Kommentar zu Ikea Billy stiftet Gemeinschaft

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news.de-Redakteur Sebastian Haak. Bild: news.de

Ikea zeigt eindrucksvoll, wie wichtig gutes Marketing für die Welt der Wirtschaft ist. Das Geheimnis des Konzerns ist mehr die Aura der Produkte als ihre Form. Und das erinnert an eine oft vergessene Funktion des Shoppings.

Grob vereinfacht, gibt es zwei Arten von Produkten, die sich auf dem Markt behaupten können. Da sind zum einen Waren und Dienstleistungen, die so innovativ, so nützlich sind, dass an ihnen kein Weg vorbei führt – ganz gleich, wie sie heißen, aussehen oder wer sie entwickelt hat. Beispiel Wassereimer. Sie wissen schon, die Teile, in denen man Wasser sammeln kann, um damit durch die Wohnung zu wischen.

Und dann gibt es Produkte, die eigentlich auch nützlich sind, aber die es schon dutzendfach gab. Und die trotzdem in ihrer Neuauflage unglaublich erfolgreich sind. Nicht des Produktes wegen. Sondern weil sie eine gewisse Aura haben. Ikeas Möbel sind solche Produkte. Apples MP3-Player sind solche Produkte.

Ihr Dasein ist zuallererst das Ergebnis einer sehr erfolgreichen Marketing-Strategie. Aus einem Ding, aus Holz, Kunststoff oder Metall wird ein Lifestyle-Etwas, das viel mehr ist als die Summe seiner Bauteile. Billy hält Bücher nicht besser als seine teurere oder billigere Konkurrenz – und in der Form ist der Unterschied nun auch nicht groß. Ein iPod von Apple hat keinen wesentlich besseren Klang als ein sonstiger Marken-MP3-Player. Doch darum geht es auch nicht.

Wer sich Billy ins Wohnzimmer stellt oder wer die weißen iPod-Kopfhörer zur Schau trägt, gibt damit ein kulturelles, ja ein gesellschaftlich bedeutsames Statement ab. Seht her, ich kaufe Trendprodukte. Das heißt auch: Ich nehme eure Werte und Normen an. Ich fühle mich zu eurer Gemeinschaft zugehörig.

Gemeinschaft definiert nicht nur über Billys und iPods. Aber auch. Denn Konsum ist nicht nur Konsum um des Konsum willens. Es geht nicht nur darum, ein vorhandenes Bedürfnis zu stillen. Etwa das nach einem Platz für die gesammelten Werke von Goethe und Schiller. Oder das nach Musik in der Straßenbahn. Konsum ist vor allem auch ein Ausdruck des gesellschaftlichen Status. Davon lebt Ikea. Und zwar nicht schlecht.

mik/news.de

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