Discounter Netto
«Die machen Marktleiter gezielt fertig»

Kostenlose Mehrarbeit, k├Ârperliche ├ťberlastung und Dienstpl├Ąne mit eklatanten L├╝cken: Der Discounter Netto sieht sich heftigen Vorw├╝rfen seiner Mitarbeiter ausgesetzt.

Mitarbeiter des Discounters Netto wehren sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Bild: news.de

Kurz nach der ├ťbernahme des Lebensmitteldiscounters Plus durch die Edeka-Tochter Netto Anfang 2009 regte sich heftiger Widerstand gegen immer schlechtere Arbeitsbedingungen. Zwei Artikel in der Tageszeitung und bei Spiegel Online deckten fragw├╝rdige Methoden auf. Nun, fast ein Jahr nach Beginn der Fusion, erneuern Angestellte der Netto-Kette ihre Kritik an den rigiden Vorgaben aus der Zentrale und an den miserablen Arbeitsbedingungen.

FOTOS: Discounter Die Billigheimer

Heike Steffen* muss morgens um 7 Uhr an der Kasse sitzen. Doch bevor sie auf ihren Drehstuhl steigt, hat sie ihren unfreiwilligen Fr├╝hsport schon hinter sich. Das Obst musste in die Auslage bugsiert werden. Je nach Saison wiegen die Kisten bis zu 18 Kilo, jetzt, kurz vor Weihnachten sind die Orangenkisten 20 Kilo schwer.

Und dann seien da noch die Paletten. «Da hebste 'ne frisch geschlagene Kiefer hoch», sagt die Verk├Ąuferin mit h├Ârbarem ├ärger in der Stimme. «Du hast einfach keinen, der dir dabei hilft.» Zuletzt war sie mehrere Wochen au├čer Gefecht. Der R├╝cken machte die morgendliche Plackerei nicht mehr mit. Ihre ├ärztin habe ihr schon ein Warnsignal gegeben. Zehn Jahre noch in diesem Job, dann ginge es nur noch mit starken Schmerzmitteln.

VIDEO: Alle gehen wir hin
Video: news.de

Die Ausd├╝nnung der Personaldecke hat nach Ansicht von Steffen System: «Als wir von Plus zu Netto wechselten, haben sie uns sechs Stunden l├Ąngere ├ľffnungszeiten pro Woche gegeben. Vor der Umstellung waren wir 13 Festangestellte in unserem Markt, jetzt sind wir zu siebt.» Die Arbeit wird ausgelagert an Billigkr├Ąfte, sogenannte externe Packteams. Stundenlohn f├╝r die Aushilfen: 4,50 Euro. Plus 50 Cent als Urlaubsgeld und 50 Cent als Weihnachtsgeld.

Heike Steffen ist mit ihren Klagen nicht allein. Gegen├╝ber news.de ├Ąu├čerten sich mehrere Netto-Angestellte mit teils schweren Vorw├╝rfen. So sollen Stundenzettel im nachhinein manipuliert und unliebsame Mitarbeiter bis zu vier Mal t├Ąglich mit Testk├Ąufern konfrontiert worden sein.

Steffens Vertrag lautet derweil auf 21 Stunden w├Âchentlich. Derzeit arbeitet sie konstant 30 bis 35 Stunden. «Das Argument, man k├Ânne sich ja neben seinem Teilzeitjob eine zweite Stelle suchen, ist damit schon mal hinf├Ąllig.» Momentan steht vielerorts die Verl├Ąngerung der ├ľffnungszeiten bis 22 Uhr im Raum. Ob die Personalplanung das ├╝berhaupt hergibt, ist ungewiss. Schon jetzt w├╝rden Dienstpl├Ąne mit L├╝cken von einer Stunde geschrieben und dann erwartet, dass der eine Mitarbeiter l├Ąnger bleibt und der andere fr├╝her kommt. «Einer Kollegin wurde bei der Dienstbesprechung vom Filialleiter ins Gesicht gesagt, dass sie gef├Ąlligst zwei Stunden eher kommen soll», sagt Steffen.

