Von der news.de-Redaktion - 09.11.2009, 14.27 Uhr

Fast Food weltweit: El Rapido und Mustamakkara

Die Schnellesser scheinen über die Gourmets gesiegt zu haben, zumindest zahlenmäßig. Aber jedes Land hat neben dem Hamburgerfeldzug der Burgerbrater seine eigene Fast-Food-Kultur. Die news.de-Redaktion hat für Sie zugebissen.

Spanisches Fast Food wie hier Tapas geht etwas langsamer vonstatten. Bild: ddp

Großbritannien

Teller? Das ist etwas für Weicheier, aber nicht für britische Fast-Food-Fans. Die essen ihr Nationalgericht Fish 'n' Chips eingewickelt in ein paar Seiten schnödem Zeitungspapier. Das ist Verpackung und leicht entsorgbares Geschirr in einem. Das Gericht besteht aus einem Stück paniertem und frittiertem Fisch und etwa ein paar Handvoll daumendicken Pommes Frites – den Chips.

Seltsame Gewürzmischungen, etwa mit Paprika, sind den Mitarbeitern des «local chippy» - dem Imbiss um die Ecke – völlig fremd. Stattdessen kommt auf die Chips nur ein bisschen Salz und einige großzügige Spritzer Malzessig. Das verwirrt den deutschen Fast-Food-Gaumen zwar vorerst, sorgen nach kurzer Gewöhnungsphase aber für einen ungewöhnlich unvernünftigen Suchtfaktor. Ketchup und Mayo haben dagegen nichts auf den britischen Chips zu suchen. Im Chippy gibt es außer mehreren Friteusen keine Küchengeräte. Selbst die gesund anmutenden vegetarischen Varianten von Würstchen und Burgern, die zur Grundausstattung eines jeden Chippys gehören, landen ausnahmslos im blubbernden Fett. Mindestgewichtszunahme während eines Auslandsjahrs: zehn Kilo.

FOTOS: Fastfood Pronto, rapido, fix

Überhaupt sind die Briten beim Essen große Fans vom schnellen Essen, so dass die Takeaway-Kultur (Essen zum Mitnehmen) sich kulinarisch auf der ganzen Insel durchgesetzt hat. Ob nun ein Kebap auf die Hand oder aber chinesisch oder indische Gerichte in der Aluschale – Hauptsache es geht schnell und unkompliziert.
Übrigens. Die Beliebtheit der Chips hat sich so sehr ausgebreitet, dass in Wales das indische Takeaway auch gerne als «half & half» bestellt wird. Mit je einer halben Portion Reis und Chips. (kat)

Kuba

Auch das sozialistische und von den USA abgeschottete Kuba kennt Fast Food. Allerdings ohne McDonald's, Burger King und Co. Die größte, einzige und staatliche Schnellimbiss-Kette heißt El Rapido. Das macht klar, wohin die Richtung geht: Schnelles Essen - allerdings nur in der Devisenwährung CUC. Mit den normalen kubanischen Peso kommt man im Rapido nicht weit.

Beim Angebot muss man leichte Abstriche machen: Es gibt zwar eine große Karte mit Sandwiches, Pizza und Huhn. Aber es ist nicht immer alles erhältlich. Dafür kommen die Filialen mit wenigen Kochgeräten aus. Es gibt einen Ofen, in dem die fertigen und verpackt angelieferten Pizzen genauso wie die Sandwiches (wahlweise mit Käse, Schinken oder beidem, garniert mit einem Klecks Ketchup in einem labbrig-großen Brötchen) aufgewärmt werden. Und eine Friteuse für Huhn und  Pommes. Dafür gibt es Cola, Bier und andere Getränke, auch bis spät in die Nacht. Die Preise sind auf europäischem Niveau: zwischen einem und zwei Dollar zahlt man für den schnellen Imbiss Made in Cuba. (jan)

Schweden

Den traditionell eher sozialdemokratischen Schweden kann das Essen auch nicht schnell genug gehen. In jeder mittelgroßen Stadt, in deutschen Verhältnissen als in jedem größeren Dorf, steht mindestens eine Burgerfiliale. Doch der echte Schwedenhappen ist die Korv - die Wurst. Die ist im Vergleich zur ausufernden Wurstkultur in Deutschland relativ einfach gehalten. Im Stil eines eher kleinen Wiener Würstchens wird sie einem in einem pappweichen Weizenbrötchen in die Hand gedrückt. Jeder Nachtshop, jede Tankstelle und einige Supermärkte haben sie, im Fußballstadion oder vor der Eishockeyhalle steht mit Sicherheit ein Grill, auf dem die Korv kurz warm gemacht wird.

Auch im Hausgebrauch ist das Essen häufig schon vorportioniert und muss nur noch erwärmt werden. So wird als Schnelles Essen sogenanntes Pytt i Panna (klein in der Pfanne) angeboten. In Würfelform geschnitten ist es eine Art Bauernfrühstück, mit abstrus hohem Fettgehalt, allein mit einem Spiegelei kann die Anmutung von Hausmannskost vorgaukeln. Und genau so schmeckt es dann auch - ein typisches Kerl-kann-nicht-kochen-und-hat-auch-keine-Zeit-Essen. (ruk)

Lesen Sie auf Seite 2, wo man schnell und traditionell Blutwurst isst

USA

BigMac und Whopper kann jeder, überall auf der Welt. Chipotle können nur die Amerikaner. Es ist natürlich kein Fast Food. Das Unternehmen, das mexikanische Gerichte – vom Burrito bis zum Taco – anbietet, brüstet sich damit, gutes Essen zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Und das Essen ist super. Je nach Geschmack kann sich der Kunde seinen Burrito individuell zusammenstellen: mit Reis, ohne Reis, Hühnchen oder Rindfleisch, scharfe oder milde Salsa, Käse oder Sour Creme.

