So., 12.02.12

Datenschutz Der blutige Weg zum Job

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 24.11.2009

Gib mir dein Blut, und ich sage dir, ob du für diesen Job gemacht bist. Was klingt, als würde Graf Dracula das Bewerbungsverfahren leiten, ist nicht ungewöhnlich: Bluttests sind in mehr Unternehmen Normalität, als man glauben möchte.

Vor etwas mehr als drei Wochen gab es noch einen riesigen Aufschrei, als Journalisten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) aufdeckten, dass der Autobauer Daimler von seinen Bewerbern Blut verlangt. Wenige Tage nach der Ausstrahlung des Berichts stellte sich dann auch noch heraus: Auch der NDR zapft Blut von seinen Bewerbern.

Damit war der Damm gebrochen - und ein Unternehmen nach dem anderen musste Bluttests in den Bewerbungsverfahren zugeben. Als Begründungen gab es die verschiedensten Versionen zu hören:

Der Autobauer Daimler begründete das Vorgehen mit den Worten: «Bei den Einstelluntersuchungen wird ärztlich untersucht, ob der Bewerber bei Übernahme der Stelle individuellen körperlichen Risiken ausgesetzt wäre. Das ist ein durchaus üblicher Prozess – nicht nur bei Daimler, auch bei anderen Unternehmen», so der leitende Arzt des Konzerns, Dr. Helmut Schmidt

Beim NDR hieß es, es werde geschaut, «ob ein einzustellender Mitarbeiter die vorgesehene Wochenarbeitszeit wird bewältigen können». Ähnlich beim WDR, dort sagte ein Sprecher, man wolle durch den Test «Aufschluss über Schichttauglichkeit, Suchtverhalten oder chronische Erkrankungen» bekommen.

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf will nach eigenen Angaben sicherstellen, dass die «Leistungsfähigkeit der Beschäftigten den Anforderungen ihrer Arbeit entspricht». Und RWE, Thyssen-Krupp und Bayer behaupten, bei Neueinstellungen auf illegale Drogen zu testen.

Die Unternehmen betonen stets, dass die Bluttests nicht Pflicht seien. In den Worten des Daimler-Arztes, Helmut Schmidt: «Diese Blutuntersuchungen sind freiwillig – außer es liegen gesetzliche Vorschriften vor. Gibt ein Bewerber die schriftliche Einwilligungserklärung nicht ab, ist dies jedoch kein Grund, ihn nicht einzustellen.»

Wie sieht es in der Praxis aus?

Ob das in der Praxis wirklich so zutrifft, kann man glauben, oder nicht. Arbeitsrechtler betonen jedenfalls, dass Jobsuchende solche Bluttests kaum ablehnen könnten. Ansonsten müssten sie befürchten, aus dem Bewerbungsverfahren ausgeschlossen zu werden. «Bei Daimler gibt es eine Betriebsvereinbarung, die ausdrücklich vorsieht, dass ein Bewerber, der die Untersuchung ablehnt, nicht eingestellt werden muss», sagt beispielsweise Fachanwalt Michael Felser aus Brühl bei Köln.

Unzulässig sind die Tests übrigens nicht, soweit es sich um Gesundheitschecks bei Bewerbern handelt, die auch tatsächlich eingestellt werden sollen. Entscheidend ist aber, wie weit die Untersuchungen gehen: «Unzulässig sind in jedem Fall die Untersuchung des Blutes auf Schwangerschaft, AIDS, Drogen- und Alkoholkonsum oder genetische Auffälligkeiten», so Felser.

Wichtig sei ferner, wer innerhalb eines Unternehmens Zugriff auf die Ergebnisse des Bluttests hat. Laut Daimler sollen das nur die Betriebsärzte und deren Mitarbeiter gewesen sein: «Der Werksärztliche Dienst informiert den Personalbereich, der für den Einstellprozess an sich verantwortlich ist, darüber, ob der Bewerber für die Stelle, auf die er sich beworben hat, geeignet ist. Die konkreten Untersuchungsergebnisse verbleiben jedoch beim Werksärztlichen Dienst, der selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt», heißt es in einer entsprechenden Erklärung.

Doch der NDR-Bericht offenbarte eine andere Realität. Demnach wurde der Autobauer bereits mehrfach von Datenschützern gerügt, weil selbst Führungskräfte, denen die betroffenen Mitarbeiter nicht unterstanden, problemlos Zugang zu Mitarbeiterdaten und Angaben über ihren Gesundheitszustand hatten. Damit hätten sie keine Probleme gehabt, auch an die Ergebnisse der Bluttests zu gelangen.

seh/reu/news.de
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Datenschutz: Der blutige Weg zum Job » Wirtschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (11)
  • Kommentar: 11
  • 25.11.2009 19:45
von
fabrese

Na klar, wenn man als Unwissender einen Halm braucht, um sein vermeintlich festes Weltgefüge nicht zum Einstürzen zu bringen, dann will man sein eigenes Nest, die Bundesrepublik, nicht beschmutzt wissen, denn es gibt ja immer die anderen vermeintlich Schlechteren als Vergleich. Nein, wacht endlich auf! Das war hier noch nie anders! Datenschutz, Menschenwürde, Freiheit, Nächstenliebe, Menschlichkeit werden mit Füßen getreten. Ach ja, da ist die Pressefreiheit, für die sich aber keiner interessiert. Das Vorgekaute wird geschluckt und wertlos wieder ausgeschi...ich wundere mich hier über garnichts mehr.

