Auf zu neuem Denken
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Von news.de-Redakteur Sebastian Haak
Artikel vom 10.11.2009
Ist die Krise zu Ende, wenn es wieder Wachstum gibt? Die Frage möchte man im ersten Moment mit einem neoliberalen «Ja» beantworten. Trotzdem, die Welt nach der Krise wird eine andere sein. Zeit, darüber nachzudenken, was eigentlich passiert ist.
Krise mit dem Ausbleiben von Wachstum gleichzusetzen – das offenbart eine rein ökonomische Sichtweise auf die Ausgangsfrage. Eine, die all den Propheten eigen ist, die nur auf die Statistiken zur Exportentwicklung, zu Absatz- und Produktionszahlen oder Währungsschwankungen schielen. Neoliberal mag man diesen Standpunkt nennen. Und das nicht mal völlig unzutreffend, ohne es als Schimpfwort zu gebrauchen. Die Denke: Geht es der Wirtschaft gut, geht es allen gut.
Allerdings - und das übersieht so mancher (Neo-)Liberale - ist diese Krise nicht nur eine Krise der Wirtschaft. Die Wirtschaftskrise ist so tiefgreifend, dass sie auch eine Krise des menschlichen Verstandes – Woran wir jahrzehntelang geglaubt haben, soll nicht mehr gelten? – und vor allem eine Krise des Sozialen ist.
Und hier liegt der Denkfehler. Vom Ende der Krise zu sprechen, impliziert, dass danach alles wieder so sein wird wie vorher. Das ist aber falsch. Die Welt nach der Krise wird eine andere sein als die Welt davor. Wirtschaftswachstum kann die Krise nicht beenden.
Die Krise hat vieles beschleunig; entschleunigt
So plötzlich die Mentalitätskrise auch über viele Menschen kam, so sehr hat sich die soziale Schieflage schon in den Jahren vor der Krise angedeutet. Die Krise ist nicht der Auslöser für viele der Umbrüche, die uns in den kommenden Jahrzehnten bevorstehen.
Der wirtschaftliche Abwärtstrend hat hier lediglich vorhandene Tendenzen verstärkt, wie der Sozialwissenschaftler Professor Ronald Lutz von der Fachhochschule Erfurt, bereits im April ausgeführt hat. Dramatisch werden diese Umbrüche, weil sie vieles so beschleunigt haben, dass den betroffenen Gesellschaften keine Zeit zum Reagieren bleibt. Alle Maßnahmen der Politik zum Eindämmen der Krise waren Reaktionen, mehr nicht.
Die Folgen, die Lutz zusammentrug, wirken beängstigend: Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt an Einfluss verlieren, weil die Konjunkturpakete vor allem klassische Männerbranchen wie den Bau fördern. Eine höhere Arbeitslosigkeit wird die Sozialsysteme ins Wanken bringen und bedeutet für die Menschen schließlich geringere Rentenansprüche. Die Gruppe der Aus-Der-Gesellschaft-Ausgegrenzten nimmt damit weiter zu, wenn der ökonomische Erfolg das Maßstab für gesellschaftliche Anerkennung bleibt.
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung gibt Lutz noch in einem anderen Punkt Recht. Nach den Zahlen der Forscher sind vor allem Geringverdiener, Ältere und Jugendliche sowie Zeitarbeiter die Hauptleidtragenden der Wirtschaftskrise. Sie bekommen nach den Erkenntnissen der Forscher immer weniger für ihre Arbeit – ein Trend, der sich dadurch verschärft, dass in Folge der Agenda 2010 immer mehr Arbeitsplätze im Bereich dieser sogenannten prekären Beschäftigung entstanden sind. Und dann auch noch die Krise... Die Spirale von Krise, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung dreht sich immer schneller. Abwärts.
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"Ist die Krise zu Ende, wenn es wieder Wachstum gibt?" "Mit einem Wachstum welches die Bundesregierung herbeiführen könnte ist die Krise keinesfalls zuende, da man ein viel höheres benötigen würde."
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