Europa spart - wir nicht
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 13.01.2010
In der Krise haben die Staaten mit dem Geld nur so um sich geschmissen, um die Wirtschaft vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Jetzt legen die ersten Regierungen Sparprogramme auf. News.de stellt einige Pläne vor.
Schwarz-Gelb streitet noch immer darüber, wie das nun genau werden soll mit den groß versprochenen Steuersenkungen, die Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer den Wahlsieg gebracht haben. Kommt es überhaupt zu weiteren Senkungen? Wenn ja, in welcher Höhe? Und vor allem: Wie soll all das bezahlt werden. Gerade in letzterem Punkt sind einige unserer Nachbarn schon deutlich weiter und schlachten so manche in Deutschland heilige Kuh.
Griechenland
In Griechenland sind die Staatskassen schon seit Jahren klamm, die Helenen lebten über ihre Verhältnisse. Nun hat die Krise die Situation noch verschlimmert, weil die Einnahmen weggebrochen sind.
Nun wollen die Griechen sparen. Zugegeben, vor allem Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou will sparen, seine Landsleute weniger, was sie durch Streiks in den letzten Wochen demonstriert haben.
Aber Papandreou bleibt hart. Weiß er doch, dass die EU, zu der Griechenland weiterhin gehören soll, Disziplin verlangt. «Wir senken den Fehlbetrag durch systemische Veränderungen, und wir wollen das binnen vier Jahren tun», sagte Papandreou am Rande eines EU-Gipfels. Ziel sei es, nach Ablauf dieser Frist wieder das Maastricht-Kriterium von höchstens drei Prozent Neuverschuldung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) einzuhalten. Gegenwärtig liegt Griechenland bei mehr als zwölf Prozent.
Was Griechenland tun will: Experten im Athener Finanzministerium kündigten laut Spiegel-Informationen an, dass der immense Beamtenapparat verschlankt werden soll. So heißt es aus dem Ministerium, dass für 50 in Pension gehende Staatsdiener nur 15 neue eingestellt werden. Außerdem sollen in nächsten drei Jahren die Gehälter von Staatsdienern eingefroren werden.
Zudem geht es den griechischen Besserverdienern an das Vermögen. Geplant ist eine Sondersteuer für Immobilien, die mehr als 200 Quadratmeter groß sind. Raucher, Autofahrer und Genießer beziehungsweise Trinker müssen ebenso bei der Konsolidierung des Staatshaushalts mithelfen. Griechenland will die Steuern für Tabak, für Spirituosen und für Treibstoffe drastisch erhöhen.
Irland
Die Iren haben vor der Krise so stark von der EU profitiert wie kaum ein anderes Land. Die westliche Außenstelle der Gemeinschaft entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum reinsten Wirtschaftswunderland. Gegenwärtig geht es mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) jedoch wieder abwärts - im vergangenen Jahr um satte 7,5 Prozent. In dieser Zeit häufte Irland ein Rekorddefizit von zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an.
Doch entgegen einigen Erwartungen stellt sich Irland jetzt nicht quer gegen die EU, sondern will brav kürzen, um die Stabilitätskriterien möglichst schnell wieder zu erreichen. Vier Milliarden Euro will Dublin einsparen.
Und so funktioniert die irische Haushaltskonsolidierung: Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst werden von Januar an um fünf bis 20 Prozent gekürzt. Reduziert werden auch Kinder- und Arbeitslosengeld, während zugleich die Rezeptgebühren steigen. Um 750 Millionen will Dublin außerdem den Sozialhilfe-Etat beschneiden.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Bisher liegen in Deutschland keine konkreten Pläne für den Schuldenabbau vor. Das ist mehr ...
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Wirtschaft nicht so stark gesunken. Das Staatsdefizit liegt bei 77 Milliarden mehr ...
Die Griechen müssen sparen, um die Eurokriterien zu erfüllen. Denn ohne den Euro würde es ihnen dreckig mehr ...
Immer mehr Länder in Europa machen immer größere Schulden - eine Gefahr für uns mehr ...
Europäische Solidarität ja, Geld nein: Griechenland muss sich selbst aus dem Schuldensumpf ziehen, da sind sich die EU-Partner mehr ...
Andere schreiten voran, Deutschland bleibt stehen: Schwarz-Gelb lehnt eine Steuer für Banker-Boni ab. mehr ...
Sparen? 70% der Riegungdmitglieder eindparen. Tja, die Löcher im Haushalt. Sind doch nur Schattenlöcher.
jetzt antwortenKommentar meldenWarum sollen wir sparen? Wenn die Rettungspakete zurückgezahlt werden und Steuern auf Finanztransaktionen erhoben werden muß niemand sparen! Auch das Geschrei wegen dem Schuldenberg für die Nachkommen und die Politiker,die meinen unmögliche Summen irgendwie tilgen zu wollen, machen mich wütend!Es geht hier nur um die Begrenzung der jährlichen Neuverschuldung, sonst nichts.Zurückzahlen können unsere Enkel und Urenkel locker, wenn aufgrund von Inflation ein Laib Brot 50 Mio Euro oder mehr kostet. ;) Dann ist mit dem Gegenwert eines Luxusdiner für 5000 Personen der Staat wieder schuldenfrei.
jetzt antwortenKommentar melden