Erst verzweifelt, dann resigniert
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Von den news.de-Redakteuren Björn Menzel und Sebastian Haak
Artikel vom 25.11.2009
General Motors hat monatelang auf Zeit gespielt – und gewonnen. Darunter gelitten haben vor allem die Menschen. Dass es soweit kommen konnte, ist auch die Schuld der deutschen Politik. Eine Sammlung von Eindrücken.
Eisenach, Anfang März. Es werden Erinnerungen wach. Und zwar die guten. Zum Beispiel an den Mai 1998. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, besuchte das kleine Städtchen in Thüringen. General Motors hatte eine der modernsten Autofabriken vor die Tore der Stadt gesetzt und ließ Opel produzieren. Der Marktplatz war voller Menschen, Festlaune. Doch diese Zeiten sind in Eisenach längst vorbei. Dort regiert seit Monaten wenn schon nicht das Chaos, dann doch ein entfernter Verwandter: Die ständige Unsicherheit.
Wer die Stimmung in der Stadt begreifen möchte, muss sich mit einem Opel-Mitarbeiter wie Marko treffen. 36 Jahre alt, seit 14 Jahren bei Opel Eisenach, Automarke: Opel Vectra. «Ich war sehr stolz, bei Opel zu arbeiten», sagt er. Ob er es heute noch ist? «In den Medien wird ziemlich negativ berichtet.» Die Stimmung unter den 1700 Beschäftigten sei am Boden, genauso die Moral, sagt er. «Besonders die älteren Kollegen leiden unter dieser Situation.»
In Berlin, das über die Autobahnen 4 und 9 in etwa vier Stunden von Eisenach aus zu erreichen ist, sitzen jene, die einen großen Teil der Mitschuld an der Unsicherheit bei Opel tragen. Die deutsche Politik hat sich monatelang von General Motors hinhalten lassen. Immer wieder haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die damaligen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betont, wie eng die Abstimmungen zwischen den Regierungen in Washington und Berlin sei, wie sehr man an einem Strang ziehe und General Motors wie Opel gleichermaßen retten wolle.
Am Ende düpierten die Amerikaner Merkel (die sich justament in den USA aufhielt) und Guttenberg mit dem Rückzieher GMs beim Verkauf von Opel. Und das Ende dieser Demütigung ist noch nicht abzusehen. Schäumten die Fürsten der Bundesländer wenige Stunden nach dem Nichtverkauf vor Zorn und spuckten Galle, sind sie heute ganz zahm. Die Ministerpräsidenten der Länder sind es, die auch jetzt noch für Staatshilfe für General Motors bei der Sanierung von Opel plädieren, während in Berlin Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle einen aussichtslosen Kampf gegen neue Zahlungen führt. Am Ende wird er verlieren. Und General Motors alles gewonnen haben.
All das weiß man in Eisenach. Und diese Gefühle dürften sich mit der empfunden Unsicherheit zu etwas vermengen, das noch größer ist Verzweiflung: Resignation. Als vor drei Wochen die Meldung vom Nichtverkauf in die Thüringer Stadt kam, versammelten sich 500 Opelaner sofort zu einem Streik vor dem Werkstor. Sie standen herum und unterhielten sich. Aber nicht über GM oder Opel. Es war im Grunde alles gesagt.
Sie gehen mit der Situation, ihren Arbeitsplatz verlieren zu können, schon länger als ein Jahr um. Die ständige Unsicherheit hat sie taub gemacht. Der Betriebsrat Harald Lieske spricht von einem Lkw herunter. Er spricht davon, dass das Werk vor der Schließung steht. «Es war eine Entscheidung über alle Köpfe hinweg.» Er hätte auch sagen können: Leute, wir sind machtlos. Es geschehe, was geschehe. In Eisenach ist man so machtlos wie in Berlin.
ruk/reu/news.de
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vor zwanzig Jahren habe ich mal gelesen, "wenn die Chinesen einmal den gleichen Auto-standart haben wie wir Deutsche, dann gäbe es 720 000 000 ,in Worten Siebenhunderzwanzigmillionen Autos mehr auf dieser Welt.Also GM wo liegt das Problem? seht zu daß ihr eure Opels und euren Amerikanischen Schrott in China absetzen könnt, dann braucht ihr auch kein Geld vom Staat dann läufts von allein. Etwas zynismus darf schon sein, oder kato.
jetzt antwortenKommentar meldenragnaroekr hat recht!das debakel war vorsehbar. in einem sind uns die amerikaner,politisch und wirtschaftlich voraus:im kosequentem durchboxen eigener intressen. hier haben wir zu viele der mitretter;provinzfürsten,gewerkschaftsfunktionäre bürgermeister,selbstgefällige wirtschaftsweisen usw. merke: viele köche verderben den brei!
jetzt antwortenKommentar melden... Fortsetzung. Wenn wenigstens noch Autos produziert werden, die eben auch Umweltbelange entsprechend berücksichtigen! Personelle Abbau in anderen Bereichen wird seit Jahren hingenommen. Telekom baut jährlich 10000 Stellen ab, Qeuelle gibt es nicht mehr, S-Bahn in Berlin steht seit Monaten nicht mehr komplett zur Verfügung, weil man erforderliche Reperaturwerke geschlossen hat. Das nehme ich der Regierung übel. Sie tut so alos wenn Sie den Menschen helfen will. Kann und will meines Erachtens dies auch nicht wirklich! Man bekommt dann keine Lobhuldigungen in Amerika!
jetzt antwortenKommentar meldenaus meiner Sicht gebe ich der Politik die Schuld an Versprechungen und Gehabe, wo Sie doch gar nichts zu sagen haben. Es liegt nicht in der Macht der deutschen Regierung irgendwelche Konzerne zu steuern. Die Regierung kann derzeit nur mit vollen Händen Steuergelder wegschmeissen. Nicht einnmal verbindliche zukunftsorientierte Vereinbarungen werden mit diesen Geldern verknüpft. Jüngste Beispiele "Abwrackprämie" und "Bankensanierungen". Auch der Automarkt setzt keinerlei Zeichen wie die Zukunft beseer gestaltet wird. Wer braucht diese Mengen von Autos?
jetzt antwortenKommentar meldenMan fragt sich schon, was derartige Artikel eigentlich bezwecken sollen. Wäre magna besser gewesen. Kann magna zaubern und sanieren ohne Abbau von Überkapazitäten. Warum soll Magna Milliarden an Staatshilfen für einen Technologietransfer nach Russland bekommen und GM nichts. Das scheint doch bei Lichte besehen mehr als blauäugig. Die Erfolgsaussichten einer Sanierung sollten ohne Ansehen des Sanierers geprüft werden. Besteht Ausicht auf Erfolg, kann man über eine Sanierungsbeihilfe reden. Sonst nicht. Warum hier die Politk Schuld tragen soll, weiß wahrscheinoich ganz allein die IG-Metall.
jetzt antwortenKommentar meldenDie weinerliche Stimmung bei den Opelanern ist typisch deutsch.Das deutsche Dilemma beschreibt der Kommentar zutreffend: Entscheidungsunfähigkeit,Beamtenmentalität u. Risikoscheue.Alles zusammen:unfähig zur Analyse u.zur Bestimmung einer Strategie.Schon allein die Behauptung,GM hätte auf Zeit gespielt und gewonnen,ist management by out. Unsere Politiker haben sich verrannt! Plan- und ziellose Aktionen, wie zu Zeiten Schröders mit Holtzmann, sind die Symptome deutscher Selbstmordabsichten. Wie oft die Karre an die Wand gefahren werden muss, ist eine Frage des politischen Zerstörungswillens.
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