Mo., 13.02.12
Wirtschaftskrise

Prognose Wo in Zukunft neue Arbeitsplätze entstehen

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 14.07.2009

Die Arbeitslosigkeit nimmt wegen der Wirtschaftskrise zu. Doch an der langfristigen Tendenz auf dem Markt ändert sie wenig, sie beschleunigt sie höchstens. Weiterhin gilt: In Zukunft werden Fachkräfte gesucht. News.de zeigt, in welchen Bereichen.

Deutschland ist Exportweltmeister und produziert Autos und Maschinen für die ganze Welt. Deshalb werden in Zukunft in der Industrie viele Arbeitsplätze benötigt. Das klingt logisch, ist aber falsch. Denn Studien, die sich mit dem Arbeitskräftebedarf von morgen beschäftigen, kommen zu dem Ergebnis: Die Nachfrage nach Arbeitern im verarbeitenden Gewerbe sinkt beachtlich.

Während heute noch etwa 7,5 Millionen Menschen in diesem Sektor tätig sind, geht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beispielsweise davon aus, dass die Zahl der Arbeitskräfte bis zum Jahr 2025 in diesem Sektor auf 6,2 Millionen sinken wird. Und diese Prognose ist kurz vor der Wirtschaftskrise entstanden.

Das hat zwei Gründe. Zum einen sei der Anteil des verarbeitenden Sektors an der gesamten Wertschöpfung in Deutschland ohnehin sehr stark ausgeprägt, wie Christian Rammer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf news.de-Anfrage erklärt. In anderen hoch entwickelten Ländern wie Frankreich und den USA sei dieser Anteil bedeutend niedriger. «In Zukunft ist es deshalb zu erwarten, dass sich Deutschland der Anteil an das Niveau anderer Länder angleicht.»

Eine weitere Ursache für die sinkende Arbeitskräftenachfrage in der Industrie liege an dem beträchtlichen Produktivitätsfortschritt, erklärt Rammer weiter. Die Beschäftigten im industriellen Sektor würden eher abgebaut, auch wenn die Produktion auf diesem Niveau gehalten werde. Ausnahme seien Bereiche wie die Umwelttechnologie, in denen es noch starke Wachstumsraten gebe. Nach Branchenangaben könnten dort noch 500.000 neue Jobs geschaffen werden.

Bei diesem zu erwarteten Rückgang an Arbeitskräften in der Industrie scheint es überraschend, wenn die Nachfrage nach Ingenieuren und Naturwissenschaftlern trotz der Wirtschaftskrise immer noch hoch ist und auch in Zukunft eher noch ansteigen wird, wie ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit auf news.de-Anfrage bestätigt. Diesen Gegensatz erklärt Gerd Zika vom IAB mit den Worten: «Es kommt auf die Qualifikation darauf an. Arbeitskräfte werden vor allem in der mittleren und unteren Ebene abgebaut.» Ähnlich die Einschätzung von Christian Rammer: «Um den Produktivitätsfortschritt Deutschlands halten zu können, ist die Industrie auf hoch qualifizierte Fachkräfte angewiesen.»

Doch es trifft nicht nur die Industrie. Weitere Branchen, in denen Arbeitskräfte in Zukunft abgebaut werden, sind nach der Berechnung des IAB die öffentliche Verwaltung und der Handel. Beim Baugewerbe bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften laut der IAB-Studie stabil. Anders das Ergebnis einer Zukunftsprognose der Marktforscher von Prognos, die erst Ende 2008 veröffentlicht wurde. Demnach werden auch in der Bauwirtschaft in Zukunft weniger Arbeitskräfte nachgefragt als heute.

Bei der Aussage der Branchen mit einem steigenden Arbeitskräftebedarf ähneln sich die Ergebnisse beider Forschungsinstitute. Ein erhöhter Bedarf ist sowohl nach den Berechnungen des IAB als auch derer von Prognos in den nächsten zwanzig Jahren vor allem bei den unternehmensnahen Dienstleistungen zu erwarten. Gerd Zika vom IAB erklärt das mit der anhaltenden Tendenz des Outsourcing, also der Ausgliederung von Unternehmensteilen. Als Beispiele von Dienstleistern, die Arbeitsplätze schaffen werden, nennt Zika Softwarehäuser, Hardwareberatungen, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberater, Marktforscher, Ingenieurbüros und Werbeagenturen.

Sehr gute Beschäftigungsperspektiven zeichnen sich in den nächsten 20 Jahren auch im Gesundheits- und Sozialwesen ab. «Der Hauptgrund hierfür ist die Alterung der Gesellschaft, durch die sowohl die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen massiv steigt als auch die Beschäftigung in Senioreneinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten», so Zika.

Die Marktforscher von Prognos haben neben den Branchen noch den Bedarf einzelner Berufsgruppen analysiert. Demnach kann generell gesagt werden, dass auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft vor allem Fachleute gesucht werden.

«Bei Fachkräften steuert die Bundesrepublik eindeutig auf eine Lücke zu. Vor allem kleine Betriebe werden davon betroffen sein, können sie doch die Gehälter für Spitzenkräfte nicht bezahlen», warnen die Forscher.

Im Jahr 2030 fehlen den deutschen Unternehmen der Prognos-Analyse zufolge 5,5 Millionen gut ausgebildete Arbeitnehmer. Bereits im Jahr 2015 könnten beispielsweise rund elf Prozent der Stellen für Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker nicht besetzt werden. Neben diesen technischen Fachkräften werden in Zukunft vor allem Lehrer, Mediziner sowie auch Sprach- und Kulturwissenschaftler gefragt.

Bis 2030 werde sich das Problem des Fachkräftemangels weiter verschärfen und betrifft dann auch nicht Akademiker, heißt es in der Prognos-Analyse weiter. Bei den Berufsabschlüssen seien besonders die Ausbildungen Kranken- und Altenpfleger und sonstige medizinische Bereiche sowie Ausbildungen in den Bereichen Informatik sowie Sprachen, Sport und Kultur gefragt.

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