Wirtschaftsnobelpreis Aufgeteilt und doch gemeinsam

Ostrom Williamson (Foto)
Die Preisträger des Wirtschaftsnobelpreises auf einem Computerbildschirm. Bild: dpa

Der Wirtschaftnobelpreis geht an die US-Wissenschaftler Elinor Ostrom und Oliver E. Williamson. Sie arbeiten auf unterschiedlichen Gebieten, doch die Schwedische Akademie der Wissenschaften fand einen Link zwischen den beiden Forschern.

Die beiden Wissenschaftler erhalten den Preis in Anerkennung ihrer Arbeit auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Steuerung, wie die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte. Beide Wissenschaftler hätten das «Wissen über Institutionen außerhalb der Märkte beträchtlich erweitert».

Die 1933 geborene Ostrom, Professorin an der Indiana University in Bloomington, habe in ihren Arbeiten dargelegt, wie im Gemeinschaftseigentum befindliche Güter nachhaltig von ihren Nutzern verwaltet werden können. Williamson, geboren 1932 und Professor an der University of California in Berkeley, hat der Akademie zufolge eine Theorie entwickelt, mit der die Abwicklung bestimmter Transaktionen innerhalb von Firmen und nicht auf Märkten begründet wird.

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Ostrom gilt als eine führende Forscherin im Bereich der Umweltökonomie. Sie versteht sich selbst als politische Wirtschaftswissenschaftlerin und setzt sich mit der Frage auseinander, wie Menschen in und mit Ökosystemen nachhaltig interagieren können. Inhaltlich befasst sie sich unter anderem mit der Fischereiwirtschaft, mit Bewässerungssystemen und mit Wald- und Weidewirtschaft, in späteren Arbeiten auch mit Wissen und der Problematik geistigen Eigentums.

International bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Buch Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action (1992), in dem sie sich mit Regulierungsmechanismen für natürliche Ressourcen beschäftigt. Anhand von Fallstudien arbeitete sie heraus, dass für eine angemessene und nachhaltige Bewirtschaftung von sogenannten Allmendegütern in vielen Fällen eine Kooperation der Betroffenen sowohl staatlicher Kontrolle als auch Privatisierungen überlegen ist.

Gleich eine der ersten Reaktionen der frisch gebackenen Wirtschaftsnobelpreisträgerin galt dem Nachwuchs: Sie wolle ihr Preisgeld möglichst Studenten und der Forschung geben, sagte die überwältigte US-Professorin Elinor Ostrom kurz nach der Verkündung.

Markenzeichen Ostroms ist ihr Einsatz gegen unfaire Verteilung. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte sie einst: «Schauen Sie sich nur manche dieser Managergehälter in Amerika an. Die sind zum Teil einfach obszön.»

Der Erfinder des Williamson Trade-Offs

Oliver Eaton Williamson beschäftigt sich vor allem mit der Transaktionskostenökonomie. In der breiten Öffentlichkeit ist Williamson kaum bekannt, doch Generationen von Studenten der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften haben intensiv über den Theorien des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträgers gebrütet. Berühmt wurde er vor allem mit den Büchern Markets and Hierarchies (1975) und The Economic Institutions of Capitalism (1985). Er entwickelte unter anderem das sogenannte Williamson Trade-Off, mit dem die Auswirkungen auf die Wohlfahrt und den Marktpreis, die sich durch Fusion oder Akquisition ergeben, analysiert werden können.

Viele Wissenschaftler und die Wirtschaft selbst stützen sich heute auf den 77-Jährigen US-Ökonomen. Er habe «viel für Unternehmen getan, um zu verstehen, wann es besser ist, Waren und Dienste extern einzukaufen, statt sie selbst zu produzieren», sagte der Stockholmer Professor Richard Friberg dem US-Wirtschaftsdienst Bloomberg.

In seiner Arbeit schlägt der vielfach ausgezeichnete Williamson Brücken von der Ökonomie zu den Sozialwissenschaften. Er untersuchte Institutionen und ihren Einfluss auf die Wirtschaft. Der im US- Bundesstaat Wisconsin geborene Williamson lehrt heute als emeritierter Professor an Kaliforniens Berkeley-Universität, wo er bereits seit 1988 tätig ist.

ruk/twa/news.de/ddp/dpa

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