Sa., 04.02.12

Ladenschluss Die dunkle Seite des Non-Stop-Einkaufens

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 30.09.2009

Seit knapp drei Jahren sind unbegrenzte Öffnungszeiten in vielen Bundesländern möglich. Doch nur in den Zentren der Metropolen hat sich das Angebot durchgesetzt. Handelsketten versuchen dort, höhere Kosten mit Geringverdienern zu umgehen.

Vor vielen, vielen Jahren haben die Geschäfte einmal um 18 Uhr ihre Türen geschlossen. Und von 12 bis 15 Uhr gab es eine Mittagspause. Diese Zeiten liegen weit in der Vergangenheit. Sogar im tiefsten Osten, in den Bergen der Sächsischen Schweiz, haben die Filialen der großen Supermarktketten mittlerweile bis 20 Uhr geöffnet.

In den Großstädten Deutschlands ist dann noch lange nicht Schluss. In den Schmelztiegeln, dort wo nachts richtig was los ist, schließen einzelne Geschäfte nicht vor 24 Uhr. Oder überhaupt nicht mehr.

Die Ladenschlussgesetze geben den Händlern dafür genügend Raum. In den meisten Bundesländern dürfen die Geschäfte seit Ende 2006 beziehungsweise Anfang 2007 sogar rund um die Uhr geöffnet bleiben, zumindest an Werktagen. Nur in Sachsen und Rheinland-Pfalz müssen die Einzelhändler spätestens um 22 Uhr schließen. Und in Bayern und im Saarland: Dort sperren sich die Christdemokraten bis heute dagegen, den Kunden das Einkaufen nach 20 Uhr zu erlauben.

Seit der Lockerung der Ladenöffnungszeiten kann man in Deutschland jedoch nicht von einem flächendeckenden Nachtshopping sprechen. «Es gibt an hochfrequentierten Standorten wie Bahnhöfen, Flughäfen und in starken Innenstadtlagen einzelne Filialen, die bis spät in die Nacht geöffnet haben», sagt Handelsexperte Dr. Mirko Warschun von A.T. Kearney. Nicht jeder Markt eignet sich seiner Einschätzung nach, um bis 24 Uhr geöffnet zu sein. Im Gegensatz zu großen Verbrauchermärkten seien kleine Supermärkte und Convenience StoreDas ist die neudeutsche Bezeichnung für kleine Läden, die ein sehr begrenztes Angebot zu höheren Preisen anbieten - dafür aber auch dort anzutreffen sind, wo es bis zu den großen Supermarktketten einige Kilometer sind. Oder die eben dann geöffnet haben, wenn andere Geschäfte schon geschlossen haben. -Formate besser geeignet.

Wie das Nachtshopping angenommen wird

Rewe allein hat in den neuen Bundesländern die Öffnungszeiten in fünf seiner Filialen bis auf 24 Uhr verlängert. Davon liegen vier im Zentrum Berlins und eine Filiale in Gera. «Es ist ein Service für die Leute, die länger arbeiten», sagt Stephanie Maier, Rewe-Sprecherin für die Region Ost. Ob sich der längere Betrieb auf die Umsätze auswirkt, darüber machte sie keine Angaben und flüchtet sich in eine Floskel: «Die Kunden der Märkte haben es gut aufgenommen.»

In Ulm wird eine inhabergeführte Rewe-Filiale an der Virchowstraße nach einer Testphase ab heute auf lange Sicht bis 24 Uhr geöffnet bleiben. Ein Angestellter sagt auf news.de-Anfrage: «Mehr Kunden haben wir dadurch zwar nicht, aber der Umsatz ist gestiegen.» Die Anzahl der Angestellten sei für die längeren Öffnungszeiten aber nicht erhört worden, da der Personalbestand bisher nicht ausgelastet gewesen sei.

In Zukunft will Rewe in der Stammregion Köln und Düsseldorf die Schlusszeiten in exponierten Lagen bis 24 Uhr erweitern. Damit will die Handelskette den Discountern Kunden abjagen, heißt es in der Lebensmittelzeitung. Wie viele Standorte bis 24 Uhr geplant sind, darüber schweigt sich Rewe aus.

Einkaufen bis 24 Uhr, das kann in der Praxis aber durchaus noch getoppt werden. So bietet der NP-Markt an der Magdeburger Jakobstraße Einkaufen rund um die Uhr. «Wir öffnen montags um 7 Uhr und schließen erst Samstag 20 Uhr wieder», erklärt ein Mitarbeiter. Scheinbar gibt es in Magdeburg genügend Nachtschwärmer, denn das grenzenlose Einkaufserlebnis gibt es bereits seit zwei Jahren. Auf die Frage, welche Kundengruppen das nächtliche Shoppingangebot nutzen, heißt es aus dem Markt: «Quer Beet. Wir haben Schichtarbeiter, Polizisten, Rettungskräfte, Studenten, Partyleute und Rentner, die um 4 Uhr aus dem Bett gekrabbelt kommen.»

Ob das Thema Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in Zukunft flächendecken an Bedeutung gewinnt, dazu äußert sich Handelsexperte Warschun zurückhaltend. «Ich glaube nicht, dass es Überhand nimmt. Viele werden es weiter testen. Das wird sich aber auf selektive Standorte beschränken.» Es hänge vor allem vom Umfeld ab, welche Standorte dafür in Frage kommen. Wenn in einem Shopping-Center die benachbarten Geschäfte alle um 22 Uhr schließen, dann werde eine einzelne
Lebensmittelfiliale nicht bis 24 Uhr geöffnet bleiben, so Warschun. Liege die Filiale neben einem großen Kino oder in einem Ausgehviertel, seien Öffnungszeiten bis 24 Uhr oder länger durchaus denkbar.

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Ladenschluss: Die dunkle Seite des Non-Stop-Einkaufens » Wirtschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (9)
  • Kommentar: 9
  • 18.02.2010 10:50
von
mapa42
Antwort auf Kommentar 8

mach den anfang und hör auf zu fressen. und andere folgen dann können wir zu hause bleiben.

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  • Kommentar: 8
  • 24.12.2009 22:31
von
keks

das muss einfach aufhören! es ist schlimm für die angestellten, die bis in die nacht arbeten müssen. nur damit wir immer mehr fressen und fressen, alles fr den umsatz und das schöne geld.

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  • Kommentar: 7
  • 02.12.2009 15:00
von
yvi
Antwort auf Kommentar 6

Schade, dass es Leute wie Sie gibt, die es nicht schaffen Ihren Sonntag vor dem Kinobesuch zu planen, bzw. genug zum Kochen danach zu Hause zu haben. Was haben Sie bloß gemacht, als in der Woche noch um 18.30 Uhr die Geschäfte schlossen und samstags um 14.00 Uhr?

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  • Kommentar: 6
  • 02.10.2009 08:42
von
Uli

Also ich muss sagen, das ich die Öffnungszeiten bis 2400h sehr gut finde. Oftmals bin ich Freitags gegen 22h auf dem Heimweg und kann noch Kleinigkeiten kaufen. Oder Samstags nach dem Kino spontan entscheiden noch etwas zu kochen oder den Sonntag zu planen. Es gibt Leute die dankbar sind für diese Arbeit, warum also nicht. Sonntag hingegen darf zu bleiben. Ich denke Mo-Sa 22h oder 24h sind ausreichend. Gruß

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  • Kommentar: 5
  • 30.09.2009 22:09
von
Minie

Wer Samstag bis 22Uhr nicht Eingekauft hat soll Hungern .Das Famielienleben ist meist nur Sonntags möglich . Und man sollte auch an das Verkaufspersonal Denken .

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  • Kommentar: 4
  • 30.09.2009 21:58
von
manki

hi! mir ist es vollkommen unverständlich, wie ich es geschafft habe 40 jahre lang einkaufen zu können, als die geschäfte nur bis 18:00 uhr geöffnet waren! was ist das bloß für ein schwachsinn die geschäfte bis 22:00 uhr geöffnet zu haben, mit der begründung daß dann auch die leute einkaufen können, die lange arbeiten. wie lange arbeiten die leute denn? 16 stunden? ich habe auch schon jobs gehabt, in denen ich in 3 schichten arbeitete und jahrelange im außendienst, wo ich die meiste zeit unterwegs war. ich kann mich aber nicht entsinnen jemals nicht einkaufen zu können. ich persönlich habe die feststellung gemacht, daß nicht mehr kunden einkaufen, sondern sich die kundschaft nur mehr verteilt. hat denn schon mal jemand an die verkäufer gedacht, die zu menschenunwürdigen zeiten (samstag bis 22:00 uhr) noch im baumarkt sitzen und auf die kunden warten, denen noch eingefallen ist samstag abend den zaun zu streichen und noch etwas farbe kaufen wollen. früher gab es einmal in der woche, meistens donnerstags, eine längere öffnungszeit und alle waren zufrieden. aber es geht ja auch längst nicht mehr darum kunden zu bedienen und zufrieden zu stellen, sondern es geht ja nur noch um den profit. aber das ist ja nahezu in allen bereichen der fall. (siehe die gier in der bankenbranche und wohin uns das gebracht und womöglich noch bringen wird) ciao, manki

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  • Kommentar: 3
  • 30.09.2009 19:49
von
kingralf

Arbeitsrechtlich stehen auch den minijobbern sämtliche Zuschläge zu, aber diese setzen diese nicht durch, weil sie nicht selten bereits einen Hauptjob in Teilzeit haben und auf dieses Zubrot angewiesen sind. Hier kann m.E.nach nur durch bessere Qualität bei Buchprüfungen durch Finanzämter und Krankenkassen dieser Ein-Spar-Politik der Unternehmen durch festzustezende Nachzahlungen die Lust auf dererlei betriebswirtschaftliches Kindergarten-Niveau genommen werden. Vermutlich ist es aber auch politisch so gewollt, weil dann Beschäftigungs-Statistiken besser aussehen.

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  • Kommentar: 2
  • 30.09.2009 17:54
von
kato

Na allzuviel "Dunkles" ist hier aber nicht berichtet. Sicher es hat schon etwas, die längeren Öffnungszeiten. Nur warum muss es auch am Sonntag sein? Ich habe jahrelang Schichtdienst gearbeitet und gerade der Sonntag war besonders schmerzhaft. Familienleben ist nicht mehr, wenn alle Schicht arbeiten!!! Ich bin bisher ohne Sonntagseinkauf sehr zufrieden gewesen und ich werde dies auch weiterhin unterlassen. Natürlich sind in einigen Branchen die Sonntagsarbeit unerläßlich, aber es sollte eben immer nur ein Sonderfall und auch entsprechend vergütet sein.

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  • Kommentar: 1
  • 30.09.2009 08:50
von
Marcel

Vielen Dank für die Informationen, insbesondere zu den Rewe Öffnungszeiten und den Planungen. Es ist nicht wirklich leicht da noch den Überblick zu behalten. Wir haben daher extra einen Service dafür eingerichtet, www.oeffnungszeitenbuch.de Liebe Grüße MMarcel

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