Der, der selbst Entführer runterhandelt
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Von Berit Schmidt
Artikel vom 21.03.2010
Anton Schlecker ist ein typisch schwäbischer Unternehmer: Er besitzt Milliarden und lebt sein Leben zurückgezogen fernab des Rampenlichts. Er ist gelernter Metzgermeister. Ein Portrait.
Mit seinen Drogeriemärkten ist er omnipräsent, doch der Mensch Schlecker ist verschlossen. Der Unternehmer gibt so gut wie nie Interviews und lässt sich auch nicht gerne fotografieren. Dabei schaffte Schlecker den Aufstieg vom jüngsten Metzgermeister Deutschlands zum Eigentümer einer Drogerie-Kette mit Milliardenumsatz.
Mit 21 Jahren trat Schlecker 1965 in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein. Noch im gleichen Jahr errichtete er am Konzernsitz in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) das erste Selbstbedienungswarenhaus. Als die Preisbindung 1974 wegfiel, erkannte Schlecker die Chance von Discountmärkten. Und so eröffnete er 1975 in Kirchheim bei Stuttgart seinen ersten Drogeriemarkt.
Heute leitet er gemeinsam mit seiner Frau Christa einen Konzern mit rund 50.000 Mitarbeitern. Statistisch gesehen gibt es alle drei Kilometer einen Schlecker-Markt in Deutschland. Europaweit zählt der Konzern rund 14.000 Filialen. Mit seinen Schlecker-Märkten erzielten er im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,42 Milliarden Euro.
Das Imperium wackelt
Doch der Erfolg soll bröckeln. Zwar ist Schlecker noch immer Marktführer in Europa, gefolgt von dm Drogeriemarkt mit 4,71 Milliarden Euro Umsatz und Rossmann mit 3,85 Milliarden Euro Erlös. Doch nach einer Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Fachhochschule Koblenz befindet sich Schlecker seit Jahren im Sinkflug. Nach Gewerkschaftsangaben machte Schlecker im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland rund 52 Millionen Euro Verlust.
Der Grund: Der deutsche Drogeriemarkt ist hart umkämpft. dm Drogeriemarkt und Rossmann nehmen Schlecker seit Jahren in die Zange. Anton Schlecker versucht derzeit, sich dem Expansionsdruck durch die Konkurrenten mit neuen, größeren Filialen entgegenzustellen - und erntet dafür Kritik von der Gewerkschaft.
In den Augen der Gewerkschafter will Schlecker, dem immer wieder Knauserigkeit und Kontrolldrang vorgeworfen werden, mit seinen neuen Großfilialen vor allem eines: Die Löhne drücken. Die Schlecker- Beschäftigen sollen nach Verdi-Angaben gezwungen werden, neue Arbeitsverträge mit deutlich weniger Lohn und schlechteren Arbeitsbedingungen zu unterschreiben. Schlecker streitet dies jedoch ab. Nach Unternehmensangaben werden «Arbeitsverträge, die den lokalen Gegebenheiten entsprechen» angeboten.
Schlecker fiel schon mal negativ auf
Und schon einmal fiel Schlecker, der schnelle Autos und Fußball liebt, wegen seiner Löhne negativ auf. Das Amtsgericht Stuttgart erließ 1998 gegen Anton und Christa Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs. Der Drogeriehändler soll seinen Beschäftigten jahrelang eine tarifliche Bezahlung vorgetäuscht haben.
Zuvor war er selbst das Opfer von Kriminellen geworden: Kurz vor Weihnachten 1987 wurden seine Kinder Meike und Lars entführt. Drei später zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilte Täter forderten 18 Millionen Mark Lösegeld, der Unternehmer soll sie auf 9,6 Millionen Mark heruntergehandelt haben. Die Entführung ist sicherlich auch ein Grund, warum der mit einem geschätzten Vermögen von 3,6 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) auf Platz 156 der weltweiten Milliardärs-Rangliste des US-Magazins Forbes stehende Schlecker zurückgezogen lebt.
mat/seh/news.de/dpa
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