Eon verkauft sein Stromnetz Deutsch-holländische Spannungen

Deutsch-holländische Spannungen (Foto)
Die dunklen Wolken verziehen sich: E.ON verkauf sein Höchstspannungsnetz und entgeht damit Wettbewebs-Sanktionen durch die EU. Bild: dpa

Glück gehabt: Der Energieriese Eon entgeht durch den Verkauf einer Kartellstrafe durch die EU. Neuer Besitzer der Leitungen ist der staatliche niederländische Netzbetreiber Tennet. Verbraucher können sich nun Hoffnung auf sinkende Strompreise machen.

Eon hat als erster deutscher Energiekonzern sein Höchstspannungsnetz verkauft. Der Versorger veräußert seine 11.000 Kilometer langen Stromautobahnen für 1,1 Milliarden Euro an Tennet. Eon entgeht mit der Bildung des ersten grenzüberschreitenden Übertragungsnetzes in Europa einer drohenden Kartellstrafe der EU-Kommission.

Der größte deutsche Energiekonzern hatte den Verkauf seines Netzes sowie die Abgabe großer Kraftwerkskapazitäten bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Im Gegenzug stellten die Brüsseler Wettbewerbshüter ihre Ermittlungen gegen die Elektrizitätssparte von Eon ein. Sie hatten den Energieriesen im Verdacht, die Strompreise in Deutschland durch Ausnutzung seiner Marktmacht in die Höhe getrieben zu haben.

Die gegenüber der EU abgegebene Verpflichtungen seien nun nahezu erfüllt, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. Tennet soll bis zum 31. Dezember alle Anteile der Eon-Tochtergesellschaft Transpower übernehmen, die mit rund 650 Mitarbeitern das Höchstspannungsnetz betreibt. Die regionalen Verteilernetze in Deutschland sind nicht betroffen und sollen weiter Bestandteil des Infrastrukturgeschäfts von Eon Energie München bleiben. Sie bilden den weitaus größten Teil des Eon-Netzgeschäftes.

Deal unter Vorbehalt der Kartellbehörden

Der endgültige Kaufpreis wird den Angaben zufolge zum Stichtag 31. Dezember festgelegt. Mit dem Abschluss des Geschäfts, das noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden steht, rechnet Eon Anfang den nächsten Jahres.

Für die Verbraucher könnte der Netzverkauf, der in der Branche lange als Tabuthema galt, ein wichtiger Schritt zu sinkenden Strompreisen sein. Die Tatsache, dass sich Stromnetze und Kraftwerke in einer Hand befinden, gilt als eines der größten Wettbewerbshindernisse auf dem deutschen Strommarkt.

Zwar seien keine plötzlichen Strompreissenkungen zu erwarten, aber langfristig doch zumindest eine Preisstabilisierung, sagte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Mit der Zusammenführung der Netze von Tennet und Transpower sei die erste strukturelle Weichenstellung für einen funktionierenden europäischen Strommarkt erfolgt. Damit könne eine ganz neue Dynamik entstehen. Durch die Integration von Netzen könnte die Nachfrage von Angebot und Nachfrage besser ausgeglichen und Kraftwerkskapazitäten könnten optimiert werden.

Neben Eon will auch der Energiekonzern Vattenfall den Verkauf seines rund 9500 Kilometer langen Stromnetzes bis Jahresende abgeschlossen haben. Laut Konzernsprecher Stefan Müller gibt es nur noch einen Bieter. Medienberichten zufolge soll ein Konsortium um die Deutsche Bank, Allianz und Goldman Sachs vor dem Kauf des deutschen Höchstspannungsnetzes von Vattenfall stehen. Damit dürfte die Gründung einer von der Bundesregierung angestrebten «Deutschen Netz AG», in der die Stromautobahnen gebündelt werden sollten, endgültig vom Tisch sein. Die anderen beiden Netzbetreiber, RWE und EnBW, lehnten einen Verkauf ihrer Übertragungsleitungen bislang ohnehin ab.

sgo/ruk/news.de/ap

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