Ökologisch Leben Der CO2-neutrale Mensch

Niemand kann seinen CO2-Ausstoß auf Null senken. Es gibt aber eine Vielzahl an einfachen Möglichkeiten, jeden Tag etwas bewusst für die Umwelt zu tun. News.de hat eine Liste zusammengestellt.

Geländewagen beim Auspuff-Test (Foto)
160 Gramm des Treibhausgases CO2 stößt jedes größere Auto im Durchschnitt pro 100 Kilometer aus. Bild: dpa

«Generell verursachen die Deutschen im Durchschnitt zehn Tonnen Kohlendioxid pro Jahr», sagt Thomas Haberland, Nachhaltigkeitsexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zwar verursachen die Amerikaner demnach mit 20 Tonnen pro Jahr doppelt so viel wie wir, doch andererseits liegt dieser Wert in einem Schwellenland wie Brasilien bei nur 1,8 Tonnen.

Jeder kann seinen persönlichen Kohlendioxidverbrauch ziemlich einfach mit CO2-Rechnern im Internet herausbekommen. Dazu muss er nur seine jährliche Fahrleistung, seine Wohnsituation, Einkaufsverhalten und Urlaubsvorlieben eingeben, und prompt wird aufgetischt, wie stark man die Umwelt durch seine Lebensweise belastet.

Klimabilanz: Wie stark wir die Umwelt belasten

Ähnlich dem Ablasshandel im Mittelalter, ist es heutzutage kein Problem, sich von seinen Umweltsünden freizukaufen. Vereine wie CO2OL rechnen den jährlichen Kohlendioxid-Verbrauch des Einzelnen nach bestimmten Kriterien aus und schlagen ihm dazu diverse Möglichkeiten der Kompensierung vor. Das Geld kann er anschließend beispielsweise in ökologische Kraftwerke investieren.

Aber es gibt auch eine Vielzahl an Möglichkeiten den Kohlendioxid-Verbrauch im Alltag von vornherein zu senken:

Beim Einkaufen

Beim täglichen Shoppen heißt die Devise: Biologisch, regional und saisonal. Auf Wochenmärkten findet der Kunde so ziemlich alles, was er für eine gute Mahlzeit braucht. Auch die Lebensmittel aus den Biofachgeschäften stammen größtenteils von Feldern der Region. Zudem gilt: Wer weniger Fleisch isst, spart Kohlendioxid.

Wie viele Fahrtwege und damit Kohlendioxid für die Produktion unterschiedlicher Lebensmittel anfällt, hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch aufgelistet. Tipps für ein nachhaltiges Einkaufen und Leben gibt die Broschüre Nachhaltiger Warenkorb.

Wenn es unbedingt Fast-Food sein muss, dann sollte man wenigstens auf die Menge der Verpackungen achten. Es kann nicht sein, dass bei einigen Anbietern Tonnen an Müll anfallen, nur weil es dort schwierig ist, aufwaschbare Teller anzubieten.

Umweltbewusstes Einkaufen beschränkt sich aber nicht nur auf Essen: «Kleidung aus Biobaumwolle verursacht in der Produktion weniger CO2», erklärt Thomas Haberland. Zudem haben einige Hersteller wie Nike und Coop angekündigt, in den kommenden Jahren vollständige CO2-Neutralität zu erreichen.

Alles was man sich in die Wohnung stellt, legt und an die Wände streicht, sollte einen Blauen Engel oder eine gute Note von Ökotest tragen. Diese Siegel garantieren, dass Inhalt und Verpackung keine Schadstoffe enthalten.

In der Arbeitswelt

Im Job fängt es bei den ganz kleinen Dingen an: Mit dem Fahrrad oder mit Bus und Straßenbahn zur Arbeit fahren, das versteht sich von selbst. Treppe statt Fahrstuhl ist Ehrensache. Das Büro mit großblättrigen Pflanzen vollstellen, ist schon etwas innovativer und möglicherweise schwierig, wenn diese aus der Region sein sollen. Aber in der Mittagspause Computer und andere technische Geräte ausschalten, daran sollte der ökologisch bewusste Arbeitnehmer schon denken. Übrigens kann man auch beim Versenden der Geschäftsbriefe den ökologischen Weg wählen. So bietet die Post mit ihrem Service Go Green ein entsprechendes Angebot.

Neben diesen kleinen Dingen sollte man seinen Arbeitgeber davon überzeugen, auf Ökostrom umzusteigen, alle Potenziale zum Energie- und Wassersparen zu nutzen und die Mitarbeiter in Videokonferenzen zu setzen anstatt sie auf Dienstreisen zu schicken. Das muss er übrigens nicht ganz umsonst oder nur aus Liebe zu seinen mitdenkenden Mitarbeitern tun. Der Chef kann sein Umdenken nämlich mit einem Emas-Zertifikat auszeichnen lassen, welches bei ökologisch bewussten Kunden mit Sicherheit Symphatiepunkte bringt.

Technische Geräte

Stromsparen zu Hause ist einfach. So muss es nicht immer ein überdimensionierter Kühlschrank sein. Auch beim Fernseher gibt es richtige Stromfresser, dazu hat der BUND eine Übersicht ins Internet gestellt. Computer, Modems und andere Geräte grundsätzlich ausschalten, wenn sie nicht genutzt werden. Am besten gleich den Stecker ziehen, damit kein Standby-Strom verbraucht wird.

