Abgewirtschaftet Banküberfall 2.0

Jens Nonnenmacher (Foto)
Die HSH Nordbank zahlt «Dr. No» eine Halteprämie von 2,9 Millionen Euro. Für das Entwirren der von ihm selbst eingefädelten Finanzgeschäfte. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um Politik und viel Geld. Und manchmal geht es auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Rückblick.

Es war die Woche der Banken – natürlich nicht der Hausbanken, die brav Kredite an Unternehmen vergeben. Das scheint heutzutage nicht mehr zum Kerngeschäft der Finanzbranche zu zählen. Nein, es war die Woche der protzigen Investmentbanken wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs. Auch die Deutsche Bank soll nach Expertenschätzungen in den nächsten Tagen eine rosige Bilanz für das dritte Quartal vorlegen. Es ist also wieder eine gute Zeit, eine Bank zu überfallen. Aber wie?

40.000, 50.000, wenn es hoch kommt vielleicht 100.000 Euro. Das sind in etwa die Summen, die Bankräuber von ihren Beutezügen mitbringen - traditionelle Ganoven, die mit Maske und Revolver vor dem Schalter drohen. Doch was sind schon 100.000 Euro, wenn man 4,5 Millionen haben kann?

Ein Banküberfall von heute muss cleverer ablaufen. Die populärste Möglichkeit des Banküberfalls 2.0 funktioniert nach dem Motto, viel geborgtes Geld in heikle Geschäfte zu schieben, dadurch die Bank so richtig aufblähen und dann dicke Prämien von den Gewinnen abzuzweigen.

Doch ein derartiges Vorgehen muss lange Zeit vorher geplant werden. Zuerst einmal muss der Look stimmen, um nicht nur in die Bank rein, sondern gleich nach oben zu kommen. Bei Jens-Peter Neumann hat es mit seinem schicken Anzug und seinem Good-Daddy-Blick funktioniert. Er konnte sich in seiner Zeit als Investmentbanker der Dresdner Kleinwort kräftig bereichern. Doch das reichte ihm offenbar nicht. Denn trotz einer dicken Halteprämie von 3 Millionen Euro, die er im Januar bereits einkassierte, hat er sich in dieser Woche auch noch 1,5 Millionen Euro Abfindung vor Gericht erstritten.

Gegeltes Haar, moderne Brille und den gescheiten Bankensanierer raushängen lassen, das ist die Masche von HSH-Nordbank-Chef Jens Nonnenmacher. In dieser Woche wurde noch bekannt, wie ein Banküberfall Made by Nonnenmacher im Detail funktioniert. «Dr. No» investierte wohl kräftig in windige Omega-Geschäfte, um die Gewinne der Bank kräftig zu puschen – natürlich ohne die Wächter der Bafin zu informieren. Aber die hätten sie wahrscheinlich sowieso nicht verstanden.

Die Vorstände der Bayern LB haben eine ganz andere Strategie ausklamüsert, wie ein Banküberfall 2.0 aussehen kann. Sie kauften Banken wie die Hypo Alpe Adria viel zu teuer ein, um sich ein nettes Sümmchen abzuzweigen, das fällt ja bei diesen Summen eh nicht mehr auf.

Das Geld über ganz normale Wege zu verdienen, das können die Landesbanker anscheinend nicht, auch heute, nach der Finanzkrise, suchen die Wirtschaftsberater weiterhin kräftig nach einem Geschäftsmodell. Das scheint es offenbar nur für leitende Mitarbeiter zu geben: Sie finden ihren Selbstbedienungsladen für dicke Abfindungen natürlich wichtig. Damit sich die Landesbanker auch bei ihrem Abgang noch kräftig bereichern können.

Und die Regierung, die ist in eine Schockstarre geraten und schaut dabei zu. In dieser Woche haben CDU und FDP aber wenigstens das Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger erhöht, wahrscheinlich in dem Bewusstsein, dass das sowieso kaum jemandem der jetzigen Bedürftigen etwas bringt. Und wenn das erst die Landesbanker einmal betrifft, dann wird die Regierung das Schonvermögen sicherlich auf mehrere Millionen raufsetzen.

ruk/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • tomahawk
  • Kommentar 5
  • 27.11.2009 15:47

Ich hatte das ominöse Interwiew mit Nonnenmacher, der von 2 anderen unter Bewachund stand, gesehen. Sinngemäß sagte er....Wir wollen nicht an alten Dingen rühren. Was könnte er damit meinen? In diesem Jahr war die Rückzahlung der letzten Rate an die Sieger, aus dem ersten Weltkrieg fällig. Ich vermute eher, das sich auch deswegen die Regierung nicht "künnert". Die hat den Posten unter Sonderausgaben, in ihrem Etat versteckt.

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  • Der Versteher
  • Kommentar 4
  • 07.11.2009 11:46

Der Nonnenmacher soll es mal lieber den Nonnen machen. Von der Geldwirtschaft hat er anscheinend keine Ahnung und ist in diesem Job wohl fehl am Platz. Im übrigen würde ich ihm mal ein neues Haargel empfehlen, was etwas weniger glänzt. Den Glänzen tut er ja auch nicht.

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  • tomahawk
  • Kommentar 3
  • 19.10.2009 01:31
Antwort auf Kommentar 1

Das sehe ich auch so. Die sollen bekommen (verdienen tun sie es ja nicht) , soviel sie wollen. Das Kapital muß halt nur Sozial gebunden werden. Das wäre die Steueraoelle das Jahres.

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