Der Umsatz bestimmt die maximale Arbeitszeit

Die Arbeitszeiten w├╝rden je nach Umsatz der Vorwoche von der Zentrale kontingentiert, Mehrarbeit ├╝ber das Soll hinaus sei ausdr├╝cklich nicht erw├╝nscht, so die Verk├Ąuferin. Kosten werden so gedr├╝ckt, die Last tragen die Mitarbeiter.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi betr├Ągt der Anteil an Personalkosten am Umsatz einer Netto-Filiale meist nur rund 4,5 Prozent. Bei Aldi liegt demnach das Ziel bei 5 Prozent, h├Âherpreisige Superm├Ąrkte geben anderen Angaben zufolge bis zu 13 Prozent des Umsatzes f├╝rs Personal aus.

Dabei sieht Steffen schon jetzt die Grenze der Belastbarkeit erreicht. An einem der Samstage im Advent habe sie zwei Pausen gemacht. «Jeweils f├╝nf Minuten.» Vorn warteten die Kunden ungeduldig an der langen Schlange, bei jedem Pfandbon, der ├╝ber 2,50 Euro betr├Ągt, m├╝sse zudem der Marktleiter zur Kasse eilen, die Kassenkr├Ąfte d├╝rften h├Âhere Betr├Ąge nicht einfach auszahlen.

Der Druck von oben sei enorm, doch nicht nur Kassenkr├Ąfte und geringf├╝gig Besch├Ąftigte seien die Leidtragenden. «Die machen Marktleiter gezielt fertig», so Steffen. Freie Tage gebe es f├╝r die F├╝hrungskr├Ąfte praktisch nicht. ├ťberstunden, die die Marktleiter aus der Not heraus auft├╝rmten, d├╝rften nicht aufgeschrieben werden. Ab Januar sollen zudem f├╝r Festangestellte keine bezahlten ├ťberstunden mehr zul├Ąssig sein und stattdessen verst├Ąrkt 325-Euro-Pauschalkr├Ąfte eingestellt werden.

Das Unternehmen selber lehnte auf Nachfrage von news.de eine Stellungnahme zu den Vorw├╝rfen ab.

*Der Name wurde von der Redaktion ge├Ąndert.

seh/news.de

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26 Kommentare
  • Tina

    30.01.2014 23:59

    Ja liebe Leute ich bin jetzt schon ├╝ber 16 Jahren bei Plus/Netto Plus mu├č ich sagen ,da├č schon Schlie├čung der kleinen L├Ąden un zu mutbare Zust├Ąnde auf treten,man wird gezwungen,da├č man ├╝ber 30 Kilometer f├Ąhrt,um einen halbtags job nach zu kommen.Am Anfang konnte ich nicht mehr mir fuhr jeden Tag die Angst mit.Ich war dann f├╝r Monate krank,und mu├čste mir noch an h├Âren,da├č der Laden stehn mu├č.Egal wie.Kollegen/in waren schon mit Erk├Ąltungen und halber Lungenentz├╝ndung zur Arbeit gekommen.Mein Arzt meint wenn ich so weiter werde ich es nicht mehr lange schaffen.

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  • Oblender

    05.04.2013 17:25

    Pfff....ich bin schon gut 7 monate nun azubi bei netto und ich werde auch nur ganz selten p├╝nktlich nachhause geschickt und die arbeit ist hart keine frage...aber ich finde es trotzdem voll ├╝bertrieben wie alle meckern das man als sklave dort arbeitet f├╝r einen hungerlohn und und und....wenn man sich mit den leuten versteht und die arbeit nicht als pflicht ansieht l├Ąuft es viel besser...ich verstehe euch leute nicht man gibt euch eine m├Âglichkeit zu arbeiten und wenn ihr diese arbeit sch**e findet dann k├╝ndigt doch einfach, und ab zu HARTZ 4, anstatt hier sich bei jedem auszuheuelen.

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  • mersi

    27.07.2012 14:56

    Antwort auf Kommentar 18

    das kenn ich. mein sohn hat das selbe problem. er wurde mit einer cd erpresst und gen├Âtigt eine fristlose k├╝ndigung zu schreiben. daf├╝r wollte man keine anzeige machen. eingesch├╝chtert und mangels erfahrung..er ist 21 jahre gewesen zu der zeit..schrieb er diese k├╝ndigung.drei tage vor heiligabend. jetzt verlangt man von ihm weihnachts und urlaubsgeld zur├╝ck. im nachhinein erfuhren wir das die mitarbeiter (filialleiterin) ihm ├╝belst nachredet und kunden erz├Ąhlt ..die nach ihn fragten wo er ist..das er geklaut hat..das auf ├╝belste weise.

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