Bahn-Alternativen Billiger per Bus

Ein Gesetz aus der Nazizeit blockiert noch immer Fernbusse in Deutschland. Das will die neue Bundesregierung jetzt ändern. Und das könnte ein Problem für die Bahn werden. Oder doch nicht?

Autobahnexpress (Foto)
Der Anbieter Autobahnexpress hat es geschafft, trotz der strengen Gesetze in Deutschland eine Genehmigung für seine Fernbuslinie zu bekommen. Bild: dpa

Für kurze Strecken den Bus, für lange Strecken die Bahn. So steht es in
Deutschland im Gesetz geschrieben. Zwar stammt dieses Personenbeförderungsgesetz noch aus der NazizeitDas aktuelle Personenbeförderungsgesetzes stammt noch aus dem Jahr 1937. Im Paragraph 13 Absatz 2 steht geschrieben, dass Busunternehmen keine Fernverkehrslinien anbieten dürfen, die eine Konkurrenz zu bestehenden Verbindungen der Bahn bedeuten würden. , doch noch heute schützt es den Schienenverkehr vor Busbetrieben, die gern Fernstrecken anbieten würden.

Die Wettbewerbsblockade läuft wie folgt: In der Praxis müssen neue Anbieter ein Konzept bei der jeweiligen Genehmigungsbehörde einreichen, in dem sie begründen, wie sie die Verbindung zwischen zwei Orten verbessern wollen. Und dieses Konzept legt die Behörde der Bahn vor. Sie darf daraufhin entscheiden, ob sie selbst die Verbesserung vornimmt - das ist das sogenannte Vetorecht der Bahn. Und so ist der neue Wettbewerber meist ganz schnell aus dem Rennen.

Bahnalternativen: Mit dem Bus durch Deutschland

Nach diesem Verfahren wird in Deutschland seit Jahren Wettbewerb blockiert. Es existieren zwar Ausnahmeregelungen für Busverbindungen zwischen großen Städten, doch von einem entwickelten Fernbusnetz, wie es in vielen anderen europäischen Ländern normal ist, kann man in Deutschland nicht sprechen.

Nur Reisende aus dem Ausland dürfen aussteigen

Die Regeln sind so strikt, dass europäische Buslinien, die Deutschland queren und dabei mehrmals im Bundesgebiet anhalten, Fahrgäste nur grenzüberschreitend mitnehmen dürfen. Das bedeutet: Ein Fahrgast muss außerhalb Deutschlands einsteigen, um hier aussteigen zu dürfen. Und falls er in Deutschland zusteigt, darf er erst im Ausland wieder aussteigen.

Fernverkehr: Staus behindern schnelle Busse
Video: news.de

Kritik gegen dieses wettbewerbsfeindliche Gesetz ist nicht neu. Bereits im Jahr 2007 wurde eine Beschlussvorlage von der damaligen FDP-Opposition in den Bundestag eingereicht, ohne Erfolg. Doch jetzt hat es die Forderung einer Abschaffung des Vetorechts der Bahn sogar bis in den Koalitionsvertrag geschafft. Einen Zeitplan für dafür gibt es aber noch nicht.

Nach dem Willen des Internationalen Bustouristikverbandes kann die Gesetzesnovelle aber gar nicht schnell genug angegangen werden. Die Hoffnung auf eine baldige Gesetzesänderung sei groß und der Bedarf für Buslinien im Fernverkehr stark, sagt Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf auf news.de-Anfrage. «Ich rechne stark damit, dass viele Betriebe neue Strecken anbieten werden.»

Wo schon immer Fernbusse in Deutschland fahren

Vereinzelt werden in Deutschland auch heute schon Fernbusverbindungen angeboten. Dabei handelt es sich aber meist um Strecken, die zu Zeiten der Teilung Deutschland aufgrund der damals beschränkten Eisenbahnverbindungen zwischen West-Berlin und Westdeutschland entstanden sind. Sie stehen bis heute unter Bestandsschutz.

