Mi., 08.02.12

Sozialmarketing Shoppen für einen guten Zweck

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 29.11.2009

Konzerne schmücken ihre Verpackungen mit Logos von Hilfsorganisationen, um ihr Image aufzubessern. Da auch die Organisationen eine weitere Einnahmequelle haben, ist es offenbar ein Gewinn für beide Seiten. Doch diese Kooperationen haben Kehrseiten.

Wer heutzutage spendet, braucht nicht mehr zwangsläufig einen Überweisungszettel auszufüllen. Glaubt man den Kampagnen von Procter & Gamble, Volvic oder Krombacher, reicht es aus, kräftig einkaufen zu gehen.

Wer beispielsweise derzeit eine Windelpackung von Pampers kauft, finanziert damit eine Tetanusimpfung in Afrika oder Asien. Procter & Gamble, der Konzern hinter Pampers, kooperiert bei dieser Aktion schon länger mit der Hilfsorganisation Unicef. Seit dem Start der KampagneDie Kampagne wurde im Jahr 2006 in Großbritannien gestartet und anschließend in der ganzen Welt umgesetzt. sind weltweit mehr als 200 Millionen Impfdosen gegen Tetanus gespendet wurden, aus Deutschland sind es 13,1 Millionen.

Für Unicef ist die Zusammenarbeit mit Procter & Gamble kein Einzelfall. Auch mit anderen Markenanbietern wie dem französischen Konzern Danone und dessen Marke Volvic organisiert die Hilfsorganisation ähnliche Projekte. «Kooperationen mit Firmen sind für Unicef eine wichtige Ergänzung unserer Arbeit - zum einen durch die Einnahmen, die Unicef so von den Unternehmenspartnern für seine Hilfsprojekte erhält, zum anderen auch dadurch, dass Unicef-Hilfsprojekte bekannter gemacht werden und Unicef dadurch auch mehr direkte Spenden von Kunden für die beworbenen Projekte erhält», erklärt Pressesprecherin Kristina Müller auf news.de-Anfrage.

Müller betont, dass auch die Unternehmen einiges von der Zusammenarbeit haben: «Unternehmen können mit einer Partnerschaft mit Unicef ihr soziales Engagement öffentlich darstellen. Dabei wählen sie gezielt Projekte aus, die zum Unternehmensziel passen», sagt sie. Demnach nutzen die Konzerne die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen vor allem zur Imagepflege.

Und das dürfte sich auch auf die Umsätze niederschlagen, wie die Fachzeitschrift Capital bei einem vergleichbaren Projekt festgestellt hat. Demnach ist der Umsatz von Krombacher bereits im ersten Jahr der gemeinsamen Kampagne mit dem WWFIn den Jahren 2002 bis 2008 warb die Brauerei Krombacher damit, dass beim Kauf eines Bierkastens ein Quadratmeter Regenwald geschützt wird. um 6,3 Prozent gestiegen. Der Marktanteil sei innerhalb der knapp sechsjährigen Dauer der Aktion um ein Viertel gestiegen.

Das Problem dieser Kooperationen mit Unternehmen

Wieviel Prozent des Verkaufspreises eines Kastens Bier die Brauerei dem Regenwaldprojekt des WWF wirklich zukommen ließ, verschweigt Krombacher. Laut Berechnungen von Capital sind das bloß vier Cent gewesen.

Und genau darin liegt das Problem. Der Kunde glaubt, bereits mit dem Kauf von Alltagsprodukten eine gute Tat zu vollbringen. Kürzt derjenige dadurch aber bei seinen Spendenausgaben in dem Glauben, er habe ja bereits etwas getan, dann dürften die Kampagnen für die Hilfsorganisationen eher kontraproduktiv sein. Dazu hat Capital folgende Rechnung parat: «Wer dem WWF zehn Euro direkt gespendet habe, hätte sich den Konsum von 250 Kästen Bier ersparen können.»

Finanziell abhängig sind die Hilfsorganisationen von den Konzernen bisher nicht. Bei Unicef machen die Marketingaktionen im Jahr 2007 eine Million Euro aus, die Firmenkooperationen insgesamt 7,4 Millionen. Das sind nur zehn Prozent der Fundraising-Einnahmen. Beim WWF stammen 6,6 Prozent aus dieser Quelle.

Der Geschäftsführer des deutschen Fundraising Verbandes, Peter Leetz, rechnet derartigen Verkaufskooperationen ebenso nicht allzuviel Bedeutung zu. «Das ist monetär nicht von Bedeutung», sagte er auf news.de-Anfrage.

Leetz weißt gleichzeitig auf die Nachteile der Kooperation von Unternehmen und Hilfsorganisationen hin. Wenn der Konzern negativ in die Schlagzeilen kommt, leide auch der Ruf der Organisation. «Und dann ist es ein Problem der Glaubwürdigkeit.»

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