Alle Zutaten, so verspricht es das Unternehmen, werden von ausgewählten Erzeugern geliefert. Getreu der Firmenphilosophie: «Essen mit Integrität». Damit lässt sich jeder Besuch bei Chipotle rechtfertigen. Schließlich bekommt man gute Zutaten und leckeres Essen, das gesund ist. Doch beim Blick auf die Nährwerte wird klar: Chipotle ist Fast Food, vielleicht nur etwas besser versteckt. Die versteckten Kalorien in einem Burrito mit Hähnchenfleich, Reis, Gemüse und Sour Creme: 875. (hav)

Spanien

Eigentlich essen Spanier nicht schnell. Sie reden viel und picken von verschiedenen Speisen auf dem Tisch, teilen, ditschen, kleckern, krümeln und trinken gern mittags schon Bier dazu. Und danach gibt’s ein Nickerchen. Aber selbst im südlichen Andalusien ist die lange Siesta nicht mehr heilig, denn das Leben rennt, und man braucht oft genug «rapido», etwas hinter die Kiemen. Deshalb ersetzen Bocadillos, die eigentlich als Wegzehrung beim Wochenendausflug dienen, inzwischen oft die traditionellen Eintöpfe aus Hülsenfrüchten. Bocadillo bedeutet «Bisschen», ist aber ein auf viele Bisse ausgerichtetes belegtes Baguette. Klassisch mit Jamón (Schinken), Chorizo (Paprikawurst), Queso (Käse), Atun (Thunfisch) oder Lomo (Lende).

Ebenfalls schnell verzehren lassen sich Tapas. Im Baskenland heißen sie Pintxos und bestehen aus einem Weißbrotscheibchen belebt mit Fleisch/Fisch/Käse/Gemüse. Die sind vorbereitet und daher tatsächlich ein schneller Snack. Tapa bedeutet übrigens Deckel: Die Brotscheibe diente ursprünglich als Bierdeckel auf dem Glas und wurde kostenlos dazu gereicht. Gratis bekommt man das Häppchen heute noch in manchen andalusischen Städten, zum Beispiel in Granada oder Almería. Hier allerdings ist die Tapa keine eigene Zubereitungsform, sondern schlicht eine Portionsgröße: Es gibt die Ration, die halbe Ration – und eben die kleine Tapa. Jede Bar hat jedoch ein paar fertige, oft kalte Gerichte in der Auslage, wie Kartoffelsalat, Fleischbällchen, eingelegte Fischchen oder Tortilla. Die bekommt man sofort rübergeschoben. Und auch Käse, Oliven oder Schinken sind schnell angerichtet. (iwi)

Finnland

Finnisches Essen ist nicht gerade berühmt für kulinarische Leckerbissen. Luftgetrocknetes Rentierfleisch, Salmiak oder eine schwarze Blutwurst, die hier Mustamakkara heißt, fallen einem als Extravaganzen ein, die in der Kälte des Nordens auf den Tisch kommen. Letzteres ist dann auch schon eine Art typisches Fast Food. «Ein Finne ist niemals zu satt, um nicht noch ein Stück Wurst zu essen», heißt ein finnisches Sprichwort sinngemäß. Neben der schwarzen, gibt es die helle. Eigentlich heißt Makkara übersetzt nur Wurst, aber wenn man in Finnland von «Makkara» spricht, weiß jeder, welche eigentlich gemeint. Bei keinem Grill- oder Volksfest, vor und nach der Sauna, vormittags, mittags, abends fehlt der bockwurstartige Schmaus. Deshalb wird sie auch als «Nationalgemüse» bezeichnet und Essen für Vegetarier, denn mitunter schmecken diese Würstchen aufgrund ihres hohen Nichtfleischanteils eher nach Mehl. Oder Pappe.

Keine Makkara gibt es jedoch in Finnlands eigener Fast-Food-Kette Hesburger, die im Mutterland mehr Filialen besitzt als McDonald's. Hier gibt es zwar auch wie im amerikanischen Pendant das immer gleich schmeckende Fleisch zwischen labbrigen Brötchenhälften, aber die Finnen wollen auch wenn's schnell gehen soll nicht auf Tradition verzichten. Und so wählt der finnische Fast-Food-Kenner lieber ein Stückchen vom Schwein mit Salat und der typischen Hesburger-Soße, die auch im Supermarkt verkauft wird, auf Roggenbrot. (iwe)

Deutschland

Nicht zuletzt in Deutschland aber kennt und schätzt man Fast Food - und das auch schon lange vor der Invasion durch die vielen anglo-amerikanischen Ketten. Wenn man es nicht so genau nimmt, ist auch die Thüringer Rostbratwurst ein schnelles Essen. Ganz sicher, wenn man sich all die Nahrungsmittel ansieht, die deutschlandweit so als Thüringer Rostbratwurst verkauft werden. Von der Ostsee bis an die Alpen gibt es Menschen zu bestaunen, die sich auf Schildern am Rost behaupten, «echte Thüringer» anzubieten. Was im Grünen Herz Deutschlands nicht als Snack für Zwischendurch gedacht ist, wird dort zum schnellen Essen. Nicht so sehr, weil sich dieses Bratkreationen wunderbar beim Gehen verzehren lassen. Wohl aber, weil sie über Elektrogrills in viel zu kurzer Zeit trocken gebraten werden und nicht von der Hitze eines echten Holzkohlefeuers geküsst werden. Und da hilft dann nur eines - schnell runter damit. (seh)

ruk/news.de

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