So., 12.02.12
Abgewirtschaftet

Abgewirtschaftet Banküberfall 2.0

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 17.10.2009

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um Politik und viel Geld. Und manchmal geht es auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Rückblick.

Es war die Woche der Banken – natürlich nicht der Hausbanken, die brav Kredite an Unternehmen vergeben. Das scheint heutzutage nicht mehr zum Kerngeschäft der Finanzbranche zu zählen. Nein, es war die Woche der protzigen Investmentbanken wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs. Auch die Deutsche Bank soll nach Expertenschätzungen in den nächsten Tagen eine rosige Bilanz für das dritte Quartal vorlegen. Es ist also wieder eine gute Zeit, eine Bank zu überfallen. Aber wie?

40.000, 50.000, wenn es hoch kommt vielleicht 100.000 Euro. Das sind in etwa die Summen, die Bankräuber von ihren Beutezügen mitbringen - traditionelle Ganoven, die mit Maske und Revolver vor dem Schalter drohen. Doch was sind schon 100.000 Euro, wenn man 4,5 Millionen haben kann?

Ein Banküberfall von heute muss cleverer ablaufen. Die populärste Möglichkeit des Banküberfalls 2.0 funktioniert nach dem Motto, viel geborgtes Geld in heikle Geschäfte zu schieben, dadurch die Bank so richtig aufblähen und dann dicke Prämien von den Gewinnen abzuzweigen.

Doch ein derartiges Vorgehen muss lange Zeit vorher geplant werden. Zuerst einmal muss der Look stimmen, um nicht nur in die Bank rein, sondern gleich nach oben zu kommen. Bei Jens-Peter Neumann hat es mit seinem schicken Anzug und seinem Good-Daddy-Blick funktioniert. Er konnte sich in seiner Zeit als Investmentbanker der Dresdner Kleinwort kräftig bereichern. Doch das reichte ihm offenbar nicht. Denn trotz einer dicken Halteprämie von 3 Millionen Euro, die er im Januar bereits einkassierte, hat er sich in dieser Woche auch noch 1,5 Millionen Euro Abfindung vor Gericht erstritten.

Gegeltes Haar, moderne Brille und den gescheiten Bankensanierer raushängen lassen, das ist die Masche von HSH-Nordbank-Chef Jens Nonnenmacher. In dieser Woche wurde noch bekannt, wie ein Banküberfall Made by Nonnenmacher im Detail funktioniert. «Dr. No» investierte wohl kräftig in windige Omega-Geschäfte, um die Gewinne der Bank kräftig zu puschen – natürlich ohne die Wächter der Bafin zu informieren. Aber die hätten sie wahrscheinlich sowieso nicht verstanden.

Die Vorstände der Bayern LB haben eine ganz andere Strategie ausklamüsert, wie ein Banküberfall 2.0 aussehen kann. Sie kauften Banken wie die Hypo Alpe Adria viel zu teuer ein, um sich ein nettes Sümmchen abzuzweigen, das fällt ja bei diesen Summen eh nicht mehr auf.

Das Geld über ganz normale Wege zu verdienen, das können die Landesbanker anscheinend nicht, auch heute, nach der Finanzkrise, suchen die Wirtschaftsberater weiterhin kräftig nach einem Geschäftsmodell. Das scheint es offenbar nur für leitende Mitarbeiter zu geben: Sie finden ihren Selbstbedienungsladen für dicke Abfindungen natürlich wichtig. Damit sich die Landesbanker auch bei ihrem Abgang noch kräftig bereichern können.

Und die Regierung, die ist in eine Schockstarre geraten und schaut dabei zu. In dieser Woche haben CDU und FDP aber wenigstens das Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger erhöht, wahrscheinlich in dem Bewusstsein, dass das sowieso kaum jemandem der jetzigen Bedürftigen etwas bringt. Und wenn das erst die Landesbanker einmal betrifft, dann wird die Regierung das Schonvermögen sicherlich auf mehrere Millionen raufsetzen.

ruk/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Lebensmittel (Foto)
Abgewirtschaftet Geiz ist nicht immer geil

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um mehr ...

Kindergarten (Foto)
Abgewirtschaftet In der Krise kann es menscheln

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um mehr ...

Hartmut Mehdorn (Foto)
Abgewirtschaftet Das verspätete Comeback des Bahnchefs

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um mehr ...

AckermannAbgewirtschaftet (Foto)
Abgewirtschaftet Kein Zeichen von Joe

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um mehr ...

Angela Merkel hat sich am Donnerstag selbst zur Ms. Opel gemacht. (Foto)
Abgewirtschaftet Von wilden Daxen und kaltherzigen Königinnen

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, um mehr ...