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  • Kommentar: 10
  • 25.11.2009 16:48
von
ragnaroekr

Ich halte es zwar für verblödet, dauernd Westerwelle oder irgend einen Politheini als Sündenbock zu benennen,sage dies jedoch nicht. Um was geht es bei diesem Thema wirklich:Um die jahrelang gewachsene Verachtung der arbeitenden Bevölkerung durch die Politik u.d.Funktionären. Begonnen hat dies durch Schutzgedanken.Dieser hat den Arbeitnehmer vertragsunfähig gemacht. Der Spass an der Arbeit wurde dann jedem durch die Belastung versaut. Schließlich hat man bewiesen, dass Nichtarbeit sich lohnt. Pfui Teufel für die SPD, die CDU und die Gewerkschaft, den Schandflecken auf der Ressource Arbeit.

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  • Kommentar: 9
  • 24.11.2009 22:44
von
tomahawk
Antwort auf Kommentar 8

Habe ich doch schon vor Jahren gesagt. Wo die DDr herkommt, gehen wir hin. Es wird noch schlimmer kommen. Kann durchaus sein das irgend ein Bewerber einen Vertrag zur Organspende unterschreiben muß. Nutürlich "Freiwillig". Diese Gesellschaft wird jedenfalls immer perverser.

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  • Kommentar: 8
  • 24.11.2009 22:28
von
Arme Sau

Nach all dem was zwischenzeitlich abläuft, habe ich das Gefühl, daß nicht die BRD die DDR übernommen hat, sondern die DDR die BRD übernahm! - Wahrheiten dürfen nicht mehr ausgesprochen oder geschrieben werden. Ich gehe mal davon aus, daß die Bluttests bestimmt nicht bei denen in der Vorstandsetage und bei den (Top-) Managern vorgenommen wird.

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  • Kommentar: 7
  • 24.11.2009 22:04
von
kato
Antwort auf Kommentar 4

Wer nichts zu verbergen hat??? Was ist denn das für ein Unsinn. Wissen sie denn welche Tierchen sie mittlerweile füttern und wann diese auf einen Index "für Arbeit nicht zu gebrauchen" kommen? Es ist fatal, wenn der Datenschutz null und nichtig wird. Bekanntwerden von Verletzungen der ärztlichen Schweigepflicht, sollte meines Erachtens umgehend zu Anzeige und ggf Entziehung der Approbation führen! In den Artikeln und skandälchen fehlen mir sowieso immer die strafrechtlichen Maßnahmen, oder ist jetzt alles erlaubt?

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  • Kommentar: 6
  • 24.11.2009 17:18
von
Kaktus

HURRA, es geht aufwärts, sagen Merkel, Westerwelle, Seehofer und alle Wirtschaftsexperten.Bloß, womit? Ach ja, Blutsaugen, Daten sammeln, Arbeiter ausspionieren, bescheißen (Entschuldigung), Schmirgelder zahlen usw. Je größer der Konzern, je größer der Drang der Teppichetage, den Arbeiter noch mehr zu unterdrücken. Wie lange läßt der deutsche Michel sich das noch gefallen? Die drei oben genannten stelle ich mir wie die drei Affen (nichts hören, nichts sehen, nichts sagen) vor. Na gut, ein junger Hund lernt auch schnell, die Hand, die mich füttert, darf ich nicht beißen. ARMES DEUTSCHLAND!

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  • Kommentar: 5
  • 24.11.2009 15:32
von
ebner elfriede

ich glaube dass arbeit und arbeitswille nichts mit dem blut zu tun haben die glauben sie können damit jedes risiko ausschalten ich denke wenn der mitarbeiter so behandelt wird wie der chef behandelt werden möchte dann hat jeder betrieb gute leute

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  • Kommentar: 4
  • 24.11.2009 14:20
von
Anneliese

Ja ja der "Gläserne Mensch" beginnt! Aber wer nichts zu verbergen hat, bräuchte auch nichts zu fürchten. Ich würde eher bevorzugen, bei der Berufseinstellung wichtige Befunde wie Blutzucker, oder in Gastro-Berufen infektiöse Gefahren wie z.Bsp. Hep.C etc. zu verlangen. Ist interessant wie das weitergeht.

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  • Kommentar: 3
  • 24.11.2009 14:14
von
Petra

Unmöglich,unmenschlich,sollte meine 17 jährige Tochter bei der DB auch machen,ging um Ausbildungsplatz Bürokommunikation,gesagt wurde ,Drogentest ist wichtig,kommt nach Ablehnung nicht mehr ins Auswahlverfahren.Wer ordent eigentlich diesen Schwachsinn,Verleumdung usw.inbegriffen an?Ich glaube nicht,das irgendein Vorstandsvorsitzender oder Personalchef Bluttests machen mußte!Da würde es sich sicher lohnen,Datenschutz exiestiert wahrscheinlich nur auf dem Papier,warum gibt es keine Bauchemtscheidungen mehr,nach Gespräch,>Test+Zeugnissen?wird noch ein großes Problem!

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  • Kommentar: 2
  • 24.11.2009 13:55
von
Eva

Ich möchte nur wissen, warum alles mit der Stasizeit verglichen wird. Das was hier abläuft sind doch eher Ableger der Nazizeit oder? So etwas wurden doch in den KZ´s mit den Häftlingen vollführt.

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  • Kommentar: 1
  • 24.11.2009 13:35
von
Christine Staffler

Christine Ich finde es abartig was da abläuft und absolut untragbar. Ich habe zwar die Stasizeit nicht erlebt, aber ich denke diese Art von Kontrollfunktionen, Bespitzelung und Überprüfung geht in diese Richtung. Armes Deutschland!!!!

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