanager nicht besser könnte. «Auf dieser Messe habe ich schon so viele solarbetriebene Spielzeuge gesehen, das wird noch mehr», sagt Rice. «Es wird immer mehr an organische und recyclebare Materialien gedacht.» Zugleich müssten die Hersteller noch mehr in Geschichten investieren, um die Kinder zu begeistern und die Erziehungsberechtigten zum Einkauf zu bewegen. 

Derweil betet die Branche noch das Mantra von den Klassikern, die zurückkommen. Holzspielzeug und Blechautos, solche Dinge eben. Die Zuwächse seien ordentlich, heißt es allenthalben. Alle Befragten nannten allerdings nur Prozentzahlen, keine überraschenden Umsatzsteigerungen. Hintergrund für die Sinnkrise sind auch die anhaltend niedrigen Geburtenraten, die von allem in den Industrieländern die Umsätze drücken. So sind fast alle größeren Firmen darauf bedacht, mit allerlei Strategien darauf hinzuwirken, die wenigen Eltern zum Ausgeben von größeren Beträgen zu animieren. Der Eindruck bleibt, dass das inzwischen ausgereizt ist. Harte Zeiten eben.

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Spielwarenmesse: Wir sind ja nicht zum Spaß hier » Wirtschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/wirtschaft/855043540/wir-sind-ja-nicht-zum-spass-hier/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 08.02.2010 16:27
von
Kaktus

Harte Zeiten, dahin hat sich doch die Spielzeugindustrie selbst gebracht. Schadstoffe ohne Ende, Krebserregende Stoffe in Kinderspielzeug? Man hat das Gefühl, die wollen mit ihren Mist die Kinder ausrotten. Dann die QUALITÄT zu den PREISEN? Ich habe eine 5jährige Enkeltochter. Wenn ich sehe, wie vorsichtig sie mit den Sachen umgeht und es brechen an allen Ecken und Enden die Plastikteile ab, dann Frage ich mich, wer kann damit spielen? Man möchte das Spielzeug nicht auspacken, sondern in einen Glaskasten stellen aber da würde es auch noch zerfallen. Billig produzieren und teuer verkaufen und jammern!

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