Google Die Firma aus der Klischee-Garage

Google streicht 200 Stellen im Vertrieb (Foto)
Dieser Schriftzug ist 86 Milliarden Dollar wert. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Das Potenzial des Internets ist gigantisch. Aber anders als in der realen Wirtschaft, in der immense Investitionen für eine Unternehmensgründung nötig sind, kann im Internet jeder dabei sein. Es braucht nur eine gute Idee. Und dafür ist Google ein grandioses Beispiel.

In jedem zweiten deutschen Haushalt steht Umfragen zufolge ein internetfähiger Computer. Und die meisten der Nutzer dürften nach den Erkenntnissen der Studien mehrmals pro Tag «google.de» in ihren Browser eingeben, um nach Informationen im Netz zu suchen. Demnach wird die Suchmaschine mittlerweile öfters auf dem Computerbildchirm angezeigt als Coca-Cola-Flaschen im Kühlschrank stehen.

Was dieser Vergleich soll? Nur so kann erklärt werden, warum die Marke Google mit 86 Milliarden Dollar weitaus teurer ist als die Marke Coca Cola mit 58 Milliarden Dollar. Und dabei hatte die süße Zuckerbrause viel mehr Zeit als die Suchmaschine. Denn während die Coca-Cola-Geschichte bereits im Jahr 1886 begann, startete Google erst Mitte der 1990er Jahre.

Damals arbeitete der Mathematik-Student und Google-Gründer Larry Page in seiner Doktorarbeit an einem neuen Suchalgorithmus für das Internet. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Sergey Brin entwickelte Page ein Verfahren, bei dem die Verlinkung der Webseiten als Kriterium für deren Bedeutung verwendet wird. Diese Methode stammt ursprünglich aus der Wissenschaft. Dort werden besonders interessante Beiträge oder herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse häufiger in anderen wissenschaftlichen Texten erwähnt als weniger interessante Beiträge.

Nach dem Ende ihrer Forschungsarbeit gründeten Larry Page und Sergey Brin im Jahr 1998 das Unternehmen Google. Danach begann der Aufstieg ganz klassisch: mit einer Garagenfirma im kalifornischen Menlo Park.

In der Branche wurde die neue Suchmaschine anfangs als chancenlos und überflüssig belächelt. Doch bald zeigte sich, dass sich die Technologie als überaus erfolgreich in der Praxis erwies. Durch die Bewertung und Sortierung der Suchergebnisse nach deren Relevanz war Google anderen Suchmaschinen überlegen. So wurde die Suchmaschine zur Nummer 1 in der Internetgemeinde. Und das Wort «googeln» hielt Einzug in Lexika und den deutschen Duden.

Etwa die Hälfte aller weltweiten Suchanfragen im Internet läuft mittlerweile über Google. Die Nummer zwei, Yahoo, kann dagegen nur 22,5 Prozent der Anfragen auf sich verbuchen. Danach kommen MSN und AOL mit etwa zehn und knapp 7 Prozent.

Lesen Sie auf Seite 2, wie aus dem Konzern ein Softwaregigant wurde

Obwohl die Suchmaschine auf dem Bildschirm nur wie eine einfach gehaltene Website aussieht, steckt hinter dem Programm ein riesiges, weltweit verteiltes Servernetzwerk. Anders ist die riesige Datenmenge, die ständig durch neue Internetseiten ergänzt wird, nicht zu verwalten. Google hat nach eigenen Angaben den größten Index an Webseiten und anderen Internetinhalten wie Fotos, Filme und Programme weltweit.

Ältere Schätzungen gehen davon aus, dass alle gesammelten Daten auf Papierbögen ausgedruckt und übereinandergelegt einen 1600 Kilometer hohen Stapel bilden würden. Das jedenfalls behauptet Lars Reppesdaard in seinem Buch Das Google Imperium, in dem er die Erfolgsgeschichte des Unternehmens beleuchtet. Mittlerweile dürfte die Suchmaschine schon weit mehr Seiten gespeichert haben. Im Juli 2008 ermittelte Google nach eigenen Angaben die Existenz von mehr als einer Billion URLs im World Wide Web.