Befahren werden sie von der Berlin Linien Bus GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen, bei dem die Deutsche Bahn indirekt AnteilseignerAn Berlin Linien Bus ist die Bahn indirekt über seine Tochter BEX (Bayernexpress & P. Kühn GmbH) indirekt beteiligt. ist. Zwölf Busse fahren beispielsweise täglich zwischen Hamburg und Berlin, ebenso bietet das Unternehmen die Strecke München - Berlin oder Frankfurt am Main - Berlin an.

Lesen Sie auf Seite 2, wo es neue Anbieter gibt

Neue Strecken dürfen Bahn-Wettbewerber bisher nur zu Zeiten anbieten, zu denen es keine oder nur schlechte Eisenbahnverbindungen gibt. So darf die Deutsche<br> Touring die Strecke Mannheim bis Hamburg über Frankfurt am Main nur nachts befahren.

Es gibt jedoch erste Ausnahmen: Wer heute zwischen Dresden und Leipzig reisen will, muss nicht mehr für 20,80 EuroPreis für Regionalexpress, der ICE kostet 29 Euro. mit dem Zug fahren. Das Potsdamer Unternehmen Autobahnexpress bietet die Strecke seit Kurzem viermal pro Tag für 10,80 Euro an, ebenso wie Leipzig - Kassel für 24,40 Euro und Leipzig - Potsdam für 14,50 Euro. Die Verbingungen des Autobahnexpress seien zwar noch ausgelastet, doch in der Anfangsphase habe er ohnehin nicht mit vollen Bussen gerechnet, sagt Geschäftsführer Constantin Pitzen. Die Gewinnschwelle wolle er nach einem Jahr erreichen. «Die Kunden brauchen eine Weile, um ihr Verhalten zu ändern», so Pitzen.

Auf die Genehmigung der drei Linien musste der Geschäftsführer ein Jahr warten. In seinem Fall hatte die Bahn offenbar nichts dagegen. Seiner Einschätzung nach war die Bahn nur deshalb milde gestimmt, weil sie selbst das Angebot auf den Autobahnen ausweiten und mit der Genehmigung einer Protestwelle vorbeugen wolle.

Die Bahn ist bereits da

Denn einen ersten Schritt in Richtung Autobahn hat der Staatskonzern bereits getan. Neben seiner Beteiligung an der Berlin Linien Bus GmbH fährt der Staatsbetrieb mittlerweile auch unter eigener Flagge mit einem Expressbus durch Berg und Tal - und zwar zwischen Nürnberg und Prag. In einer Pressemitteilung wirbt die Deutsche Bahn übrigens dafür, dass die neue Busverbindung eine Stunde schneller sei als der Zug.

Außerdem ist die Bahn seit mehr als einem Jahr mit Bussen ihrer 100-prozentigen Tochtergesellschaft BEX Bayernexpress & P. Kühn GmbH zwischen Dresden und Berlin unterwegs - für fast ein Drittel des Zugpreises.

seh/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kamila Plogmann
  • Kommentar 1
  • 28.01.2012 21:44

Eine weitere Alternative günstig im Fernverkehr zu verreisen bietet www.haus-taxi.de an. Ähnlich wie bei den Mitfahrzentralen werden bei www.haus-taxi.de Sammeltaxifahrten innerhalb Deutschlands angeboten, sobald sich mehr als vier Personen mit der gleichen Reiserichtung finden. Die Preise liegen dabei ca. 25% unter den Normaltarifen eines ICE-Tickets. Allerdings etwas über den Preisen der Mitfahrzentralen. Dafür wird jeder Fahrgast zu Hause abgeholt und direkt zu seinem gewünschten Ort gebracht. Darüber hinaus bieten die Sammeltaxen mehr Sicherheit durch Fahrer mit Personenbeförderungsschein.

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