So., 12.02.12

Reisen Die Tropen in Brandenburg

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 06.02.2010

Nach dem schnellen Aus für den Zeppelin-Hersteller Cargolifter blieb eine riesige Glashalle in der Einöde Brandenburgs zurück. Ein malaysischer Konzern bietet darin seit sechs Jahren den Deutschen nun ein Stück Südsee. Eine Bilanz.

Wie aus dem Nichts taucht sie auf, in einer menschenleeren Gegend zwischen Dresden und Berlin - die größte freitragende Halle der Welt. Obwohl es draußen bitterkalt ist, gedeihen unter der 107 Meter hohen Glaskuppel subtropische Pflanzen. Und quietschvergnügte Besucher spazieren in Badehose an einem Sandstrand vor einer blauen Wand mit Wattewolken entlang.

Tropical Islands hat der malaysische Mischkonzern Tanjong seinen Erlebnistempel im Süden Brandenburgs getauft. Eine künstliche Freizeitwelt mit subtropischem Charme, die besonders bei Familien mit Kindern und entdeckungslustigen Paaren auf Beliebtheit stößt. Sie wollen ungestört einen Kurzurlaub genießen und den Alltag vor der riesigen Glasfassade zurücklassen.

Sabine Höfer ist ein typischer Besucher des Tropical Islands. Kinder hat die junge Ärztin zwar nicht, berufswegen aber trotzdem kaum Zeit. Da müsse es an einem freien Tag schon mal etwas Besonderes sein, sagt die 32-Jährige. Nach einem anstrengenden Wochenenddienst im Krankenhaus ist sie mit ihrer Freundin in die Tropenwelt gefahren.

Beide liegen nun im Liegestuhl am Beckenrand der «Bali-Lagune» und schlürfen Cocktails. «Es hat mich gereizt, das mal anzugucken. Aber vor allem will ich nur entspannen», sagt Sabine Höfer. Die Kombination aus Badespaß und Saunalandschaft habe es ihr besonders angetan. «Die Architektur ist doch toll, erinnert sogar ein bissl an Bali», sagt die 32-Jährige und lacht. «Das kann man schon mal ein Tag lang aushalten, aber ich glaube, das ist dann auch genug.»

Die beiden jungen Damen würden nicht in dieser riesigen Halle im Liegestuhl liegen, wäre das Konzept der vorherigen Nutzer aufgegangen. Denn ursprünglich sollten in der 107 Meter hohen Halle Zeppeline der Firma Cargolifter vom Band fliegen. Die im Jahr 2000 begonnene Erfolgsgeschichte dauerte jedoch nur kurz, bereits drei Jahre nach dem Start meldete Cargolifter den Absturz in die Insolvenz an.

Wieviele Besucher Tanjong braucht

Die Sage der leerstehenden Riesenhalle hat sich schnell bis bis nach Malaysia herumgesprochen. Am 11. Juni 2003 legte das von dort gesteuerte Unternehmen Tanjong stolze 17,5 Millionen Euro für den gläsernen Tempel auf den Tisch und brachte gleich ein Stück Heimat in Form der tropischen Lebenswelt mit. Vom Land Brandenburg gab es noch zehn Millionen Subvention dazu mit der Verpflichtung, 500 Arbeitsplätze langfristig zu halten.

Ob sich der Spaßtempel für die Asiaten bereits lohnt, ist zu bezweifeln. Denn um das Tropical Islands kostendeckend zu betreiben, gehen Analysten von einer Mindestbesucherzahl von 1,25 Millionen aus.

In dem Geschäftsbericht für das Jahr 2008 schreibt Tanjong, dass die Besucherzahlen um 21 Prozent von 691.000 auf 834.000 Besucher gestiegen sind. Und das nach rückläufigen Zahlen nach der Anfangseuphorie im Eröffnungsjahr 2004.

Wie die Besucherzahlen für 2009 aussehen, dürfte der neue Tanjong-Geschäftsbericht verraten, der im Frühjahr erscheint. Scheinbar steigen die Zahlen weiter. Vor kurzem verkündete Ole Bested Hensing, Geschäftsführer des Tropical Islands, für das vergangene Jahr einen Gewinn in Millionenhöhe für sein Haus und führte das auf 300.000 Übernachtungen zurück, eine weitere Einnahmequelle der künstlichen Tropenwelt.

Der Aufwärtstrend hängt wohl vor allem mit der starken Medienpräsenz des Freizeitparks zusammen. Im Tanjong-Geschäftsbericht heißt es dazu: «Die höheren Besucherzahlen wurden durch eine effektive Fernsehwerbung und verstärkte Verkaufsaktivitäten erreicht.» Marketing-Chef Kim Schäfer steht für seinen Fachbereich ein siebenstelliger Eurobetrag pro Jahr zur Verfügung. Dieses Geld setze er nicht nur für Anzeigen in der Region ein, dort sei das Tropical Island bereits sehr bekannt, sagt Schäfer. Das Geld fließe zu einem großen Teil in nationale Fernsehwerbung bei Privatsendern sowie an Sender in Polen und Tschechien.

Und dieses Werbekonzept scheint zu funktionieren. Laut Unternehmensangaben kommen mittlerweile 48 Prozent der Besucher aus den alten Bundesländern und 13 Prozent aus dem Ausland, vor allem eben aus Polen.

Mit dem Bus in die Tropen

Um noch mehr Besucher für das tropische Badeparadies zu gewinnen, geht das Management mittlerweile ganz neue Wege. Seit längerer Zeit gibt es bereits einen wöchentlichen Nachtzug von Brno aus, der Touristen aus Tschechien bis kurz vor die Tropen in Brandenburg fährt und in der nächsten Nacht wieder zurückbringt.

Außerdem habe man sich an Busunternehmer in Mecklenburg-Vorpommern gewandt, um ein Streckennetz zwischen den Städten im Norden und dem Tropical Islands aufzubauen, sagt Schäfer. Die Fahrt und den Besuch des Freizeitparks vermarkte man unter einer gemeinsamen Website. Dieses Prinzip will Schäfer nun auch mit Busanbietern aus dem süddeutschen Raum starten.

Gleichzeitig werden die Übernachtungsmöglichkeiten um das Tropical Island ausgebaut. So entstehen neben dem Caravanstellplatz mehr als 100 Ferienhäuser. Die Investoren, die deutsch-dänische Planet-Gruppe und der Novasol-Konzern als Vermarkter, haben dabei nicht nur den Freizeitpark als Attraktion für ihre Kunden im Blick. «Die Region zwischen Berlin, Dresden und Leipzig ist ein attraktives Reiseziel», erklärt Sven Hollesen, Vorstand der Planet-Haus AG, seine Zuversicht. «In Kombination mit Tropical Islands bietet das Gebiet jede Menge Erlebnismöglichkeiten.»

mac/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 07.02.2010 12:05
von
Tobias Niss

Ein Glanzstück an Journalismus! Soviel dummes gekritzel.. die Glashalle möchte ich mal sehen. Die Cargolifterhalle besteht ja noch immer aus einem Stahlgerüst mit Folie (teilweise transparent) überspannt und Zeppeline sollten dort auch nicht gebaut werden. Die Zeppelin GmbH ist am Bodensee. Aber der Unterschied Luftschiff-Zeppelin darf mal vernachlässigt werden, dürfte die meisten kompetenten Reporter eh überfordern (siehe DerSpiegel)

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