Strompreis Saubere Energie belastet Verbraucher

Strom wird 2010 vielerorts teurer. Schuld daran sind ausgerechnet die erneuerbaren Energien, denn die Versorger legen die Zuschüsse für das Gesetz zu erneuerbaren Energien auf die Verbraucher um.

Stromzähler (Foto)
Vielerorts steigt 2010 der Strompreis. Bild: dpa

Viele lokale und regionale Stromanbieter ziehen die Preisschraube zum Jahreswechsel an. So bekommen etwa die rund 80.000 Kunden der Stadtwerke Leipzig zurzeit Post ins Haus, denn der Energieversorger steigert seinen Strompreis um 5,6 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt in der sächsischen Großstadt bedeutet das Mehrkosten von knapp 30 Euro im Jahr.

Eine Preisgarantie gibt es nur, wenn die Kunden aus der sogenannten Grundversorgung in einen anderen Tarif wechseln. Das Beispiel Leipzig werde kein Einzelfall bleiben, glaubt Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet die Stromanbieter, Ökostrom in ihr Netz einzuspeisen und diesen entsprechend zu vergüten. Damit sich die sauberen Energien am Markt etablieren können, ist die Zahlung in den ersten Jahren entsprechend hoch. Und die Differenz zum Marktpreis geben die Konzerne an die Kunden weiter. Das Verfahren sei bereits länger bekannt, meint Roland Pause. «Ich rechne damit, dass andere Anbieter nachziehen. Die Preise werden sicher steigen.»

Zukunft der Energie: Umweltschutz oder Umweltschmutz

Neben Sachsen wurden bereits in Nordrhein-Westfalen von einigen Stadtwerken Preiserhöhungen angekündigt, und von den vier großen Energiekonzernen in Deutschland hat Energie Baden-Württemberg (EnBW) im Juli dieses Jahres die Gebühren für die Grundversorgung angehoben. Zum Jahreswechsel erfolgt nun noch ein Zuschlag von 7,5 Prozent auf die Individualtarife für Konzernkunden.

Vorsicht vor Kündigungsfristen

Selbst wenn keine Preiserhöhung ins Haus steht, rät der sächsische Energieexperte, die Stromrechnung genau zu prüfen. Viele Kunden seien noch in der Grundversorgung eingeordnet, ein mitunter recht teurer Tarif. Viele Stromanbieter böten individuelle Tarife mit Laufzeit an, meist viel günstiger als die Grundtarife. «Es lohnt sich, zuerst einmal beim lokalen Anbieter nachzusehen», rät Roland Pause.

Wer lieber komplett den Anbieter wechseln möchte, dem empfiehlt Pause einen Preisvergleich im Internet oder eine Beratung bei der Verbraucherzentrale. Grundsätzlich sollten keine Verträge mit einer Laufzeit länger als ein Jahr geschlossen werden, Vorsicht sei zudem bei den Kündigungsfristen geboten. Von Verträgen mit Vorausszahlungen gerade bei kleineren Anbietern sollten die Kunden lieber die Finger lassen. «Wenn der Anbieter insolvent wird, dann steht der Endkunde ganz hinten in der Reihe der Gläubiger», mahnt Pause.

Ob und wie die Versorger nun die Preissteigerung umsetzen, sei wegen der nicht vorhanden Transparenz der Preisbildung kaum nachvollziehbar, bemängelt der Verbraucherschützer. Es sei durchaus möglich, dass die Versorger die Preiserhöhung schon längst anderweitig an den Kunden weitergereicht hätten.

Lesen Sie auf Seite 2, was die erneuerbaren Energien derzeit bringen

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz der Bundesregierung soll in erster Linie nicht die Preise erhöhen, sondern der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern entgegenwirken. Deshalb trat Anfang des Jahres ein zweites Gesetz, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEW), in Kraft. Damit würde die finanzielle Förderung auch auf Wärmeenergieanlagen, die etwa Biomasse, Geothermik oder Kraft-Wärme-Kopplungen nutzten, ausgeweitet. Die Verbraucherzentrale steht trotz mancher Preissteigerungen hinter diesen Maßnahmen «denn die erneuerbaren Energien sind die einzigen, die künftig in unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen», sagt Verbraucherschützer Roland Pause.

Dem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur ist zu entnehmen, dass im Abrechnungsjahr 2007 dem Stromnetz 30.000 Megawatt aus erneuerbaren Energien zugeführt wurden. Spitzenreiter sind dabei die Bundesländer mit Küstenstreifen, die einen Großteil durch Windkraftanlagen erzeugen. Der Süden setzt eher auf Solarenergie, in Bayern werden 50 Prozent der eingespeisten Leistung durch die Sonne erzeugt, in Baden-Württemberg sind es 44 Prozent. Insgesamt sehen EEG und EEW bis ins Jahr 2020 die Verdopplung des Anteils an erneuerbaren Energien bei Strom und Wärmeenergie vor.

iwi/reu/news.de

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