Die große Spielerei
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Die Spielwarenmesse ist ein gigantischer Tummelplatz für Fachbesucher. Eine Million Produkte auf engem Raum. Die Hersteller aber bringen wenig Neues heraus und beschränken sich meist auf Neuauflagen bekannter Spielzeuge.
Die Spielwarenbranche setzt in diesem Jahr besonders auf Energiethemen und Familienspiele: Auf der Neuheitenschau der weltgrößten Spielzeugmesse gab es am Mittwoch keine bahnbrechenden Innovationen zu entdecken - vielmehr scheinen die Hersteller altbewährte Produkte weiterzuentwickeln. Mehr als 2600 Aussteller aus 64 Ländern präsentieren auf der 61. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg von 4. bis 9. Februar rund eine Million Produkte, darunter etwa 70.000 Neuentwicklungen.
Besonders hoch im Kurs stehen in diesem Jahr Umweltthemen: Die «Solarfriends» - kleine Disney-Figuren - laufen und tanzen, nachdem sie kurz mit Licht aufgeladen wurden. Im «Geolino Powerhouse» lernen Kinder vieles über alternative Energiequellen, während Green Science mit seinen Bastelsets zeigt, wie man Wasser trinkbar macht, mit dem Strom aus einer Kartoffel eine Uhr betreibt oder mit Hilfe einer Wetterstation Regen vorhersagt.
Die kindliche Begeisterung für menschliche und tierische Ausscheidungen will der Spielwarenhersteller Goliath nutzen: Beim Spiel «Rotznase» hängt einer Plastikfigur grüner Schleim aus der Nase, den die Spieler beherzt entfernen müssen - unerwartete Reaktionen nicht ausgeschlossen. Der «Kackel Dackel» hat nicht nur unbändigen Hunger, sondern muss das Verdaute auch loswerden - es gewinnt, wer als erster ein Eimerchen voll eingesammelt hat.
Die Großen geben sich etwas kleinlaut
Um neue Zielgruppen zu erschließen, baut der Spielwarenkonzern Lego in diesem Jahr sein Sortiment an Familienspielen aus. «Die Altersrange muss erweitert werden», sagte der Geschäftsführer für Mitteleuropa, Dirk Engehausen. Bereits 2009 sei das Segment «Lego-Spiele» ausgesprochen erfolgreich gewesen. Insgesamt acht neue Familienspiele sollen deshalb in diesem Jahr auf den Markt kommen. Die Wirtschaftskrise hat Lego bislang nicht zu spüren bekommen: Das Unternehmen ist weiterhin die Nummer eins auf dem deutschen Spielzeugmarkt. «Wir haben inzwischen einen Marktanteil von 14,5 Prozent», berichtete Engehausen.
Der Spielwarenhersteller Ravensburger will nach einem leichten Umsatzrückgang im vergangenen Jahr 2010 wieder wachsen. «Insgesamt sind wir zufrieden», sagte der Vorstandssprecher der Gruppe, Karsten Schmidt. Die Erlöse seien nach sechs Jahren des Wachstums um 1,7 Prozent auf 293,0 Millionen Euro gesunken. Der mit rund 77 Prozent größte Umsatzbringer der Gruppe, der Geschäftsbereich «Spiele, Puzzles, Beschäftigung», brachte mit 225,7 Millionen Euro 2,7 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Dafür gebe es drei Gründe, erläuterte Schmidt: «Die Finanzkrise hat dazu beigetragen, dass die Händler wesentlich weniger Geld von den Banken bekommen haben und in der Folge ihre Bestände heruntergefahren haben.»
Zurück auf die Erfolgsspur will der insolvente Modellbahnbauer Märklin. Mit gezielten Marketingstrategien sollten die Marke Märklin und das Thema Modelleisenbahn wieder stärker ins Bewusstsein der Verbraucher gerückt werden, sagte Marketing- und Vertriebsleiter Lars Schilling. Hierzu wolle das baden-württembergische Unternehmen stärker als bisher auf Endverbrauchermessen präsent sein - auch, um mehr Kinder als Zielgruppe zu gewinnen. Vorteil solcher Messen sei, dass die Jungen und Mädchen dort direkt mit den Produkten spielen könnten. «Das ist etwas, was überzeugt und nachhaltig wirkt.» Die Nürnberger Messe hingegen ist eine Fachmesse und steht nur Fachbesuchern offen.
ruk/nbr/news.de/dpa
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