Opel-Lobbyist Hoff Politiker mit schillernden Geschäften

Volker Hoff (Foto)
Volker Hoff, neuer Opel-Cheflobbyist in Berlin. Bild: ddp

Von Friedemann Kohler
Der Autokonzern Opel hat einen neuen Lobbyisten gefunden. Der Werbestratege Volker Hoff soll künftig in Berlin auf gut Wetter machen. Dabei ist seine Vergangenheit alles andere als durchsichtig.

Der CDU-Politiker Volker Hoff (52) bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen Partei und privaten Geschäften. Die Pflege vielseitiger Kontakte gilt als Stärke des Werbefachmanns, der meist schick mit Fliege auftritt und künftig für Opel in Berlin und Brüssel das politische Feld bereiten soll. In der Landesregierung war er von 2006 bis Anfang 2009 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten.

Dann ließen Ungereimtheiten seiner Geschäfte es geraten erscheinen, aus der Regierung auszuscheiden und sich auf das Landtagsmandat zu konzentrieren. Über Hoffs frühere Werbeagentur ZHP sollen in dem Betrugsfall beim TV-Werbezeitenvermarkter Aegis Media Millionen Euro verschoben worden sein.

Der gebürtige Frankfurter Hoff gehört zur «Tankstelle», dem Anfang der 80er Jahre gegründeten politischen Freundeskreis um Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Die damaligen Mitglieder der Jungen Union in Hessen, darunter auch der heutige Innenminister Volker Bouffier und Finanzminister Karlheinz Weimar, halfen einander beim Aufstieg in der Partei. Hoff zog 1991 erstmals in den Landtag ein, 2003 bis 2006 war er CDU-Fraktionsvize.

Mit Europa erhielt Hoff sein großes politisches Thema. Dem Reklamefachmann gelang es, beim hessischen Publikum auf bewährte Weise zu punkten: Er machte als Minister Werbung für die europäische Idee und kritisierte zugleich die EU-Bürokratie in Brüssel. Hoff trieb auch die internationalen Partnerschaften des Landes voran.

Aus der Agentur Zoffel Hoff Partner ZHP, betrieben mit seinem Partner Reinhard Zoffel, stieg der Politiker mit dem Wechsel in die Regierung aus. Die Agentur war über Jahre «ein Knoten des CDU-Netzwerks», wie Kochs Biograf Hajo Schumacher schreibt. Sie machte Wahlkampf für die Union, managte aber auch den populären «Ball des Weins» in der Landeshauptstadt und andere Events.

Den Weg ins richtig große Geschäft suchte ZHP mit Hilfe des früheren Europa-Chefs von Aegis Media, Alexander Ruzicka. Dieser wurde im Mai 2009 wegen Untreue mit einem Schaden von 33 Millionen Euro zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Mindestens 5,3 Millionen Euro schleuste Ruzicka nach Auffassung des Gerichts über ZHP an eigene Tarnfirmen weiter. Auch Hoff hat einige Firmen gegründet, die in dem Prozess eine Rolle spielten.

Hoff wurde aber in dem Verfahren nur als Zeuge geführt, während gegen seinen Ex-Partner Zoffel ermittelt wurde. Beide sagten vor Gericht aus und berichteten von komplizierten Rechnungen und Gegenrechnungen mit Ruzicka. Eine vertragliche Grundlage habe es meist nicht gegeben, es sei um Geschäfte in «gefühlter Größe» gegangen, wie Hoff erläuterte. In seinem Urteil bescheinigte Richter Jürgen Bonk dem Politiker «erkennbar kultivierte Erinnerungslücken», sah aber kein schuldhaftes Verhalten: Es sei nicht nachzuweisen, dass Hoff und Zoffel durchschaut hätten, was Ruzicka mit ihnen trieb.

ruk/san/news.de/dpa

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