Auf wie vielen Rechnern Google die Welt abspeichert, gibt der Konzern nicht mehr bekannt. Als Technik verwendet Google nach Darstellung von Lars Reppesdaard IBM-kompatible Personal-Computer. Experten schätzen, dass es vor knapp zwei Jahren eine Million Personalcomputer waren und jedes Jahr 400.000 dazukommen.

Doch Google ist inzwischen mehr als Suchmaschine und eine Garagenfirma: Google ist ein ein Softwarekonzern geworden, der selbst Programme anbietet und ein Handy auf den Markt gebracht hat. Insgesamt sollen es mehr als 60 Programme sein, die von einem internetfähigen Rechner abgerufen werden können. Neben den bekannten Programmen wie Google Maps, Google Mail und YouTube bietet das amerikanische Unternehmen beispielsweise mit Google Translate auch einen Übersetzungsdienst, mit Google Docs eine Online-Textverarbeitung und mit Google Calendar einen Online-Terminplaner. Und das wird noch längst nicht alles ein. Ständig arbeiten die Software-Ingenieure an neuen Angeboten.

Lesen Sie auf Seite 3, wie Google Geld verdient

Doch wie wird das alles eigentlich alles finanziert? Bis vor einigen Jahren wusste das niemand. Und anscheinend konnten (oder wollten?) selbst die Firmengründer diese Frage nicht beantworten. Noch im Jahr 1999, damals besuchten etwa vier Millionen Nutzer täglich die Suchmaschine, stellte ein Journalist dem Google-Investor John Doerr diese Frage. Der Investor verwies auf die hohe Zahl der Seitenaufrufe und antwortete zuversichtlich: «Wir werden noch herausfinden, wie man damit Geld machen kann.»

Zu dieser Zeit generierte Google kaum Einnahmen, hatte aber bereits 40 Angestellte, die mit der gesamte Servertechnologie 500.000 Dollar monatlich kosteten. Damals hofften die Firmengründer, die sich mit Risikokapital über Wasser hielten, dass sie die Suchtechnologie für einen hohen Betrag verkaufen könnten. Doch es kam anders. Larry Page und Sergey Brin verwandelten ihre Suchmaschine in eine Gelddruckmaschine.

Das Geschäftsmodell dafür schauten sie sich bei goto.com ab. Diese Suchmaschine besaß bereits eine Eingabemaske, in die Werbekunden ihren Text schreiben konnten. Dazu hatte Goto ein Auktionssystem programmiert, welches darüber entschied, welche Anzeige bei welchem Suchwort auf der Seite angezeigt wird. Genau nach diesem Prinzip funktionierte später auch Googles «Adwords», mit dem im Jahr 2002 der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens startete.

Mittlerweile macht Google 99 Prozent seiner Einnahmen mit dem Verkauf von Werbung. Neben der Anzeige von Werbetexten, die auf der Google-Seite nach Eingabe der Suchwörter angezeigt wird, vermittelt Google zudem mit seinem Service «Adsense» Werbung auf unzähligen Partnerseiten im Netz.

Heute ist das Unternehmen Google mehr als 100 Milliarden Dollar wert, und in Sachen Suchanfragen liegt man nahezu uneinholbar vorn. Im gesamten Jahr 2008 stieg der Google-Umsatz um 31,3 Prozent auf 21,79 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte trotz einer Milliardenabschreibung um 0,5 Prozent auf knapp 4,23 Milliarden Dollar zu. Und die Zahl der Mitarbeiter stieg zum Jahresende 2008 auf 20.222.

seh

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 14.04.2009 00:23

google ist dass beste auf der welt

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