Der alte Tick-Tack-Wecker ist im Gegensatz zum Radiowecker im 24-Stunden-Betrieb weit günstiger. Außerdem ist ein Telefon mit einer Schnur stromsparender im Gegensatz zu einem schnurlosen. Und ein Wäschetrockner ist zwar bequem, doch in den meisten Fällen verzichtbar.

Ökologisch bewusst Urlauben

Fliegen gehört zu den größten Klimasünden überhaupt. Wer nicht darauf verzichten will, kann seine Sünde aber problemlos reinwaschen. Einige Fluggesellschaften bieten für einen Aufschlag den Service, dass sie den Mehrbetrag in ökologische Projekte wie die Aufforstung von Wäldern investieren. Diverse Vereine bieten diese Möglichkeit ebenso und meist besser. Beispielsweise berechnet Atmosfair für Hin- und Rückflug von Berlin nach Mallorca pro Person 860 Kilogramm CO2 und eine Spende von 21 Euro.

Neben dem klassichen Urlaub auf dem Bauernhof gibt es für umweltbewusste Reisende immer neue Angebote. So öffnen gegenwärtig viele CO2-neutrale Hotels wie das Kameha Grand Bonn ihre Pforten. Eine Übersicht über Reiseveranstalter für CO2-arme Urlaube bietet das Forum Andersreisen.

Stellt sich nun die Frage: Wie viel umweltbewusster können wir leben? Thomas Haberland schätzt, dass bei einem sehr strengen Lebensstil fünf bis sechs Tonnen möglich seien. Damit ließe sich auch in einem Industrieland der CO2-Ausstoß auf knapp die Hälfte senken.

Klimaschonend mobil sein

Möglich ist auch, sich gemeinsam mit den Nachbarn in einem Haus ein Elektroauto zuzulegen. Zwei kleine deutsche Hersteller bieten serienreife Modelle an. So kostet der Dresdner Citysax knapp 40.000 Euro und der Luis free aus Ahrensdorf ab 12.000 Euro.

Eigenes Auto muss aber nicht sein. In Städten bietet sich doch auch Car Sharing an. Der Service von der Deutschen Bahn kostet beispielsweise 70 Euro pro Jahr, dafür steht immer ein sauberes Auto bereit. Der Nutzer muss zusätzlich zwei Euro pro Stunde und 16 Cent pro Kilometer zahlen.

Zukunftsmusik

Es kommen immer neue Möglichkeiten, um Kohlendioxid zu sparen. Im Jahr 2013 soll bereits der erste Teil einer CO2-neutralen Stadt fertig sein. Masdar City entsteht bei Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten und soll 50.000 Bewohner aufnehmen. Die Universität steht schon fast, und das 10-Megawatt-Sonnenkraftwerk, das größte im Nahen Osten und Nordafrika, liefert bereits sauberen Strom. In einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger sagt die Nachhaltigkeitsexpertin der Stadt, Nawal al-Hosany: «Hoffentlich wird es zum Modell für alle Städte in der ganzen Welt. Es ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, von dem alle etwas lernen können.»

ruk/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Johannus
  • Kommentar 4
  • 03.02.2011 00:03

Bei der Produktion von Bio-produkten wird mindestens doppelt soviel CO2 frei wie bei der konservativen Produktion von Lebensmittel. Auserdem ist die Verpackung und die erhöhten Transportwege nicht gerade CO2 midernd. Bei kompletter in Rechnung stellung aller Faktoren müßte man die Tranasportwut unserer Großanbieter reduzieren, unnötigen Verpackungsmüll beseitigen sowie eine möglichst dezentraliesierte Produktion aller Güter wieder einführen und ganz wichtig unsinnige Verwaltungsvorschriften, Verschlankung der Verwaltung und Dezentraliesierung vornehmen. Aber das möchte ja keiner da er ja dann eventuell körperlich arbeiten müßte, oder? Grüße Joe

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  • Antonietta
  • Kommentar 3
  • 23.09.2010 13:20

Als besonders klimaschädlich erweist sich Fleisch. Die insgesamt knapp 13 Millionen Rinder in Deutschland stoßen jährlich große Mengen Treibhausgase aus. Deren Menge entspricht 22,5 Millionen Tonnen CO2. Das ist etwa ein Drittel der Emissionen, die in Deutschland aus dem Straßenverkehr kommen. Das schließt unter anderem die Verdauung, die Futterproduktion und die Haltung ein. Besonders problematisch erweist sich das bei der Verdauung der Rinder entstehende Treibhausgas Methan, welches ungefähr 25 mal klimaschädlicher als CO2 ist.

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  • Zabadac
  • Kommentar 2
  • 12.12.2009 15:06
Antwort auf Kommentar 1

Wenn das Umfeld stimmt und die Natur in Ordnung ist, sind auch 10 Milliarden kein Problem. Im Artikel selbst finde ich es nur belustigend, dass man wieder auf den Elektro-Auto-Zug aufspringt. Ist ja gerade modern. Die Batterien wachsen auf Bäumen und der Strom wird 100%ig ökologisch produziert. Oder irre ich mich da etwa? Z.Z. sieht die Energiebilanz dieser Fahrzeuge mehr als grausig aus. Einkaufen auf dem Wochenmarkt, klar. 25km entfernt und dann mit 6 Einkaufstaschen in den Bus. Ich mache es gelegentlich, ich frage mich, ob der Schreiberling des Artikels das je probiert hat.

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