Die ersehnte Entscheidung Magna übernimmt Opel

Angela Merkel (Foto)
Nachdem Angela Merkel in Berlin die Magna-Übernahme verkündet hat, will Außenminister Steinmeier heute in Leipzig eine Pressekonferenz zu Opel geben. Bild: dpa

Der Autokonzern GM verkauft Opel an die Magna-Gruppe und russische Investoren. Branchenexperten begrüßen die Entscheidung, die in zwei bis drei Wochen unterschriftsreif sein soll. Magna will rund 3000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Opel-Standorte erhalten.

GM verkauft an den österreichisch-kanadischen Zulieferer und dessen russischen Partner Sberbank 55 Prozent an Opel und behält 35 Prozent. Zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Magna und die Sberbank teilen sich 55 Prozent je zur Hälfte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, sie habe nicht den Eindruck, dass GM weiter taktieren wolle. Der Konzern habe keine Nachforderungen gestellt. Die Finanzierungsbedingungen der Bundesregierung würden von General Motors akzeptiert, sagte Merkel. Nach Angaben von Merkel hatte GM-Chef Fritz Henderson in einem Telefonat den Chef des Kanzleramts, Thomas de Maizière, über den Verkauf von Opel informiert.

Frank-Walter Steinmeier äußerte sich bei einem Wahlkampftermin in Leipzig zum Opel-Verkauf: «Wer ist im Februar zu Opel gegangen? Das war nicht die CDU, das war nicht der Guttenberg. Das war die SPD und das lassen wir uns nicht nehmen», sagte er. Rückendeckung unterhielt er von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der mit Blick auf Steinmeier sagte: «Heute haben wir Sicherheit für Opel. Das ist Dein Erfolg. Du bist bei Deiner klaren Linie geblieben.»

Geschichte von Opel
Vom Kapitän P 1 bis zum Ampera

Die öffentlichen Mittel für die neue Opel-Gesellschaft sollen nicht nach Russland oder in die USA fließen, betonte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. GM fordert jedoch, dass Opel weiterhin im globalen Produktentwicklungs- und Einkaufsverbund von GM integriert bleibt. «Dies ermöglicht es allen Seiten, vom Austausch von Technologie- und Entwicklungskapazitäten zu profitieren», betonte GM-Chef Fritz Henderson. Beispielsweise könnten Fahrzeuge wie das Elektroauto Ampera nur mit vereinten Kräften auf den Markt gebracht werden.

Nach Angaben von GM-Verhandlungsführer John Smith soll die verbindliche Vereinbarung mit Magna in zwei bis drei Wochen unterschriftsreif sein. Im Großen und Ganzen seien die Arbeiten bereits getan. Es seien noch vier kleinere Vereinbarungen auszuhandeln. Dabei gehe es um die Zusammenarbeit beim Einkauf und die technologische Nutzung. Auch mit der Bundesregierung müssten weitere Gespräche geführt werden. Die Opel-Treuhand hat den Verkauf des Autobauers unterdessen genehmigt. Das teilte das Gremium mit. Damit sei der Weg frei für eine erfolgreiche Zukunft der Traditionsmarken Opel und Vauxhall.

Übernahmepoker
Sie balgen sich um die Opel-Rettung

Merkel begrüßte die Entscheidung außerordentlich. «Geduld, Zielstrebigkeit, auch Klarheit» der Bundesregierung hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. «Ich weiß, dass vor Opel noch ein schwieriger Weg liegt», erklärte die Kanzlerin. Eine entsprechende Empfehlung habe zuvor auch der GM-Verwaltungsrat gegeben. Opel solle herausgelöst werden. Den Zuschlag soll dann dem Vernehmen nach der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna erhalten. Die endgültigen Details müssten aber noch ausgehandelt werden, hieß es.

Dass es Abstimmungsprobleme zwischen Merkel und Steinmeier bei der Verkündung der Übernahme von Opel durch Magna gegeben hat, das konnte die Pressestelle der SPD nicht bestätigen. «Frau Merkel ist die Kanzlerin», sagte die Parteisprecherin auf eine Anfrage von news.de, warum Merkel noch vor GM an die Presse gegangen ist.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die angekündigte Übernahme der Mehrheit an Opel durch den kanadischen Autozulieferer Magna als «langfristig tragfähiges Konzept» begrüßt. «Das ist eine große Entscheidung, wenn sie wirklich so umgesetzt wird», sagte der Professor und Leiter des Forschungszentrums CAR an der Uni Duisburg-Essen.

«Man kann nur allen gratulieren», sagte Dudenhöffer. Der Weg in die Zukunft für Opel und auch für General Motors sei damit vorgezeichnet. Dass der Plan noch an von GM gestellten Bedingungen scheitern könnte, nannte der Experte unwahrscheinlich. «Man kann sich das nicht vorstellen», sagte er und verwies auf die deutlichen Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die davon gesprochen hatte, dass die nicht näher bezeichneten Bedingungen «beherrschbare und verhandelbare Dinge» seien.

Deutschland wollte das Konsortium Magna/Sberbank nach früheren Angaben mit 4,5 Milliarden Euro unterstützen. Auch wollte GM bei einem Verkauf an Opel beteiligt bleiben. Zweiter Bieter neben Magna ist der Finanzinvestor RHJ International.

mat/hav/san/bla/news.de/dpa/ap

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