Deutscher Milliardär betrog Banken
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Deutschland hat seinen ersten Hedgefonds-Skandal: Ein Milliardär und Manager hat offenbar Banken um mehrere Hundert Millionen Euro geprellt. Jetzt wurde der mutmaßliche Millionenbetrüger gefasst.
Ein Hedgefonds-Gründer aus Aschaffenburg soll internationale Großbanken um etliche Millionen Euro gebracht haben. Der Schaden wird auf mehr als 200 Millionen Euro geschätzt.
Der 50 Jahre alte studierte Psychologe Helmut Kiener wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Würzburg am MIttwoch festgenommen. Er soll Banken wie Barclays und BNP Paribas betrogen haben und mit deren Geld unter anderem einen Helikopter, zwei Flugzeuge, Häuser in Florida und ein Grundstück in Aschaffenburg finanziert haben.
Die Millionen der Institute sollen weitgehend verloren sein. Der Manager sitzt derzeit wegen Untreue- und Betrugsverdachts in Untersuchungshaft. Die Anwälte des 50-Jährigen von der Münchner Kanzlei Lutz Libbertz kündigten an: «Wir werden Haftbeschwerde einlegen.»
Der Milliardär soll mit Barclays vor etwa fünf Jahren Kontakt aufgenommen haben. Das Geld der Bank habe der Mann ohne Wissen der Bank in verschiedene Fonds investiert, heißt es. Über ein kompliziertes Firmengeflecht sollen die Gelder zum Beispiel zum Kauf eines Flugzeuges genutzt worden sein. Dieses wollte der Beschuldigte offenbar an Geschäftskunden weitervermieten und es zugleich als Sicherheit für ein Darlehen bei einer anderen Bank nutzen.
Die Finanzaufsicht Bafin hat den Tatverdächtigen seit 2001 im Visier. Der 50-Jährige war damals unter anderem aufgefallen, weil er ohne Erlaubnis Gelder von Kunden einsammelte, verwaltete und anlegte - also eine Finanzportfolio-Verwaltung führte. Dies wurde ihm damals untersagt. Dem folgten weitere Verfahren, eines ist einem Bafin-Sprecher zufolge noch anhängig.
Ob auch deutsche Anleger von den angeblichen Machenschaften des Managers betroffen sind, war zunächst unklar. Am Mittwoch hatte die Polizei aufgrund mehrerer Anzeigen die Wohnung des zweifachen Familienvaters sowie weitere Objekte durchsucht. «Das ist ein laufendes Verfahren, das größerer Ermittlungen bedarf», sagte Würzburgs Leitender Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder. Die Beamten hätten etliche Dokumente mitgenommen, die nun geprüft werden müssten.
Der 50-Jährige betreibt mehrere Hedgefonds, die teilweise in der Karibik registriert sind. Hedgefonds sind besonders spekulative Fonds, die kurzfristig möglichst hohe Erträge erwirtschaften sollen. «Hedge» steht eigentlich für den Versuch, eine Investition gegen Risiken - wie etwa Kurseinbrüche oder Wechselkursveränderungen - abzusichern. Hedgefonds setzen auf die absolute Rendite unabhängig vom Marktumfeld.
ruk/iwi/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Nach dem wohl größten Insiderhandel-Skandal in der Geschichte der Wall Street sind laut US-Medien weitere mehr ...
Die einen verdienen Millionen, die anderen kommen gerade so über die Runden. Aufgabe der Politik mehr ...
Ein Spanier bringt die HSH Nordbank neuerlich ins Wanken. Von Geldwäsche ist die Rede - mehr ...