Studenten verzweifelt gesucht
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Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Artikel vom 08.01.2010
Einige Unternehmen klagen über zu enge Stundenpläne der Studenten. Sie hätten sie lieber als flexible Arbeitskräfte. Aus der FDP kommt derweil ein heikler Vorschlag, wie die Studenten besser über die Runden kommen.
Vieltausendfach haben Deutschlands Hochschüler unlängst klar gemacht, was sie von der Bologna-Reform halten. Sie besetzten Ende vergangenen Jahres Hörsäle und Rektorate. Sie protestierten zu Tausenden gegen schlechte Studienbedingungen und eine Reform, die in ihren Augen viele Nachteile mit sich brachte. Einer der Kritikpunkte war dabei der strenge Zeitplan in den meisten Studiengängen, der ihnen keine Zeit für einen Nebenjob und damit ein unabhängiges Einkommen lasse.
Nun stehen auch einige Unternehmen wegen der tiefgreifenden Studienreform vor Problemen. Vor allem in Callcentern, in denen traditionell ein Großteil der Belegschaften einen Studentenausweis hat, wird händeringend nach Nachwuchs gesucht. «Einige Bachelorstudenten bringen gleich zum Einstellungsgespräch ihren Stundenplan mit, und wollen dann maximal zwei Stunden am Tag arbeiten», so der Personalchef eines Callcenters mit etwa 100 Mitarbeitern zu news.de.
Die Probleme sind derweil auch in der Poltik bekannt, FDP-Parteivize Andreas Pinkwart regte in der vergangenen Woche eine Reform des Kindergeldes an. Es solle direkt an Studenten ausgezahlt werden, sagte er der Financial Times Deutschland. Nebenjobs seien der falsche Weg, denn «sie schaden dem Studienerfolg und sind auch ökonomisch eine falsche Rechnung», sagte Pinkwart. «Die Studierenden sollen sich voll auf ihr Studium konzentrieren können. Das geht bei Bachelor und Master häufig gar nicht mehr anders.»
Die Studenten stehen oftmals vor einer Quadratur des Kreises. Die komprimierten Studiengänge erfordern volle Konzentration und hohen Zeiteinsatz. Wenn die Finanzierung nicht durch Eltern und Bafög abgedeckt wird, drückt der Dispo und ein Job muss her. Doch woher die Zeit nehmen, wenn nicht stehlen? Viele Studiengänge sind stark verschult, Vorlesungen können nicht einfach zwei Semester später besucht werden, um einmal einen ganzen Vormittag für den Nebenjob frei zu räumen.
Mit dem Studentenstatus wird die Arbeitskraft der Studenten relativ preiswert, da die Hochschüler unterhalb der Freibeträge keine Beiträge zur Sozialversicherung zahlen müssen, und somit von den oft kärglichen Löhnen im Dienstleistungssektor kaum Abzüge haben. In Callcentern werden ungelernten Kräften in der Regel zwischen fünf und neun Euro Bruttolohn gezahlt.
Der neuesten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zufolge lag die Erwerbstätigenquote von Bachelorstudenten im Jahr 2006 bundesweit mit 56 Prozent unter dem Durchschnitt aller Studierender (63 Prozent). Dies wurde jedoch von den Autoren der Studie mit dem jungen Durchschnittsalter der Bachelorstudenten begründet. Jüngere Studenten hätten tendenziell seltener einen Nebenjob als die älteren Semester. Stefan Grob, Sprecher des DSW, weist jedoch darauf hin, dass schon jetzt bei 40 Prozent der Studenten die Finanzen unsicher sind.
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