So., 12.02.12

Energieversorgung der Zukunft Die Stromleitung mit Köpfchen

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 02.11.2009

Bei der Übertragung von elektrischem Strom steht ein Paradigmenwechsel bevor. In Zukunft sollen mitdenkende Smart-Grid-Netze schrittweise das alte System ablösen. Siemens und Google wittern ein Milliardengeschäft.

Eine Leitung, die erst die Waschmaschine anstellt, wenn gerade günstiger Strom zu haben ist. Dieser Techniktraum soll mit dem Ausbau von Smart Grids Wirklichkeit werden. Doch es gibt noch viele andere Gründe, warum die bisherigen Stromnetze die Herausforderungen von Morgen nicht meistern können.

In Zukunft werden es nicht mehr einige wenige Großkraftwerke sein, die den Hauptanteil der Stromproduktion sicherstellen, sondern viele kleine Kraftwerke. Das Problem: Erneuerbare Energien liefern nicht gleichmäßig elektrischen Strom. Bei geringer Leistung werden bisher ineffiziente Kraftwerke hochgefahren. In Zukunft könnten die intelligenten Stromnetze diese Schwankungen ausgleichen und dadurch ein hoher Anteil an CO2-Abgasen verhindert werden.

Bei der Umrüstung von alten auf neue Stromnetze sollen zuerst die herkömmlichen Stromzähler in den Wohnungen durch moderne Geräte ausgetauscht werden. Diese Geräte erlauben ein flexibles Strommanagement für Kunden. Zudem sollen lokale und regionale Netze stärker durch Messgeräte überwacht werden, um Leistungsschwankungen besser erfassen zu können.

Wie weit Deutschland mit dem Ausbau der neuen Netze ist

Die US-Regierung hat Smart Grids bereits zu einem zentralen Teil ihrer Wirtschaftspolitik erklärt und stellt dafür mehr als vier Milliarden Dollar zur Verfügung. China will ebenso mit viel Geld den Ausbau dieser Technologie im Land voranbringen.

Die deutsche Regierung fördert das Projekt mit insgesamt 60 Millionen Euro. Das Geld fließt zusammen mit 80 Millionen Euro von privaten Unternehmen in sechs «E-Energy-Modellregionen» in Deutschland.

Im Vergleich zu den USA scheint das wenig Geld. Hannes Rüttinger vom Fraunhofer Institut in Illmenau erklärt, warum hierzulande bisher niemand viel Geld in die Hand nehmen will: «Netzbetreiber haben keinen Gewinn, deshalb stocken die Investitionen», sagte der Wissenschaftler in dem Online-Magazin Wir Klimaretter. Der Gewinn, der sich durch Vermeidung von sogenannten Lastspitzen, also Zeiten hoher Stromnachfrage im Netz, erzielen lasse, sei momentan nicht hoch genug, um die Kosten aufzuwiegen.

Trotzdem, die Modellregionen sind ein erster Schritt, um Deutschlands Stromversorgung der Zukunft zu testen. Das Ruhrgebiet wurde beispielsweise für die sechs Modellregionen ausgewählt, weil es einen guten Bevölkerungsschnitt aufweist.

Dort sollen die Verbrauchsdaten aufgezeichnet und anschließend mit einem GatewayEin solches Gateway ist eine Funktionseinheit, die sich beim Kunden befindet. Sie liest auf der einen Seite die Smart Meter aus und verarbeitet auf der anderen Seite aber auch Preissignale des Stromlieferanten. Der Kunde kann das Gerät so programmieren, dass es für ihn finanziell optimal wird. ausgewertet werden. «Der Kunde wird in die Lage versetzt, seine Geräte (...) so zu steuern, dass es für ihn finanziell optimal wird», sagt Michael Laskowski, Koordinator für das dortige Projekt E-DeMa. «Die Waschmaschine bietet künftig dem Kunden die Möglichkeit, anhand der Preissignale den günstigsten Tarif auszuwählen und unterstützt damit den Kunden beim effizienten Umgang mit Energie.»

Eine weitere Modellregion ist Cuxhaven. Diese Region ist deshalb interessiert, weil dort bereits viel erneuerbare Energie aus Wind, Photovoltaik und Biogas gewonnen wird, sagt Wolfram Krause von der EWE Aktiengesellschaft und Projektleiter von eTelligence, des Projektes der Region. «50 Prozent des Strombedarfs werden aus umliegenden regenerativen Anlagen gedeckt, das ist enorm.» Zum anderen gebe es in Cuxhaven viele flexible Verbraucher: «Die Fischindustrie mit ihren Kühlhäusern, zwei große Schwimmbäder mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, ... und genau die wollen wir trickreich nutzen, um Strom in genau dem Moment zu erzeugen, wo wir ihn dringend brauchen.»

Welche Unternehmen bereits das große Geld wittern

Die Hersteller der Technik stehen schon Schlange. Der deutsche Industriekonzern SiemensBis 2014 will Siemens mehr als sechs Milliarden Euro pro Jahr mit Smart Grids erwirtschaften. Geht man vom jetzigen Gesamtumsatz bei Siemens von 77 Milliarden Euro aus, würde das am Gesamtgeschäft immerhin knapp acht Prozent ausmachen. schätzt, dass der Markt in den nächsten fünf Jahren weltweit auf 30 Milliarden Euro wachsen wird. Der Konzern peile dabei einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent an, so eine Konzern-Sprecherin auf news.de-Anfrage.

Alleine in diesem Geschäftsjahr sollen Aufträge von knapp einer Milliarde Euro bei Siemens eingehen. Gegenwärtig produzieren die Münchner bereits für Kunden in Deutschland, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, China und der Schweiz.

Neben Siemens wollen weitere internationale KonzerneAuch Cisco, IBM und Microsoft entwickeln gegenwärtig neue Werkzeuge für Smart Grids, ebenso wie die Stromerzeuger Electricité de France oder American Electric Power. etwas vom großen Kuchen abhaben. So hat Google eine Reihe von Partnerschaften mit Stromproduzenten angekündigt. Mit einem für Smart Grids entwickeltem PowerMeter will der Softwareriese den Stromkunden ein Werkzeug in die Hand geben, mit dem sie ihren Stromverbrauch in Echtzeit im Internet verfolgen und steuern können.

kat/reu/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 03.11.2009 10:52
von
bla

In Zukunft wird hoffentlich jede Steckdose aus drei Kabeln und einem bidirektionalen Funksender ausgestattet sein, der zum Dimmen und Messen der gezogenen Leistung zuständig ist, und außerdem diverse Umwelteinflüsse misst. Das wird maxmimale Sicherheit und maximale Energieeffizienz bringen, ein Rechner, der nur dann lüftet, wenn die Außentemperatur es erlaubt usw, in 2,5 Jahren wird es schon soweit sein.

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