Preiswert reisen Deutschland fährt mit

Fahrgemeinschaft (Foto)
Neben dem Sparaspekt bieten Mitfahrgelegenheiten auch die Möglichkeit, neue Freunde kennenzulernen. Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Was einst im kleinen Rahmen begann, ist mittlerweile zum Trend geworden. Täglich fahren Tausende Menschen in Deutschland nicht mehr selbst. Sie fahren mit. News.de blickt in den Innenraum des Mitfahrerlebens und zeigt, was man dabei sparen kann.

Sie ist nach Trampen die billigste Reisemöglichkeit: die Mitfahrgelegenheit. Täglich suchen Tausende Menschen im Internet nach Verbindungen quer durch Deutschland und Europa. Sie geben ihren Zielort ein, wählen ein Angebot mit dem besten Preis oder dem schönsten Auto aus und rufen den Fahrer an. Im besten Fall hat der noch einen Platz frei.

Allein das im Jahr 2001 gegründete Internetportal Mitfahrgelegenheiten.de vermittelt täglich nach eigenen Angaben 10.000 bis 15.000 Fahrten - und das für viel weniger Geld als die Konkurrenz. Während die Deutsche Bahn von Berlin nach Leipzig ohne Bahncard beispielsweise 42 Euro für ein 2. Klasse-Ticket verlangt, liegt der vergleichbare Durchschnittspreis einer Mitfahrgelegenheit für die Strecke bei 12 Euro. Grundsätzlich kann man von einem Preis zwischen 5 bis 7 Euro pro 100 Kilometer ausgehen.

Das Potenzial der Mitfahrgelegenheiten hat nun auch Deutschlands größter Automobilclub, der ADAC, für sich entdeckt. Für das neue Angebot Mitfahrclub greift der ADAC auf die Datenbank von Mitfahrgelegenheiten.de zurück. Man wolle eine wirtschaftliche Alternative zum Individualverkehr bieten, begründet ADAC-Sprecherin Katharina Bauer. Und durch die Kooperation mit Mitfahrgelegenheiten.de könne der ADAC auf eine große Zahl an Einträgen zugreifen und erhöhe damit die Attraktivität seines Angebotes.

Anscheinend wird diese Kooperation auf beiden Seiten als eine Win-Win-Situation gewertet. «Wir haben durch die 16 Millionen ADAC-Mitglieder unsere Reichweite stark erweitert und dadurch ein weit größeres Spektrum an Fahrern und Mitfahrern», sagt Gründer und Geschäftsführer Michael Reinicke von Mitfahrgelegenheiten.de.

Sowohl ein Angebot im Internet einstellen, als auch das Kontaktieren sind bei den meisten Internetseiten kostenlos. Das Geld, was ein Mitfahrer für eine Fahrt zahlen muss, ist der Obolus für den Treibstoff. Es muss solange nicht versteuert werden, solange keine Gewinnabsichten des Fahrers vorliegen. Das bedeutet in der Praxis: Die Einnahmen dürften die Betriebskosten nicht - oder nur minimal - übersteigen, erklärt die Sprecherin des Verkehrsministeriums, Sabine Mehwald.

Doch es gibt sie, die schwarzen Schafe, die quer durch Deutschland fahren, um bei möglichst vielen Mitfahrern abzukassieren und damit mehr als die Betriebskosten einzusammeln. Meist fahren sie in Kleinbussen auf gut frequentierten Strecken zwischen Großstädten hin und her. Und dass ohne Gewerbeschein und ohne Absicht, die Gewinne irgendwann zu versteuern.

In Berlin habe es sogar Fälle gegeben, bei denen Kurierfahrer zusätzlich zu ihrer Fracht Personen für einen bestimmten Preis mitgenommen haben – alles mit dem Geschäftsführer abgesprochen, sagt Bastian Roet, Verkehrssoziologe beim Automobilclub von Deutschland (AvD). Ziel dieser Unternehmen sei es gewesen, damit eine zusätzliche unversteuerte Mehreinnahme erzielen zu können.

Bei Mitfahrgelegenheiten.de ist das Problem bekannt und entsprechend habe man auch Strategien, um diese schwarzen Schafe zu ermitteln. So gebe es spezielle Algorithmen, die nach Mustern suchen, die für kommerzielle Anbieter typisch seien, sagt Michael Reinicke. Werde einer von ihnen gefunden, dann kooperiere man mit den Behörden, um die Abzocker aus dem Verkehr zu ziehen. Die Strafen lägen im fünfstelligen Bereich. Zudem seien in einigen Fällen Computer und Fahrzeug beschlagnahmt worden.

Ob die Deutsche Bahn die Mitfahrgelegenheit als starke Konkurrenz für ihr Geschäft sieht, kann man nur vermuten. Zumindest beobachtet das Unternehmen die Internetportale der Anbieter kritisch, um dort Mitfahrgelegenheiten für Bahnfahrten zu finden. Es sei nicht erlaubt, wenn ein Inhaber einer Monatskarte oder einer Bahncard andere Mitfahrer mitnnehme und von diesen Geld verlange, erklärte ein Bahnsprecher auf Nachfrage.

Anders sei es, wenn jemand Mitfahrer für ein Wochenendticket sucht, mit denen er sich anschließend in die Kosten reinteile oder wenn er einen Bekannten auf seiner Monatskarte mitnehme. Der Verkauf von Bahnfahrten sei aber grundsätzlich nicht erlaubt. «Wir behalten uns dafür auch rechtliche Schritte vor.»

seh/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • naomi asare
  • Kommentar 2
  • 03.07.2012 19:54

ich wolte am samstag fährt von osnabrück naah wurzburg.

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  • Kamila Plogmann
  • Kommentar 1
  • 28.01.2012 21:49

Eine weitere Alternative zu Mitfahrzentralen bietet www.haus-taxi.de an. Ähnlich wie bei den Mitfahrzentralen werden bei www.haus-taxi.de Sammeltaxifahrten innerhalb Deutschlands angeboten, sobald sich mehr als vier Personen mit der gleichen Reiserichtung finden. Die Preise liegen dabei ca. 25% unter den Normaltarifen eines ICE-Tickets. Allerdings etwas über den Preisen der Mitfahrzentralen. Dafür wird jeder Fahrgast zu Hause abgeholt und direkt zu seinem gewünschten Ort gebracht. Ausserdem bieten die Sammeltaxen mehr Sicherheit, da nur Fahrer mit Personenbeförderungsschein eingesetzt werden.

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