Mo., 13.02.12

Vermeintlicher Datenskandal Ging die Postbank schlampig mit Kundendaten um?

Artikel vom 26.10.2009

Datenskandal bei der Postbank: Externe Finanzberater konnten angeblich jahrelang nach Belieben die Kontodaten von Kunden durchleuchten. Offenbar waren auch die einzelnen Buchungen auf dem Konten einsehbar.

Die Postbank hat einem Bericht der Stiftung Warentest zufolge Millionen von Kontodaten an freie Handelsvertreter weitergegeben. Die Finanzberater hätten auch ohne Einwilligung der Kunden Einblick in Kontobewegungen nehmen können, teilte die Stiftung mit. Es gebe eine interne Dienstanweisung, wonach die Daten den rund 4000 freien Mitarbeitern der Postbank Finanzberatung AG bei der Arbeit helfen sollten.

Nach den Angaben von Stiftung Warentest können die freien Mitarbeiter auf eine Datenbank zugreifen, aus der nach der Eingabe des Namens und des Geburtsdatums eines Kunden die Kontodaten abrufbar sind. Eine Sprecherin der Stiftung sagte, mehrere Quellen hätten ihr die Existenz der Datenbank und den Zugriff der freien Mitarbeiter darauf bestätigt. Ihr lägen zudem zahlreiche Kontoauszüge von Prominenten vor. Den Angaben zufolge gibt die Postbank Finanzberatung AG ihren Mitarbeitern vor, die Informationen zwar zu nutzen, aber ihr Wissen im Kundengespräch vor den Inhabern geheim zu halten.

Die Postbank widersprach der Darstellung von Stiftung Warentest am Nachmittag - zumindest teilweise. Die Postbank Finanzberatung AG sei eine «Konzerngesellschaft der Deutschen Postbank», hieß es. Die Weitergabe der Daten bestritt die Postbank zwar nicht, sieht aber auch keinen Grund, dafür eine gesonderte Einwilligung der Kunden zu verlangen. «Die für die Gesellschaft tätigen mobilen Handelsvertreter treten ausschließlich im Namen und im Auftrag der Deutschen Postbank AG als Finanzberater auf», so ein Postsprecher. «Dafür ist keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich, da die Datenerhebung, Verarbeitung und Nutzung im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolgt.»

Datenschutzbehörde hat Gesprächstermin mit Postbank

Ob sich diese Rechtssicht durchsetzen wird? Die Sprecherin der Datenschutzbehörde von Nordrhein-Westfalen, Bettina Gayk, bestätigte jedenfalls, dass der Zugriff auf Kontodaten oder Kontobewegungen ohne Einwilligung des Kunden verboten ist. Aufgrund von Beschwerden einzelner Kunden habe die Behörde bereits vor Bekanntwerden des Berichts einen Termin mit der Postbank vereinbart. Die jüngsten Vorwürfe seien aber allein auf die Recherchen von Stiftung Warentest zurückzuführen. Die dargestellte Faktenlage könne sie weder bestätigen noch dementieren.

Sollten sich die Vorwürfe aber als wahr herausstellen, hat die Postbank ihren eigenen Datenschutzskandal. Die von Postbankkunden unterschriebenen Einwilligungserklärungen deckten jedenfalls den Zugriff von externen Beratern auf diese sensiblen Daten nicht ab, sagte Gayk news.de. Nun muss geklärt werden, ob die Mitarbeiter der Postbank Finanzberatung AG als externe Mitarbeiter gelten oder nicht.

Für eine Bewertung des Falls sei es noch zu früh, so Gayk weiter. Ob am Ende ein Bußgeld für die Postbank stehen könnte, ließ sie offen.

Bankkunden sei davon abzuraten, der Auswertung einzelner Überweisungen und Abbuchungen zuzustimmen, so Gayk. «Kontobewegungen im Bankverkehr auszuwerten, ist extrem heikel», sagte Gayk. Daraus lasse sich ein sehr detailreiches Profil eines Kunden erstellen.

mat/reu/seh/news.de/ap
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Vermeintlicher Datenskandal: Ging die Postbank schlampig mit Kundendaten um? » Wirtschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/wirtschaft/855030108/der-glaeserne-kunde-bei-der-postbank/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 27.10.2009 07:04
von
almunda

Ständig die große Schnauze über die menschenverachtende Ex-DDR Staasi, die wir dachten los zu sein, selbst aber keinen Ton besser.

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