Nicht nur Geld ist das Problem
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Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Artikel vom 26.01.2010
Existenzgründer haben chronisch Geldsorgen, heißt es. Doch nach ihren Geldsorgen gefragt, geben sie viel dringendere Probleme an. Die fehlende Zeit ist die eine. Marktreife eine andere.
Elevator Pitch Night in Leipzig. 15 junge oder junggebliebene Unternehmer preisen ihre Ideen an. Doch mitten in die angestrengte Konzentrationsphase und das Auswendiglernen des englischen Textes platzen Fragen danach, wie es ist, ausgerechnet jetzt - unter erschwerten Bedingungen - junger Unternehmer zu sein und nach den Sorgen des Unternehmertums.
Und die Antworten, so verschieden sie sind, verraten viel über die Geldsorgen. Die stehen nämlich gar nicht im Mittelpunkt. «Uns ist es wichtig, jeden Stein umzudrehen», sagt Diana Schlehahn vom Leipziger Online-Vermarkter Netzideen. Sie präsentiert eine Idee, die aus einem Gründercoaching hervorgegangen ist. Ein Ingenieur hatte eine 360-Grad-Videokamera entwickelt, die nun zur Marktreife kommen soll. «Uns ist es wichtig, aus der Glasglocke herauszukommen und viele Meinungen einzuholen», so Schlehahn. Dabei helfe natürlich auch, dass nicht alles an der neuen Idee hänge, da ihre Agentur genügend Standbeine habe. Aber nach Geld betteln hört sich anders an.
Sind 850.000 Euro viel Geld?
Zum Beispiel so, wie es einem der 15 Kandidaten bei seiner Kurzpräsentation herausrutscht. Er brauche für sein Pilotprojekt im IT-Bereich nur 850.000 Euro in drei Jahren. Ein vielfaches «Ohohoho» ist die Antwort aus der Zuhörerschaft. Dieser Versuch ging schon mal daneben. Viel zielgerichteter äußert sich da der 24-jährige Georg Grams, der gemeinsam mit einem Freund ein Internet-Portal für alternative Mobilität aufzieht: «Wir wollen keinen Kredit bei einer Bank, damit würden wir unser Baby aus der Hand geben.» Sie setzten auf direkte Kontakte zu den Autoherstellern, um die nächste Stufe ihres Geschäftsplanes Wirklichkeit werden zu lassen. «Wir suchen nach einem starken Partner aus der Industrie», ist Grams' selbstbewußte Ansage.
Selbstbewußt gibt sich auch Brian Muldown, Mitarbeiter einer kleinen Leipziger Software-Schmiede, die allerdings auf organisches Wachstum setzt und sich mit diesem Prinzip schon etabliert hat. «Natürlich würde mir heute Abend ein weiterer Kunde sehr helfen», aber wichtig sei vor allem die Mundpropaganda, und damit ein langsames, aber stetiges Wachstum. Denn für viele Selbstständige sei ohnehin das Zeitmanagement die größte Herausforderung.
Ins gleiche Horn stößt auch Diana Schlehahn: «Machen und toll finden, ist schön. Aber wenn es was werden soll, hilft es nicht viel, wenn man nur in der ersten Reihe steht und losbrüllt.» Alles erstaunliche Worte aus dem Munde einer Marketing-Verantwortlichen. Die neue Konzentration auf das Wesentliche ist wohl angebrochen.
seh/news.de
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