«Komplexe Finanzprodukte meiden»
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Vor drei Jahren hat er die Finanzkrise bereits vorhergesehen. Nun meldet sich der Krisenprophet zurück, und zwar mit ein paar Anlagetipps, die da lauten: Risiko streuen und komplizierte Finanzprodukte meiden.
Wer sein Geld richtig anlegen will, der sollte es breit auf verschiedene Anlageformen verteilen. Das empfiehlt der Wirtschaftsprofessor Max Otte im Interview.
Der 45 Jahre alte Professor an der Fachhochschule Worms hatte für Aufmerksamkeit gesorgt, als er 2006 die US-Immobilienkrise und damit den Auslöser der folgenschweren Finanzkrise in einem Buch («Der Crash kommt») vorhersagte. Er selbst investiert auch in Gold.
Wie sollen denn die Menschen ihr Geld anlegen?
Max Otte: «Das ist die alte Leier: Wir Deutschen haben sehr viel Angst vor Verlusten und sind extrem vorsichtig. Aber wer Geld anlegt, ist Kaufmann oder Kauffrau und muss Verluste mit einkalkulieren. Konkret heißt das: eine Streuung in Termin- oder Tagesgelder und Sachvermögen in Form von Immobilien und guten, breit gestreuten Aktienfonds ist unverzichtbar. Geht es in einem Bereich runter, gleicht der andere Bereich das hoffentlich aus. Termingeldanlagen nicht langfristig festlegen, weil wahrscheinlich die Zinsen steigen werden. Derzeit lieber auf ein oder zwei Prozent Rendite verzichten. Also so muss man streuen: zwischen Geld- und Sachvermögen. Und meiden Sie die komplexen Produkte der Finanzbranche.»
Sie selber befolgen diese Regeln auch oder haben Sie noch einen Geheimtipp?
Otte: «Naja, ich bin natürlich Aktienexperte. Ich bin sehr stark in Aktien gewichtet, und wer mich kennt, der weiß, dass auch ein paar Goldmünzen oder -barren im Safe dazugehören. Ich bin kein Goldfanatiker, aber: Wenn nichts anderes mehr geht, geht Gold bestimmt noch.»
Dürfen wir denn auch vor der nächsten Krise damit rechnen, dass Sie die in einem Buch wieder rechtzeitig beschreiben?
Otte: «Überhaupt nicht. Manchmal gibt es Situationen, da ist die Zukunft sehr klar. Das ist aber selten der Fall. Und sehr oft ist die Zukunft eben unsicher. Da muss man ehrlich sagen: Sorry, das könnte passieren oder das. Das ist das Problem mit Prognosen, und deshalb bin ich froh, dass ich kein Wirtschaftsforschungsinstitut bin. Die armen Leute müssen alle halbe Jahre eine Prognose machen. Das kann nichts werden!
Im Moment haben wir - vielleicht das als Prognose - eine extrem hohe Geldmenge bei einer immer noch ungesunden Wirtschaft und damit ein instabiles System. Stellen Sie sich eine Kugel vor, die auf einem Rohr liegt und die Sie mit einem Stab längs über das Rohr schieben. Wenn die Kugel links runterrollt, haben Sie Inflation (Geldentwertung), und wenn sie rechts runterrollt, haben Sie Deflation (Preisverfall). So ist ungefähr die momentane Lage. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob wir eher in ein inflationäres oder ein deflationäres Umfeld steuern. Ein normaler Wachstumspfad wäre großes Glück und ist eher unwahrscheinlich. Die Deflation ist die größere Gefahr. Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt.»
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