Öffentlicher Dienst Warnstreiks nerven Pendler

Warnstreiks (Foto)
Bus- und Straßenbahnfahrer protestieren in Darmstadt. Bild: dpa

Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Warnstreiks fortgesetzt. Insbesondere in den Ballungsräumen kamen Pendler zu spät zur Arbeit. Auch im Flugverkehr kam es zu Behinderungen für Reisende.

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst sind mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg fortgesetzt worden. Am zweiten Tag der Protestaktionen wurde erstmals auch der Flugverkehr beeinträchtigt. Auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn legten am frühen Morgen Beschäftigte von Abfertigung und Sicherheit die Arbeit nieder. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi kam es zu Verspätungen. In vielen Städten fuhren auch keine Busse und Bahnen.

Auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn begannen die Warnstreiks nachts um 3 Uhr und dauerten bis 8 Uhr morgens. Außerdem brachte Verdi nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers im gesamten Ruhrgebiet den öffentlichen Nahverkehr bis auf wenige Ausnahmen zum Erliegen. Auch im Großraum Düsseldorf und kurzzeitig auch in Köln fuhren keine U-Bahnen mehr. Zudem waren Bürgerämter und Müllabfuhr vom Streik betroffen, an dem sich laut Verdi im bevölkerungsreichsten Bundesland mehrere tausend Mitarbeiter von Bund und Kommunen beteiligten.

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Auch in mehreren baden-württembergischen Städten wurde der öffentliche Nahverkehr lahmgelegt. In Stuttgart, Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe, Pforzheim, Konstanz, Esslingen, Heilbronn und Ulm waren die Pendler von dem Ausstand betroffen, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte. Ein Streikschwerpunkt war die Landeshauptstadt Stuttgart, wo nur die S-Bahn fuhr. Schätzungen zufolge waren allein in Stuttgart 300.000 Menschen von den Streikaktionen betroffen. Teilweise blieben auch Kindertagesstätten geschlossen oder wurde der Müll nicht abgeholt. Am Mittag war ein Protestzug durch die Innenstadt geplant.

Bsirske macht Berliner Steuerpläne mitverantwortlich

Die Gewerkschaft will mit den Warnstreiks ihrer Gesamtforderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten beim Bund und den Kommunen Nachdruck verleihen und die Arbeitgeber zur Vorlage eines Angebots zwingen. Das nächste Gespräch findet am 10. Februar statt. Am Mittwoch waren zum Auftakt der Warnstreiks bundesweit rund 22.000 Beschäftigte in den Ausstand getreten. Am Freitag sollen die Protestaktionen unter anderem in Hessen weitergehen.

Arbeitgeber und Gewerkschaften bekräftigen ihren Einigungswillen in den Tarifgesprächen. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte: «Wir hoffen, dass jetzt ernsthafte Verhandlungen beginnen.» Der Präsident der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, sagte im ARD-Morgenmagazin: «Ich meine, wir müssen in der kommenden Runde ein Angebot vorlegen.» Wie das aussehe, werde die VKA-Mitgliederversammlung entscheiden. «Das wird ganz ganz schwierig», sagte er. Unter den Städten, Gemeinden, Kreisen und Kommunalen Unternehmen gebe es welche, denen es finanziell «richtig schlecht» gehe. Ein Angebot könne nur «ganz geringere Verbesserungen» umfassen.

Die Arbeitgeber im Südwesten schließen aber eine generelle Gehaltserhöhung für ihre Mitarbeiter aus. «Die Zeiten sind vorbei, dass wir großzügig das Füllhorn über die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ausschütten können», sagte der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Johannes Fuchs, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur dpa in Stuttgart. Fuchs ist Mitglied der Delegation, die am 10. Februar zum dritten Mal in Potsdam mit den Gewerkschaften verhandelt. Am Montag war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis vertagt worden. Für die Zeit bis zur Fortsetzung der Gespräche haben die Gewerkschaften Warnstreiks geplant.

ruk/hav/news.de/ap/dpa

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