Studentenjob Handyrecycler
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Jörg Schreiber
Artikel vom 08.01.2010
Auch bei jungen Unternehmen können sich Studenten ein Zubrot verdienen. Das beweist eine Firma in Frankfurt/Oder. Sie hat sich auf das Aufbereiten von Handys und anderen Geräten spezialisiert.
Boris Derjagin packt das vom Vorbesitzer aus Flensburg eingesandte Handy aus dem kleinen Karton aus. Der 22-Jährige prüft es auf Beschädigungen und trägt alle Angaben am Computerbildschirm in ein Datenblatt ein. Der in Russland geborene und heute in Deutschland lebende Betriebswirtschaftsstudent der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) verdient sich mit dem Studentenjob bei der Firma asgoodas.nu einige Euro hinzu. Er ist einer von mittlerweile mehr als 20 festen und freien Mitarbeitern des Frankfurter Start-up-Unternehmens, das sich auf die Aufarbeitung und den Weiterverkauf gebrauchter Handys spezialisiert hat.
«Rund 90 Prozent der Mitarbeiter waren oder sind Viadrina-Studenten», sagt Geschäftsführer und Hauptgesellschafter Christian Wolf. Der 32-Jährige hatte selbst an der östlichsten deutschen Universität studiert und dann Entwicklungsprojekte bei der Telekom geleitet. Die Verbundenheit zur Europa-Universität ist nicht zufällig: Seine vor einem Jahr gegründete Firma ist die erste Ausgründung des im Sommer 2008 geschaffenen «Centres for Entrepreneurship» der Viadrina, wo Wolf auch heute noch gern seine Erfahrungen weitergibt.
Nach dem Start in Wolfs Wohnzimmer belegt die Firma inzwischen mehrere Räume im Frankfurter Business and Innovation Centre (BIC). Im Internet baute das Unternehmen eine Plattform auf, auf der Interessenten ihr altes Handy bewerten und sich ein Kaufangebot machen lassen können. Die eingesandten Geräte werden in Frankfurt aufbereitet, technisch geprüft, mit neuer Software bespielt und in aller Regel über das Internet-Auktionshaus Ebay wieder angeboten. Binnen ein bis zwei Wochen würden die Geräte verkauft, sagt Wolf.
Die Geschäftsidee wurde als so gut bewertet, dass Wolf im November 2008 das erste an die Viadrina vergebene «EXIST»-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums holte. Der einjährige Geldsegen ist inzwischen versiegt, doch Wolf kommt auch ohne ihn zurecht. Der gebürtige Rheinländer baute seine anfangs aus vier Mitarbeitern bestehende Firma kontinuierlich aus, akquirierte zusätzliche Kapitalbeteiligungen, bezog erweiterte Räume, schloss Kooperationen mit Mobilfunkanbietern und einem Versanddienst.
Schritt für Schritt zur schwarzen Null
Inzwischen werden nach seinen Angaben monatlich im Durchschnitt rund 1400 Handys und iPods aufbereitet. «Die Umsätze steigen von Quartal zu Quartal, liegen jetzt jeden Monat im hohen fünfstelligen Bereich», sagt Wolf. Als nächstes Ziel gibt er aus: «2010 wollen wird die Umsatzmillion knacken.» Noch hat das Start-up-Unternehmen die schwarze Null nicht erreicht. «Im November 2009 hatten wir ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis, aber Einstellungen und Investitionen führen dazu, dass wir noch eine Weile im Minus sein werden», sagt er.
Wolf weiß, dass das Wettbewerbsumfeld «sehr hitzig» ist und immer mehr Anbieter auf den Markt drängen. «Da muss er sich schon behaupten in diesem Umfeld», sagt die Chefin des Viadrina-«Centres for Entrepreneurship», Liv Jacobsen.
«Das Ganze ist keine Nische, wie ich einst selbst dachte, sondern ein Massenmarkt, wo mehrere Firmen profitabel arbeiten können», betont Wolf. Er sieht «genug Entwicklungspotenzial», neben Handys und iPods sollen in seiner Firma später auch MP3-Player, GPS-Geräte, Netbooks oder Spielekonsolen recycelt werden.
Zudem sei der Firmensitz Frankfurt nicht nur wegen der günstigen Kosten, sondern auch wegen der Nachbarschaft zu Polen eine gute Entscheidung gewesen. «Im Jahr 2010 wollen wir den polnischen Markt angehen», verrät Wolf. Da passt es gut, dass jetzt die Polin Joanna Solecka Vertriebschefin seiner Firma wird. Sie ist eine Viadrina-Absolventin, die so wie Boris Derjagin einst während des Studiums in der Firma begonnen hatte.
ruk/news.de/ddp
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Der Andrang auf die Hochschulen ist ungebrochen. Die Bachelor- und Masterstudiengänge erhöhen den Druck auf mehr ...
Einige Unternehmen klagen über zu enge Stundenpläne der Studenten. Sie hätten sie lieber als flexible mehr ...