Abgewirtschaftet: Banküberfall 2.0 » Wirtschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/wirtschaft/855028906/bankueberfall-2-0/1/
Schlagworte:
Aber, Abfindung, Abfindungen, Abgang, Abgewirtschaftet, Adria, Alpe, Andrea Neumann, Anscheinend, Anzug, Aussehen, Bafin, Bank, Bank-Chef, Banken, Bankräuber, Banküberfall, Bayern, Bayern-Barometer, Bedürftigen, Betrifft, Bewusstsein, Bilanz, Brille, Bringt, CDU, Chase, Christian Ahlmann, Christian Bandurski, Christian Becker, Christian Berkel, Christian Breuer, Christian Brucia, Christian Butz, Christian Cantwell, Christian Danner, Christian Ditter, Christian Eggert, Christian Eigler, Christian Glatting, Christian Görlitz, Christian Gruber, Christian Henn, Christian Hirte, Christian Hock, Christian Hoffmann, Christian Jaletzke, Christian Jeltsch, Christian Klaue, Christian Lademann, Christian Maggio, Christian Meyer, Christian Mürau, Christian Noyer, Christian Ochsenbauer, Christian Polanc, Christian Prochnow, Christian Rahn, Christian Redmann, Christian Reichert, Christian Schacht, Christian Schönhals, Christian Schropp, Christian Schüttenkopf, Christian Schwochow, Christian Sinniger, Christian Stief, Christian Taube, Christian Taylor, Christian Theede, Christian Ude, Christian Urban, Christian Vander, Christian Vieri, Christian Wilhelmsson, Christian Wolff, Christian Zübert, Claudia Neumann, Detail, Deutsche, Dicke, Dicken, DR, Dresdner, Erhöht, Euro Abfindung, Euro Deutsche, Euro Geld, Euro Gewinne, Euro Januar, Euro Moderne, Euro Summen, Euro Trotz, Expertenschätzungen, Fábio Guimarães, Fällt, FDP, FDP-Ehrenvorsitzende, FDP-Landeschef, FDP-Parteivorstand, FDP-Vizekanzler, FDP-Vorsitzender, Finanzbranche, Finanzkrise, Funktioniert, Geld, Geplant, Gericht, Geschäfte, Geschäftsmodell, Gewinne, Gewinnen, Goldman, Haar, Hans Sachs, Hartz-IV-Empfänger, Hausbanken, Heutzutage, HSH-Nordbank-Chef, Hypo, Informieren, Investmentbanken, Investmentbanker, Januar, Jemandem, Jens Bergmann, Jens Debusschere, Jens Grittner, Jens Harzer, Jens Hoffmann, Jens Kalaene, Jens Lapidus, Jens Nonnenmacher, Jens Pühse, Jens Riewa, Jens Schniedenharn, Jens Sejer, Jens Söring, Jens Wolf, Jens Ziesche, Jens-Peter, JP, Kauften, Kerngeschäft, Kleinwort, Kräftig, Kredite, Landesbanker, Lange Zeit, LB, Leitende, Leute, Look, Made, Martina Neumann, Masche, Maske, Mathea, Millionen, Mitarbeiter, Mitbringen, Moderne, Möglichkeit, Morgan, Motto, Nettes, Neumann, News, Noël Coward, Nonnenmacher, Normale, Offenbar, Politik, Prämien, Quartal, Regierung, Rein, Revolver, Richtig, Rosige, Rückblick, Sachs, Schalter, Schaut, Schieben, Schonvermögen, Sebastian Neumann, Selbstbedienungsladen, Sowieso, Spannender, Stimmen, Strategie, Summen, Tagen, Teuer, The Look, Traditionelle, Trotz, Umgehen, Unternehmen, Vergeben, Vorgehen, Vorstände, Wächter, Wahrscheinlich, Wege, Windige, Wirtschaft, Wirtschaftsberater, Woche, Zeit,
Leserkommentare (5)
  • Kommentar: 5
  • 27.11.2009 15:47
von
tomahawk

Ich hatte das ominöse Interwiew mit Nonnenmacher, der von 2 anderen unter Bewachund stand, gesehen. Sinngemäß sagte er....Wir wollen nicht an alten Dingen rühren. Was könnte er damit meinen? In diesem Jahr war die Rückzahlung der letzten Rate an die Sieger, aus dem ersten Weltkrieg fällig. Ich vermute eher, das sich auch deswegen die Regierung nicht "künnert". Die hat den Posten unter Sonderausgaben, in ihrem Etat versteckt.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 4
  • 07.11.2009 11:46
von
Der Versteher

Der Nonnenmacher soll es mal lieber den Nonnen machen. Von der Geldwirtschaft hat er anscheinend keine Ahnung und ist in diesem Job wohl fehl am Platz. Im übrigen würde ich ihm mal ein neues Haargel empfehlen, was etwas weniger glänzt. Den Glänzen tut er ja auch nicht.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 3
  • 19.10.2009 01:31
von
tomahawk
Antwort auf Kommentar 1

Das sehe ich auch so. Die sollen bekommen (verdienen tun sie es ja nicht) , soviel sie wollen. Das Kapital muß halt nur Sozial gebunden werden. Das wäre die Steueraoelle das Jahres.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 2
  • 17.10.2009 20:48
von
manfred dennes

Was spricht also dagegen, das Berufsbild "Bankster" bei der AA zu listen ??

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 1
  • 17.10.2009 17:38
von
Günter

Diese "Bankräuber" nicht nur sofort dingfest machen, sondern diesen ihr Vermögen zur Schadensbegrenzung einziehen. Desweiteren die "Spielbanken": 1. Investmentbanken verbieten. 2. nicht nur eine Börsensteuer (wie in den USA) ein-führen, sondern 20% des Differenzbetrages von Aktien-kurs zum Aktiennennwert an die Unternehmen abführen. Dann hört mit einem Schlag das "räuberische Bedienen" und Zokken (ohne Wertschöpfung) sofort auf.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Dossier: Abgewirtschaftet Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren