Seit knapp drei Jahren sind unbegrenzte Öffnungszeiten in vielen Bundesländern möglich. Doch nur in den Zentren der Metropolen hat sich das Angebot durchgesetzt. Handelsketten versuchen dort, höhere Kosten mit Geringverdienern zu umgehen.
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Lester Maul ist eine Kunstfigur, die bissig, böse und aus dem Bauch heraus das aktuelle Geschehen exklusiv auf news.de kommentiert. Hinter der Figur stecken mehrere Kabarettisten. Ihre Beiträge entstehen unabhängig von der Redaktion. Sie sollen provozieren, amüsieren und orientieren – und bloß kein Blatt vor den Mund nehmen.
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Was waren das für Zeiten, als es noch kein Handy gab. Verabredete man sich aufm Rummel und verpasste sich, musste man allein aufs Karussel. Hatte man um halb sieben noch kein Bier gekauft, ging man in die Kneipe oder nüchtern ins Bett. Es gab trotzdem Leben auf diesem Planeten.
Vor vielen, vielen Jahren haben die Geschäfte einmal um 18 Uhr ihre Türen geschlossen. Und von 12 bis 15 Uhr gab es eine Mittagspause. Diese Zeiten liegen weit in der Vergangenheit. Sogar im tiefsten Osten, in den Bergen der Sächsischen Schweiz, haben die Filialen der großen Supermarktketten mittlerweile bis 20 Uhr geöffnet.
In den Großstädten Deutschlands ist dann noch lange nicht Schluss. In den Schmelztiegeln, dort wo nachts richtig was los ist, schließen einzelne Geschäfte nicht vor 24 Uhr. Oder überhaupt nicht mehr.
Die Ladenschlussgesetze geben den Händlern dafür genügend Raum. In den meisten Bundesländern dürfen die Geschäfte seit Ende 2006 beziehungsweise Anfang 2007 sogar rund um die Uhr geöffnet bleiben, zumindest an Werktagen. Nur in Sachsen und Rheinland-Pfalz müssen die Einzelhändler spätestens um 22 Uhr schließen. Und in Bayern und im Saarland: Dort sperren sich die Christdemokraten bis heute dagegen, den Kunden das Einkaufen nach 20 Uhr zu erlauben.
Seit der Lockerung der Ladenöffnungszeiten kann man in Deutschland jedoch nicht von einem flächendeckenden Nachtshopping sprechen. «Es gibt an hochfrequentierten Standorten wie Bahnhöfen, Flughäfen und in starken Innenstadtlagen einzelne Filialen, die bis spät in die Nacht geöffnet haben», sagt Handelsexperte Dr. Mirko Warschun von A.T. Kearney. Nicht jeder Markt eignet sich seiner Einschätzung nach, um bis 24 Uhr geöffnet zu sein. Im Gegensatz zu großen Verbrauchermärkten seien kleine Supermärkte und
Convenience StoreDas ist die neudeutsche Bezeichnung für kleine Läden, die ein sehr begrenztes Angebot zu höheren Preisen anbieten - dafür aber auch dort anzutreffen sind, wo es bis zu den großen Supermarktketten einige Kilometer sind. Oder die eben dann geöffnet haben, wenn andere Geschäfte schon geschlossen haben.-Formate besser geeignet.
Wie das Nachtshopping angenommen wird
Rewe allein hat in den neuen Bundesländern die Öffnungszeiten in fünf seiner Filialen bis auf 24 Uhr verlängert. Davon liegen vier im Zentrum Berlins und eine Filiale in Gera. «Es ist ein Service für die Leute, die länger arbeiten», sagt Stephanie Maier, Rewe-Sprecherin für die Region Ost. Ob sich der längere Betrieb auf die Umsätze auswirkt, darüber machte sie keine Angaben und flüchtet sich in eine Floskel: «Die Kunden der Märkte haben es gut aufgenommen.»
In Ulm wird eine inhabergeführte Rewe-Filiale an der Virchowstraße nach einer Testphase ab heute auf lange Sicht bis 24 Uhr geöffnet bleiben. Ein Angestellter sagt auf news.de-Anfrage: «Mehr Kunden haben wir dadurch zwar nicht, aber der Umsatz ist gestiegen.» Die Anzahl der Angestellten sei für die längeren Öffnungszeiten aber nicht erhört worden, da der Personalbestand bisher nicht ausgelastet gewesen sei.
In Zukunft will Rewe in der Stammregion Köln und Düsseldorf die Schlusszeiten in exponierten Lagen bis 24 Uhr erweitern. Damit will die Handelskette den Discountern Kunden abjagen, heißt es in der Lebensmittelzeitung. Wie viele Standorte bis 24 Uhr geplant sind, darüber schweigt sich Rewe aus.
Einkaufen bis 24 Uhr, das kann in der Praxis aber durchaus noch getoppt werden. So bietet der NP-Markt an der Magdeburger Jakobstraße Einkaufen rund um die Uhr. «Wir öffnen montags um 7 Uhr und schließen erst Samstag 20 Uhr wieder», erklärt ein Mitarbeiter. Scheinbar gibt es in Magdeburg genügend Nachtschwärmer, denn das grenzenlose Einkaufserlebnis gibt es bereits seit zwei Jahren. Auf die Frage, welche Kundengruppen das nächtliche Shoppingangebot nutzen, heißt es aus dem Markt: «Quer Beet. Wir haben Schichtarbeiter, Polizisten, Rettungskräfte, Studenten, Partyleute und Rentner, die um 4 Uhr aus dem Bett gekrabbelt kommen.»
Ob das Thema Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in Zukunft flächendecken an Bedeutung gewinnt, dazu äußert sich Handelsexperte Warschun zurückhaltend. «Ich glaube nicht, dass es Überhand nimmt. Viele werden es weiter testen. Das wird sich aber auf selektive Standorte beschränken.» Es hänge vor allem vom Umfeld ab, welche Standorte dafür in Frage kommen. Wenn in einem Shopping-Center die benachbarten Geschäfte alle um 22 Uhr schließen, dann werde eine einzelne
Lebensmittelfiliale nicht bis 24 Uhr geöffnet bleiben, so Warschun. Liege die Filiale neben einem großen Kino oder in einem Ausgehviertel, seien Öffnungszeiten bis 24 Uhr oder länger durchaus denkbar.
Leserkommentare (9)
mach den anfang und hör auf zu fressen. und andere folgen dann können wir zu hause bleiben.
jetzt antworten Kommentar meldendas muss einfach aufhören! es ist schlimm für die angestellten, die bis in die nacht arbeten müssen. nur damit wir immer mehr fressen und fressen, alles fr den umsatz und das schöne geld.
jetzt antworten Kommentar meldenSchade, dass es Leute wie Sie gibt, die es nicht schaffen Ihren Sonntag vor dem Kinobesuch zu planen, bzw. genug zum Kochen danach zu Hause zu haben. Was haben Sie bloß gemacht, als in der Woche noch um 18.30 Uhr die Geschäfte schlossen und samstags um 14.00 Uhr?
jetzt antworten Kommentar meldenAlso ich muss sagen, das ich die Öffnungszeiten bis 2400h sehr gut finde. Oftmals bin ich Freitags gegen 22h auf dem Heimweg und kann noch Kleinigkeiten kaufen. Oder Samstags nach dem Kino spontan entscheiden noch etwas zu kochen oder den Sonntag zu planen. Es gibt Leute die dankbar sind für diese Arbeit, warum also nicht. Sonntag hingegen darf zu bleiben. Ich denke Mo-Sa 22h oder 24h sind ausreichend. Gruß
jetzt antworten Kommentar meldenWer Samstag bis 22Uhr nicht Eingekauft hat soll Hungern .Das Famielienleben ist meist nur Sonntags möglich . Und man sollte auch an das Verkaufspersonal Denken .
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