Mehr Eigenständigkeit Henderson umgarnt Opelaner

US Germany GM Opel (Foto)
Fritz Henderson hat den Opelanern ein Friedensangebot gemacht. Bild: ap

GM-Boss Fritz Henderson hat den Opelanern die Friedenspfeife gereicht. Er versprach dem Betriebsrat, Opel unabhängiger von General Motors zu führen als bisher. Als Interims-Chef ist ab sofort Nick Reilly für Opel verantwortlich.

Der Chef der US-Mutter General Motors (GM), Fritz Henderson, hat Opel nach Betriebsratsangaben mehr Eigenständigkeit versprochen. «Fritz Henderson bekräftigte, dass Opel in Europa wieder zu alter Stärke geführt werden solle, mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit und Eigenständigkeit innerhalb des GM-Konzerns», teilte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nach Gesprächen mit Henderson mit.

Neuer Chef des Autobauers Opel ist ab sofort GM-Manager Nick Reilly. Der 59 Jahre alte Brite soll das GM-Europageschäft aber nur vorrübergehend leiten, bis eine langfristige Lösung gefunden wird, teilte das Unternehmen in Detroit mit. Gleichzeitig habe die externe Suche nach einem neuen Opel-Chef begonnen. GM will ein europäisches Führungsteam einsetzen, an dessen Spitze nach Möglichkeit ein Deutscher stehen soll. Reilly ist bei GM für das internationale Geschäft verantwortlich.

Das Drama um Opel
Kehrtwende kurz vor dem Ziel

Als wichtiges Signal für den größeren Entscheidungsspielraum in Rüsselsheim verlangte Franz erneut die Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft: «Damit kann General Motors zeigen, ob die Eigenständigkeit von Opel ernst gemeint ist.»

Die Arbeitnehmervertretung erwarte nun einen umfassenden Unternehmensplan für Opel bis 2014 mit einem soliden Finanzierungskonzept. «Wir selbst haben in den vergangenen eineinhalb Jahren mit unseren Beratern einen solchen Plan erarbeitet. Wir wissen, wo die wichtigen Stellschrauben für eine erfolgreiche Zukunft von Opel sind», sagte Franz. Die Arbeitnehmervertreter würden den GM-Plan an diesen Vorgaben messen und dann entscheiden, ob die Belegschaft in weitere Verhandlungen einsteigt.

Magna und Sberbank mobilisieren ihre Anwälte

Der Betriebsrat hatte sich mit dem Anfang November überraschend abgewiesenen Investor Magna unter anderem auf einen Lohn- und Gehaltsverzicht der Belegschaft von 265 Millionen Euro geeinigt. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer zehn Prozent an Opel erhalten und weitergehende Mitbestimmungsrechte bekommen. Magna hatte auch zugesagt, alle deutschen Werke zu erhalten.

Magna-Chef Siegfried Wolf möchte derweil, dass General Motors die von Magna investierten Kosten für die geplatzte Übernahme der Rüsselsheimer ersetzt: «Es werden ja sehr viele Aufgaben weiter verwertet, da General Motors auf unserem Business-Plan aufbauen will», sagte der Firmenchef im österreichischen Rundfunk. Der gescheiterte Deal hat das Unternehmen laut Medienberichten an die 100 Millionen Dollar gekostet, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete.

Den mit Opel angepeilten Markt Russland möchte Wolf trotzdem nicht aus den Augen lassen: «Wir kämpfen, wir stellen uns weiter auf diese große Herausforderung ein.» Russland ist laut Wolf weiter ein wichtiger Expansionsmarkt.

Nach dem Platzen der Opel-Übernahme schließt auch Russlands größtes Geldhaus Sberbank Rechtsmittel gegen General Motors (GM) nicht aus. «Wir verhandeln mit GM und hoffen, dass der Streit außergerichtlich beigelegt wird», sagte Sberbank-Chef German Gref. «Im Notfall werden wir unsere Position im Gericht verteidigen», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Interfax. Der GM-Konzern habe die Änderung seiner Position nicht plausibel erläutern können. Zum Inhalt der Forderungen an GM machte Gref keine Angaben.

ruk/san/news.de/dpa/ap

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